Während sich Gold seit Anfang 2026 um mehr als fünf Prozent verteuert hat, weist Silber ein Minus von über zwei Prozent auf. Diese relative Schwäche muss allerdings nicht von Dauer sein. Mehrere fundamentale Faktoren sprechen dafür, dass das Weißmetall gegenüber Gold noch Nachholpotenzial besitzt. 

Indien zählt zu den größten Silberverbrauchern und ist fast vollständig auf Importe angewiesen. Neue Lizenzvorschriften seit Mai zur Schonung der Devisenreserven ließen die Importe zeitweise einbrechen. Mittlerweile entspannt sich die Lage: Allein über die India International Bullion Exchange in Gujarat wurden im August, nach sechs Monaten ohne Einfuhren, wieder 89,81 Tonnen importiert. Laut Metals Focus wurden inzwischen Lizenzen für rund 400 Tonnen erteilt.

Bemerkenswert ist zudem das hohe indische Preisniveau: Der Aufschlag gegenüber internationalen Preisen lag im Juli zeitweise über fünf Dollar – ein starker Lieferanreiz. Zudem steht die Fest- und Hochzeitssaison bevor, in der Juweliere ihre Lager aufstocken. Da Transport, Zollabfertigung und Verarbeitung Zeit benötigen, könnte steigende Nachfrage auf zunächst begrenztes Angebot treffen.

Gold-Silber-Ratio signalisiert Nachholpotenzial

Das Ratio gibt an, wie viele Unzen Silber für den Kauf einer Unze Gold nötig sind. Je höher der Wert, desto günstiger ist Silber relativ bewertet. Es sollte aber nicht als starres Modell dienen: Eine aktuelle Studie des Silver Institute (Precious Metals Insights) zeigt, dass sich seine Struktur über Jahrzehnte stark verändert hat. Zwischen 1971 und Mai 2026 lag der Durchschnitt der Monatswerte bei 62,9. Von 2018 bis 2025 bewegte es sich meist zwischen 80 und 90, mit Höchststand 125,7 im März 2020 (aktuell: 66).

Für Anleger zählt folgender Mechanismus: Sinkt das Ratio bei steigenden Edelmetallpreisen, entwickelt sich Silber besser als Gold – ein Muster früherer Haussephasen. Die Studie warnt jedoch davor, aus dem langfristigen Durchschnitt ein zwingendes Kursziel abzuleiten, da strukturelle Verschiebungen bei Investment- und Industrienachfrage das Verhältnis dauerhaft verändern können. So stieg der Anteil der industriellen Verwendung an der Silberverarbeitung ohne Münzen von 41 Prozent (1990) auf 63 Prozent (2025). Sollte das Ratio in Richtung seines Jahrestiefs von 46 zurückfallen, würde sich bei einem Goldpreis von 4.500 Dollar ein Silberpreis von fast 98 Dollar einstellen.

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Silber (ISIN: AF0000SILVER)

Angebotsdefizite und Industrie stützen Silberpreis

Die Nachfrage übersteigt seit Jahren das Angebot und ein schnelles Ende gilt als unwahrscheinlich. Ein erheblicher Teil des Silbers fällt nämlich als Nebenprodukt beim Abbau anderer Metalle an, weshalb sich die Förderung bei steigenden Preisen nicht kurzfristig ausweiten lässt. Zugleich gewinnt Silber dank hoher elektrischer und thermischer Leitfähigkeit als Industriemetall an Bedeutung – etwa in den Bereichen Elektronik, Photovoltaik, Elektromobilität, Stromnetze und Rechenzentren. Anders als Gold wird der Verbrauch damit zusätzlich von konjunkturellen und strukturellen Wachstumstrends getrieben. Die Silver-Institute-Studie bestätigt einen statistischen Zusammenhang zwischen stärkerer globaler Industrieaktivität und sinkendem Gold-Silber-Ratio, also relativer Stärke von Silber.

Silber vereint damit mehrere Kurstreiber: belebte indische Nachfrage, strukturelle Angebotsengpässe, wachsenden Industriebedarf sowie die Chance, einen Teil der Underperformance gegenüber Gold aufzuholen. Nur zur Erinnerung: Während der Goldpreis mit dem Überwinden der 200-Tage-Linie zuletzt ein starkes Kaufsignal gelungen ist, notiert der Silberpreis derzeit noch zwei Dollar unter dieser Linie. Als größter Nachteil gilt für Silber jedoch dessen hohe Volatilität: Wegen des kleineren Marktes und der Doppelrolle als Edel- und Industriemetall reagiert Silber meist heftiger auf Konjunktur-, Zins- oder Stimmungsänderungen als Gold – Chance auf überproportionale Gewinne, aber auch höheres Rückschlagrisiko.

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