FRANKFURT (dpa-AFX) - Am deutschen Aktienmarkt hat am Donnerstag kurz vor der allgemein erwarteten Zinserhöhung durch die Europäische Zentralbank (EZB) die Vorsicht die Oberhand gewonnen. Gegen Mittag lag der Dax mit 0,2 Prozent leicht im Minus bei 25.529 Zählern. Am Vortag hatte ein herber Rücksetzer den Dax auf ein Tief seit Ende Juli gedrückt, belastet von dem auf über 100 US-Dollar gestiegenen Ölpreis.

Vom Ölpreis gab es erneut Gegenwind, ein Fass der Nordseesorte Brent zur Lieferung im November kostete zuletzt 102,50 US-Dollar. Das ist das höchste Niveau seit Mai. Der MDax gab um 0,4 Prozent auf 31.967 Punkte nach. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 lag moderat im Minus.

Von der EZB wird von Experten ganz überwiegend die zweite Zinserhöhung in diesem Jahr erwartet. Damit würde sich der Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf 2,50 Prozent erhöhen. Höhere Zinsen sind tendenziell eine Belastung für die Aktienmärkte. Sie erhöhen die Finanzierungskosten von Unternehmen, verteuern Investitionen und machen Anleihen als alternatives Investment attraktiver.

"Entscheidend wird der Ausblick der EZB sein. Die Märkte gehen aktuell von weiter steigenden Leitzinsen und zwei weiteren Zinsschritten im kommenden Jahr aus", sagte Thomas Altmann von QC Partners. Die Experten der Commerzbank schrieben: "Die Inflation dürfte auch in den kommenden Monaten weiter steigen und sich immer mehr dem negativen Szenario der EZB nähern".

Für Kursbewegungen sorgten vorwiegend Kommentare von Analysten. So fielen die Papiere des Getriebeherstellers Renk um zwei Prozent, nachdem das Investmenthaus Exane BNP sie auf "Neutral" abgestuft hatte.

Die Papiere von RWE , Porsche AG , MTU Aero Engines und DHL konnten hingegen von positiven Aussagen der US-Investmentbank JPMorgan profitieren. Die Kursgewinne waren allerdings zuletzt überschaubar.

Nicht angesagt waren Aktien der Software-Branche. Anleger zeigten sich reserviert vor den Quartalsbilanzen der beiden IT- und Software-Riesen Oracle und Adobe nach Börsenschluss in den USA. SAP verloren 2,6 Prozent, Nemetschek 1,3 Prozent und Teamviewer 1,4 Prozent./bek/stk

Quelle: dpa-Afx