FRANKFURT/ZÜRICH/PARIS (dpa-AFX) - Am deutschen Aktienmarkt ist am Dienstag vor Höhepunkten der Berichtssaison von Tech- und KI-Unternehmen die Nervosität gewachsen. Hinzu kommt ein teilweiser Stimmungswandel im Bereich Künstliche Intelligenz (KI).
Die Aktien von Siemens
Im schwachen Dax
Im EuroStoxx sah es ähnlich aus: Hier verloren ASML
Allerdings: Die meisten der heutigen Verlierer stehen mit Blick auf das laufende Jahr immer noch gut da, hauptsächlich Halbleiteraktien. Das Jahresplus von Infineon liegt immer noch bei etwas über 35 Prozent, das von ASML bei fast 60 Prozent und das von STMicro sogar bei knapp 70 Prozent. Unter den Elektrotechnik-Spezialisten beläuft sich der bisherige Jahresgewinn von ABB auf knapp 20 Prozent. Siemens und Siemens Energy stehen mit einem Plus von 7 beziehungsweise 8 Prozent immer noch besser als der Dax da, dessen Gewinn auf 2,5 Prozent zusammengeschrumpft ist.
Und geht der Blick noch weiter in die Vergangenheit. So dürfe nicht vergessen werden, dass Aktien mit KI-Bezug seit einigen Jahren fast ausschließlich den Weg nach oben gekannt hätten, gab ein Börsianer zu bedenken. Gigantische Investitionsvorhaben einiger Mitglieder der "Mag 7" - Alphabet
Nun aber machen sich Sorgen breit, denn die Zweifel an der Profitabilität der enormen Investitionen nehmen zu. Obendrein lassen die inflationsbedingt steigenden Marktzinsen auch die Kreditrisiken steigen. Der Optimismus hinsichtlich einer Fortsetzung des KI- und Halbleiterbooms schwindet. Dafür dürfte auch der trotz starker Überzeichnung desaströse Börsengang des KI-Infrastruktur- und Neocloud-Dienstleisters Elice
An diesem Abend und am Mittwoch nach US-Börsenschluss richtet sich das Interesse jedoch auf die echten Schwergewichte im Techsektor: SpaceX
Barclays-Analyst George Featherstone verwies in seiner an diesem Dienstag veröffentlichten Studie zu Rechenzentren-Ausrüstern auf eine kolpotierte Vereinbarung zwischen dem KI-Softwareunternehmen Anthropic und dem Cloud-Infrastrukturanbieter Nscale über einen enormen Zukauf an KI-Rechenleistung. Die Nachrichtenagentur Bloomberg hatte unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen über Gespräche der beiden Unternehmen berichtet. Dieser Deal lege nahe, so erklärte der Analyst, dass sich die zuletzt übermäßig hohe Gewinne erzielende Lieferkette von ihrer vermeintlich unbegrenzten Fähigkeit verabschieden müsse, Preise zu erhöhen und Margen auszuweiten.
Featherstone sieht entsprechend hohe Risiken für Anbieter im Bereich Energiedienstleistungen und nennt dabei namentlich etwa Siemens Energie, Siemens, ABB und Schneider, "deren Renditen und Margenausweitungen in den vergangenen Jahren nahezu parabolisch verliefen, während gleichzeitig erhebliche neue Kapazitäten geschaffen werden".
Doch ganz vorbei scheint die Stimmung für KI dennoch nicht. Vielmehr richtet sich das Interesse inzwischen verstärkt auf Aktien von Unternehmen, die durch den Einsatz von KI profitieren, etwa aus dem Bereich Versicherung oder Gesundheit./ck/mis/jha/
Quelle: dpa-Afx