Der Goldpreis meldet sich eindrucksvoll zurück: Innerhalb von vier Wochen verteuerte sich das Edelmetall um rund zehn Prozent und erreichte am MIttwoch mit zeitweise 4.525 Dollar den höchsten Stand seit Anfang Juni. Rückenwind liefern vor allem die aktuellen Entwicklungen am US-Anleihemarkt.
Am Mittwoch legte der Goldpreis schon wieder um über vier Prozent zu. Auslöser war eine überraschende Ankündigung des US-Finanzministeriums, die Liquiditäts-Buybacks für langlaufende Staatsanleihen zu verdoppeln: Das Treasury kauft dabei bereits ausgegebene Anleihen zurück, um Liquidität und Funktionsfähigkeit des Marktes zu verbessern.
Ausverkauf bei US-Anleihen erst einmal gestoppt
Vorausgegangen war ein heftiger Ausverkauf langlaufender US-Staatsanleihen: Steigende Inflationsrisiken hatten Investoren zu höheren Renditeforderungen veranlasst, die Rendite 30-jähriger Treasuries war auf den höchsten Stand seit fast zwei Jahrzehnten geklettert.
Für Gold war die Ankündigung doppelt hilfreich: Die Anleiherenditen gingen zurück, während der Dollar in die Nähe eines Dreimonatstiefs fiel – beides verbessert normalerweise das Marktumfeld für das zinslose, in Dollar gehandelte Edelmetall. Die Reaktion dürfte aber einen tieferen Grund haben: Rückkäufe sind zwar keine Anleihekaufpolitik der Fed und keine Staatsfinanzierung durch die Notenbank. Dass Washington die Liquiditätsunterstützung ausgerechnet nach einem kräftigen Renditeanstieg ausweitet, lenkt den Blick auf wachsende Probleme am US-Anleihemarkt.
40 Billionen Dollar US-Schulden stärken Gold-Argumente
Die ausstehende US-Staatsverschuldung hat inzwischen erstmals die Marke von 40 Billionen Dollar überschritten. Je größer der Schuldenberg, desto stärker schlagen hohe Zinsen auf den Haushalt durch – der Wunsch Washingtons nach niedrigeren Finanzierungskosten ist daher nachvollziehbar, zumal auch auslaufende Schuldtitel ständig durch neue Anleihen ersetzt werden müssen.
Daraus entsteht ein Spannungsfeld: Die Fed muss die Inflation im Blick behalten, was tendenziell höhere Zinsen erfordert, während hohe Renditen die Zinslast des Staates erhöhen und Zweifel an der Schuldentragfähigkeit nähren. Das lässt ein traditionelles Kaufargument für Gold ins Rampenlicht zurückkehren: Anders als eine Anleihe stellt Gold keine Forderung gegenüber Staat, Unternehmen oder Bank dar und trägt kein Kontrahentenrisiko – der Wert hängt nicht von der Zahlungsfähigkeit eines Schuldners ab. Je größer die Sorgen um Staatsfinanzen und Papierwährungen, desto attraktiver wird Gold für Anleger und Zentralbanken.
Zwei längerfristige Trends bleiben davon unberührt: Notenbanken diversifizieren seit Jahren ihre Reserven und reduzieren ihre Dollar-Abhängigkeit – diese Entdollarisierung ist eng mit geopolitischen Verschiebungen verbunden und kaum durch kurzfristige Markteingriffe zu stoppen. Auch die hohen US-Haushaltsdefizite und der wachsende Schuldenstand bleiben.
Goldpreis sendet charttechnisches Kaufsignal
Damit gewinnen mehrere fundamentale Argumente für Gold wieder an Gewicht: schwächerer Dollar, gesunkene Anleiherenditen und die langfristige Diversifikation der Währungsreserven. Selbst die Aussicht auf weiterhin hohe US-Leitzinsen konnte den jüngsten Anstieg bislang nicht bremsen.
Rückenwind liefert zudem die Charttechnik: Der Goldpreis hat im Zuge der Rally seine viel beachtete 200-Tage-Linie nach oben überwunden – ein wichtiger Gradmesser für den langfristigen Trend, dessen nachhaltige Überwindung als Kaufsignal gilt.
Fazit: Die Aussagekraft sollte noch nicht überschätzt werden, da die Linie bislang nicht deutlich übertroffen wurde. Gelingt Gold eine dauerhafte Etablierung darüber, käme zum Comeback der fundamentalen Kaufargumente ein starkes technisches Signal hinzu. Nach rund zehn Prozent Kursgewinn in vier Wochen hat sich das Bild für Gold deutlich aufgehellt.
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Häufige Fragen zum Thema
Warum beeinflussen die Anleiherenditen am Bondmarkt den Goldpreis?
Die Anleiherenditen bilden in gewisser Weise auch die Zinserwartungen des Marktes ab - unb das beeinflusst den Goldpreis. Steigen die ZInsen, ist das für Gold, das keine Zinsen abwirft, ungünstig. Fallen die Renditen, steigt der Goldpreis. Am Mittwoch gingen die Anleiherenditen zurück, während der Dollar in die Nähe eines Dreimonatstiefs fiel – beides verbessert normalerweise das Marktumfeld für das zinslose, in Dollar gehandelte Edelmetall.
Was sind die größten Vorteile von Gold?
In physischer Form besitzt Gold kein Kontrahentenrisiko und gilt seit Generationen als wirksamer Krisen-, Vermögens- und Inflationsschutz. Im Gegensatz zu den beiden wichtigsten Anlageklassen Aktien und Anleihen kann man mit Goldmünzen und -barren sowie bestimmten Gold-ETCs nach einer Haltedauer von einem Jahr steuerfreie Kursgewinne realisieren.