FRANKFURT (dpa-AFX) - Der Dax hat sich nach seinem jüngsten Kursrutsch am Freitag stabilisiert. Angesichts zuletzt rückläufiger, aber immer noch hoher Ölpreise sowie vor US-Inflationsdaten hielt sich die Kaufbereitschaft der Anleger aber in Grenzen.

Um die Mittagszeit gewann der deutsche Leitindex 0,66 Prozent auf 25.527 Punkte. Damit blieb er klar über der für den mittel- bis langfristigen Trend wichtigen 100-Tage-Linie. Auf Wochensicht zeichnet sich aber ein Rückgang um zwei Prozent ab. Der MDax der mittelgroßen Unternehmen stieg zuletzt um 0,15 Prozent auf 31.643 Punkte. Für den Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 ging es um knapp 0,7 Prozent hoch.

Aus Übersee kommt wenig Unterstützung. In New York weiteten die wichtigsten Indizes am Donnerstag nach dem europäischen Handelsende ihre Verluste noch etwas aus - aktuell zeichnet sich aber auch hier eine Stabilisierung ab. Dagegen dominierten in Asien die Verluste, insbesondere bei den technologielastigen Leitindizes in Tokio und Seoul.

Der Preis für ein Fass der Nordseesorte Brent war in der Nacht mit weiteren Angriffen auf Tanker in der Straße von Hormus sowie Gefechten zwischen jemenitischen Huthi-Milizen und saudisch unterstützten Kräften deutlich gestiegen und der Marke von 110 US-Dollar nahegekommen. Zuletzt gab er indes wieder deutlicher nach in Richtung 104 Dollar.

Am Donnerstag hatte die Europäische Zentralbank (EZB) mit ihrer zweiten Zinserhöhung in diesem Jahr auf den Ölpreisschock infolge des Iran-Kriegs reagiert. In der kommenden Woche wird von der US-Notenbank Fed von vielen Marktteilnehmern ein ähnlicher Schritt erwartet. Umso wichtiger werden die US-Verbraucherpreise am frühen Nachmittag. Der Anstieg der Erzeugerpreise hatte sich im August bereits beschleunigt.

"Die Daten zur August-Inflation sind die letzten entscheidenden Indikatoren vor der Sitzung der Federal Reserve am kommenden Mittwoch, bei der eine Zinserhöhung, anders als bei der EZB, noch längst keine ausgemachte Sache, aber eben eine Option ist", kommentierte Andreas Lipkow, Chef-Marktanalyst bei CMC Markets.

Die Aktien von Dax-Schwergewicht SAP fielen mit einem weiteren Rückgang um 1,1 Prozent auf. Durchwachsene Branchennachrichten aus den USA gaben den Walldorfern keine Unterstützung. Der Software- und Rechenzentrenriese Oracle profitierte im vergangenen Geschäftsquartal kräftig von der Nachfrage nach KI-Infrastruktur - er konnte die Umsätze mit Cloud-Infrastruktur mehr als verdoppeln und übertraf damit die Erwartungen. Auch das bereinigte Ergebnis je Aktie überraschte positiv. Dagegen gab Branchenkollege Adobe einen vorsichtigen Umsatzausblick auf das laufende Quartal.

Ansonsten sorgten Unternehmenspersonalien für Kursverluste. Die Titel des Online-Brokers Flatexdegiro büßten angesichts einiger abrupter Veränderungen im Aufsichtsrat zuletzt noch 5,9 Prozent ein - zeitweise markierten sie ein Tief seit Mai. Der Aufsichtsratsvorsitzende Hans-Hermann Lotter legte sein Amt mit sofortiger Wirkung nieder und scheidet spätestens am 10. Oktober aus dem Gremium aus. Zum selben Zeitpunkt folgt ihm auch Martina Pfeifer. Für Börsianer wirft dies einige Fragen auf.

Beim Sportwarenhersteller Puma fiel das Kursminus mit 2,9 Prozent etwas geringer aus. Der angekündigte Weggang des Vertriebsvorstands Matthias Bäumer erschwere die "Rettungsmission" für Konzernchef Arthur Höld, zumal einem Bericht zufolge der Wunschkandidat für die Leitung des Europageschäfts doch nicht komme, hieß es aus dem Markt.

Gea profitierte derweil mit einem Kursplus von zuletzt noch 0,9 Prozent von einer Hochstufung. Die britische Investmentbank Barclays spricht nun eine positive Empfehlung für die Aktien des Anlagenbauers aus. Gea könne mit seinem qualitativ starken Geschäft und seiner attraktiven Bewertung punkten, wenn die Anleger nach Anlagemöglichkeiten abseits des KI-Booms suchten, begründete Analyst Timothy Lee seine Neubewertung. Die Investitionslage an den Endmärkten von Gea bleibe günstig. Zudem sieht Lee Spielraum für höhere Margenambitionen./gl/jha/

--- Von Gerold Löhle, dpa-AFX ---

Quelle: dpa-Afx