FRANKFURT/NEW YORK (dpa-AFX) - Aktien aus dem europäischen Softwaresektor profitieren am Donnerstag von guten Quartalszahlen großer US-Konzerne. Im Frankfurter Handel stiegen die SAP-Aktien nach größeren Gewinnen zum Auftakt zuletzt um ein Prozent auf gut 182 Euro, was aber bei weitem nicht reichte, um den Vortagesrückschlag wieder aufzuholen. Aus der Branche legte Nemetschek am Donnerstag etwas deutlicher um 3,5 Prozent zu.

Die Papiere von Salesforce und Crowdstrike stiegen vorbörslich stark um 11,5 und 8 Prozent. Die beiden US-Konzerne hatten am Vorabend nach US-Börsenschluss Quartalszahlen vorgelegt, die die Anleger beruhigten. Unter den US-Nebenwerten kann außerdem das Unternehmen Okta nach Zahlen für Aufsehen sorgen mit einem Kurssprung um 19 Prozent.

Am Markt hieß es, Erfolge im KI-Bereich der US-Unternehmen relativierten die Befürchtung eines KI-bedingten Störeffekts, die bis Mitte Juli im Software-Sektor vorgeherrscht hatten. Salesforce und Crowdstrike übertrafen die Erwartungen, Salesforce mitunter wegen des KI-Tools Agentforce. Börsianer werteten eine zunehmende Monetarisierung von KI-Agenten positiv. Für SAP blieben die Anleger in der Freude darüber jedoch etwas skeptischer.

Einem Börsianer zufolge habe bei Salesforce zuvor sogar eine Senkung der Jahresprognose im Raum gestanden. Dass diese stattdessen bestätigt wurde, habe nun eine Erholungsrally zur Folge. Diese werde verstärkt durch Eindeckungen durch Spekulanten, die im Vorfeld auf fallende Kurse gesetzt hätten. Von dem Marktteilnehmer gelobt wurde auch das verbesserte Wachstum der vertraglich abgesicherten Umsätze (cRPO).

Zuversichtlich stimmten die Aussagen von Salesforce zu einer Beschleunigung im zweiten Halbjahr, kommentierte Rishi Jaluria von RBC. Tyler Radke von der Citigroup sieht im zweiten Quartal einen Schritt nach vorn, aber noch keinen ganz großen Sprung. Insofern betonte auch er, dass die starke Kursbewegung eher die Folge einer ehemals zu pessimistischen Positionierung des Marktes sei.

In den vergangenen Wochen hatten sich die Aktien von Softwarekonzernen bereits deutlich von einer düsteren Entwicklung im ersten Halbjahr erholt. Dieser Aufschwung bekam nun neue Nahrung. Allerdings hatte die UBS erst am Vortag mit ihrer Abstufung von SAP nach gutem Lauf die Aktien wieder belastet. Analyst Michael Briest hatte seine Kaufempfehlung mit dem Hinweis gestrichen, dass unmittelbare Kurstreiber in Verbindung mit der KI fehlten.

Im bisherigen Jahresverlauf war die Schere zwischen Chip- und Software-Aktien zumeist auseinandergegangen wegen Chancen durch KI auf der einen und eher Risiken durch deren Verdrängungseffekte auf der anderen Seite. Am Donnerstag jedoch legten beide Branchen gemeinsam zu. Denn Aktien mit KI-Fantasie profitieren davon, dass der große Taktgeber Nvidia mit Zahlen und Ausblick überzeugte. In Deutschland lagen Infineon und Siemens Energy deshalb an der Dax-Spitze./tih/ag/stk

Quelle: dpa-Afx