China gilt als weltweit wichtigster Nachfrager von Gold und steht deshalb im Fokus der Edelmetallmärkte. Veränderungen im Kaufverhalten chinesischer Anleger, Schmuckkunden und der Zentralbank können den Goldpreis beeinflussen. Ein aktueller Bericht des World Gold Council (WGC) für September liefert aufschlussreiche Zahlen.

Der September verlief für Goldanleger zunächst enttäuschend. Während der internationale Goldpreis auf Dollarbasis um 8,5 Prozent nachgab, verbilligte sich das Edelmetall in chinesischer Währung um 5,5 Prozent. Dennoch nutzten zahlreiche chinesische Investoren die niedrigeren Preise für zusätzliche Käufe.

Besonders deutlich zeigte sich dies bei börsengehandelten Goldfonds. Laut WGC flossen chinesischen Gold-ETFs im September elf Tonnen Gold zu. Damit stiegen die Bestände den dritten Monat in Folge und erreichten mit 304 Tonnen einen neuen Monatsend-Rekord. Im gesamten dritten Quartal erhöhten sie sich um 27 Tonnen. Die Mittelzuflüsse summierten sich auf umgerechnet 3,9 Milliarden Dollar.

Als wesentliche Gründe nennt der WGC die Schwäche des chinesischen Aktienmarktes und sinkende Renditen heimischer Staatsanleihen. Beides erhöhte die Attraktivität von Gold als alternative Anlage. Zusätzlichen Rückenwind lieferten die regelmäßigen Goldkäufe der chinesischen Zentralbank. Der WGC betonte: „Das starke dritte Quartal glich die Verluste des zweiten Quartals aus und brachte die Mittelzuflüsse chinesischer Gold-ETFs seit Jahresbeginn auf Kurs zu einem Rekordjahr.“

Chinas Zentralbank kauft 23 Tonnen Gold

Ein besonders starkes Signal kam von der chinesischen Notenbank. Sie erhöhte ihre Goldreserven im September um 23 Tonnen – der größte monatliche Zukauf seit Oktober 2023. Damit stockte die Notenbank ihre Bestände bereits den 23. Monat in Folge auf.

Insgesamt verfügte China laut offiziellen Angaben Ende September über 2.410 Tonnen Gold. Das entsprach 8,5 Prozent seiner gesamten Währungsreserven. Allein im dritten Quartal kaufte die Zentralbank 63 Tonnen und damit so viel wie seit drei Jahren nicht mehr. Seit Jahresbeginn summierten sich die Zukäufe auf 103 Tonnen (siehe Grafik).

Die kontinuierlichen Käufe sind für den internationalen Goldmarkt bedeutsam, weil Zentralbanken häufig langfristig orientiert handeln. Chinas Nachfrage kann somit eine stabilisierende Wirkung entfalten, selbst wenn kurzfristig steigende Anleiherenditen und ein stärkerer Dollar den Goldpreis belasten.

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Chinas Goldkäufe seit Herbst 2023
Foto: Quelle: gold.org
Chinas Goldkäufe seit Herbst 2023
Gold (ISIN: XC0009655157)

Goldnachfrage: Feiertage beleben Schmuck- und Anlagemarkt

Auch im physischen Goldhandel zeichnete sich im September eine Erholung ab. Banken, Schmuckhersteller und andere Marktteilnehmer entnahmen der Shanghai Gold Exchange insgesamt 92 Tonnen Gold. Gegenüber August bedeutete dies einen Anstieg um 48 Prozent.

Der WGC führt diese Entwicklung unter anderem auf die Vorbereitung der chinesischen Feiertage Ende September und Anfang Oktober zurück. Niedrigere Goldpreise förderten die Nachfrage nach Schmuck, Barren und Münzen.

Allerdings bleibt die Schmuckbranche ein Schwachpunkt. Im dritten Quartal lag die chinesische Goldnachfrage im Großhandel mit 234 Tonnen um 21 Prozent unter dem Vorjahresniveau und 44 Prozent unter dem Zehnjahresdurchschnitt.

Für das Schlussquartal erwartet der WGC dennoch positive saisonale Impulse. Die traditionelle Verkaufshochsaison könnte insbesondere den Schmuckabsatz beleben. Gleichzeitig dürften die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen Investitionen in Anlagegold weiterhin unterstützen.

Fazit: Die Bilanz fällt damit gemischt, aber für Anlagegold überwiegend positiv aus. Während die Schmucknachfrage schwächelt, kaufen in China Privatanleger und Zentralbank verstärkt Gold. Für den Goldpreis ist das ein wichtiger Unterstützungsfaktor, auch wenn die weitere Entwicklung maßgeblich von US-Zinsen, Dollar und geopolitischen Risiken abhängt.

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