Hohe Zinsen, steigende Anleiherenditen und geopolitische Krisen belasten derzeit die Edelmetallmärkte. Dennoch herrschte auf einer internationalen Branchenkonferenz bemerkenswerter Optimismus. Besonders die Prognosen für Gold und Silber lassen aufhorchen.
Auf der vom 4. bis 6. Oktober im italienischen Sorrent veranstalteten Global Precious Metals Conference der London Bullion Market Association (LBMA) standen die weiteren Aussichten für Gold, Silber und andere Edelmetalle im Mittelpunkt. Besonders interessant fiel die traditionelle Preisumfrage unter den Konferenzteilnehmern aus. Die Befragten erwarten, dass der Goldpreis innerhalb der kommenden zwölf Monate auf 5.013,30 Dollar steigen wird. Gegenüber derzeitigen Niveau entspräche dies einem Kursgewinn von fast 22 Prozent.
Die optimistische Einschätzung überrascht angesichts des schwierigen Marktumfelds. Der Iran-Krieg hat die Energiepreise nach oben getrieben und damit die Inflationsrisiken verstärkt. Gleichzeitig belasten hohe Anleiherenditen das zinslose Edelmetall. Dennoch sehen viele Branchenvertreter langfristig mehr Chancen als Risiken.
Als wichtige Argumente gelten steigende Staatsschulden, anhaltende Haushaltsdefizite und zunehmende Zweifel an der langfristigen Kaufkraft klassischer Währungen. Zudem könnte die wachsende geopolitische Fragmentierung dazu führen, dass Investoren und Zentralbanken ihre Reserven stärker diversifizieren.
Zentralbankkäufe stützen die Goldpreis-Prognose
Eine entscheidende Rolle spielt dabei die anhaltende Goldnachfrage der Notenbanken. Laut einer auf der Konferenz vorgestellten Umfrage von UBS Asset Management betrachten 65 Prozent der befragten Reserveverwalter die Diversifizierung als wichtigsten Grund für ihre Goldbestände. Das Edelmetall gehört außerdem zu den Anlageklassen, die zahlreiche Zentralbanken innerhalb der kommenden zwölf Monate aufstocken möchten.
Aktuelle Daten des World Gold Council unterstreichen diese Entwicklung. Im August kauften die Zentralbanken weltweit netto 39 Tonnen Gold. In den ersten acht Monaten des Jahres summierten sich die gemeldeten Nettokäufe damit auf 170 Tonnen.
Besonders auffällig bleibt China. Die People's Bank of China erhöhte ihre Goldreserven im September laut Bloomberg um über 23 Tonnen. Damit stockte die chinesische Notenbank ihre Bestände bereits den 23. Monat in Folge auf.
Ein wesentliches Argument für Gold ist dabei seine Unabhängigkeit von der Zahlungsfähigkeit anderer Marktteilnehmer. Anders als Staatsanleihen stellt physisches Gold keine Forderung gegenüber einem Schuldner dar.
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Silberpreis-Prognose: Mehr als 50 Prozent Kurspotenzial
Noch optimistischer als für Gold fielen die Erwartungen für Silber aus. Die Konferenzteilnehmer prognostizierten für die kommenden zwölf Monate einen Silberpreis von 94,70 Dollar je Feinunze. Das entspricht gegenüber dem aktuellen Kursniveau einem möglichen Anstieg von mehr als 60 Prozent.
Als wichtige Unterstützung gilt die langfristige industrielle Nachfrage. Zwar versuchen Hersteller von Solarmodulen, ihren Silberverbrauch angesichts hoher Preise zu reduzieren. Vollständig ersetzen lässt sich das Edelmetall in der Photovoltaik jedoch nur schwer. Zusätzliche Nachfrageimpulse könnten von der Elektromobilität, der allgemeinen Elektrifizierung und Investitionen in Rechenzentren für künstliche Intelligenz ausgehen. Hinzu kommt die Nachfrage von Anlegern nach physischem Silber. Branchenvertreter berichteten von zeitweise knappen Lagerbeständen und Schwierigkeiten, größere Kaufaufträge zu bedienen.
Fazit: Trotz dieser positiven Perspektiven rechnen die Konferenzteilnehmer weiterhin mit erheblichen Preisschwankungen. Ihre Prognosen verdeutlichen jedoch, dass die Edelmetallbranche den längerfristigen Aufwärtstrend bei Gold und Silber noch nicht als beendet betrachtet.
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