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HEFEI (dpa-AFX) - Angesichts der Schwäche des chinesischen Automarktes und mehr Konkurrenz aus der Volksrepublik im Ausland ändert der Volkswagen
Europas größter Autobauer sprach von einer "entscheidenden Veränderung", die China nicht nur als einen der wichtigsten Märkte des Konzerns, sondern auch als zentralen Innovations- und Exportknotenpunkt für sein globales Geschäft positioniere. Perspektivisch will der Konzern mit seinem Entwicklungs- und Produktionsnetzwerk in China mehr Märkte in Südostasien, dem südlichen Afrika und Südamerika bedienen. Im April hatte VW
VW hatte sich mit seinen Gemeinschaftsunternehmen in China bislang auf den chinesischen Automarkt fokussiert. Exporte waren bislang nicht unbedingt Teil des Plans. Doch neben dem hohen Konkurrenz- und Preisdruck lokaler Marken bereitet nun auch der schwache Automarkt Probleme.
China-Chef: Markt ist im freien Fall
VW-China-Chef Ralf Brandstätter sieht den Markt in der Volksrepublik deutlich unter Druck. "Der Gesamtmarkt in China ist im freien Fall", sagte der Manager dem "Handelsblatt". Die Verbraucher sorgten sich um ihre Jobs und hätten wenig Vertrauen in die Zukunft. 2025 seien insgesamt mehr als 24 Millionen Fahrzeuge verkauft worden - im laufenden Jahr erwarteten Marktforscher in dem Land weniger als 19 Millionen.
Von einer schnellen Erholung ging Brandstätter nicht aus. Bis 2030 erwarteten Marktforscher 19 bis 21 Millionen Fahrzeuge. Konkrete Verkaufsziele das Jahr nannte er nicht - betonte aber: "Wir wollen unseren Marktanteil von elf Prozent langfristig halten". Aus den genannten Zahlen ergeben sich rechnerisch etwa 2,1 bis 2,3 Millionen Fahrzeuge.
Bereits im April hatte der China-Chef seine Ambitionen gesenkt - und war für 2030 statt von 3,5 bis 4 Millionen Fahrzeugen eher von rund 3,2 Millionen ausgegangen. In den früheren Zahlen seien Exporte noch nicht berücksichtigt gewesen, sagte Brandstätter nun. Einen Teil des Rückgangs in China werde man damit ausgleichen können. Das Ziel sei weiterhin, größter internationaler Autobauer in dem Land zu bleiben.
Lage in China schwierig
Jüngste Daten des chinesischen Pkw-Verbandes CPCA für den Gesamtmarkt zeigen von Januar bis September einen Rückgang der Verkaufszahlen um 21,7 Prozent. Als Konsequenz exportieren die Hersteller und drängen nach Europa aber auch in bislang weniger beachtete Märkte im Globalen Süden. Den Daten zufolge sprangen die Exportzahlen im September um 73,7 Prozent nach oben.
Auch für VW ist das China-Geschäft schwierig: Weltweit lieferte der Konzern von Juli bis September 14,3 Prozent weniger Fahrzeuge aller Marken aus, insgesamt 1,89 Millionen. Das Minus in China machte mehr als 80 Prozent des Rückgangs aus. In dem Land sanken die Verkaufszahlen im dritten Quartal um 38,5 Prozent auf 405.800 Autos.
Warum VW aus China exportiert
Mit dem Strategiewechsel will Volkswagen nicht nur in anderen Märkten der chinesischen Konkurrenz trotzen, sondern auch neue Länder bedienen. "China exportiert längst nicht nur Autos, sondern auch Wettbewerbsdruck", sagte Brandstätter dem "Handelsblatt". Die niedrige Kostenbasis, mit der Hersteller aus dem Land arbeiteten, erreichten Unternehmen außerhalb Chinas nur sehr schwer. Diesen Kostenvorteil wolle VW nutzen.
Die in China entwickelte Technologie ermöglicht demnach den Export aus der Volksrepublik. Neben den niedrigeren Entwicklungskosten profitiert VW in dem Land auch von kürzeren Zeiten bis zum Markteintritt. Am Forschungs- und Entwicklungsstandort Hefei stellte der Autohersteller nun Vega vor. Das Technologiesystem ist Brandstätter zufolge das Ergebnis, Spitzentechnologien schneller und kosteneffizienter entwickeln, integrieren und skalieren zu können.
Hinter Vega verbergen sich die in China entwickelten Elektronikarchitektur, Fahrzeugplattformen und Fahrerassistenzsystem. Nach Angaben Brandstätters werden damit die Wettbewerbsfähigkeit auf dem lokalen Markt gestärkt und neue Geschäftsmöglichkeiten über China hinaus eröffnet. Konzernchef Oliver Blume nannte China laut Mitteilung den "Innovationsmotor" und zunehmend "Produkt- und Technologiezentrum für unsere globalen Märkte". Erst am Vortag hatte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier den Standort Hefei besucht.
Wohin Volkswagen exportieren will
Der Autohersteller exportiert demnach bereits Fahrzeuge aus China - etwa in den Nahen Osten oder nach Kasachstan und Usbekistan. Brandstätter zufolge sollen Mexiko, Ägypten, Vietnam und Australien folgen. Die in China entwickelte Technologie soll dabei die Grundlage jener für den Globalen Süden bestimmten Verbrenner, Elektro- oder Hybridautos sein. "Noch vor Ende dieses Jahrzehnts wird Südamerika die erste Region sein, die in China entwickelte Technologien in ihr lokales Portfolio aufnimmt", versprach der Konzern.
VW hat seine Kapazitäten in China zuletzt um mehr als eine Million Fahrzeuge verringert und will sie noch weiter senken. Ob der Konzern in China noch Geld verdient, wollte Brandstätter vor Veröffentlichung der Quartalszahlen nicht sagen. "Kaum jemand verdient in diesem Markt noch Geld. Diese Entwicklung geht auch an uns nicht spurlos vorbei", sagte der Manager, der auch Mitglied des VW-Konzernvorstands ist./jon/DP/jha
Quelle: dpa-Afx