(neu: Aussagen aus der Pressekonferenz, Aktienkurs aktualisiert, weiterer Analyst)
BAD HOMBURG (dpa-AFX) - Beim Krankenhausbetreiber und Pharmahersteller Fresenius
Im zweiten Quartal profitierte der Dax
Fresenius habe die durchschnittlichen Analystenschätzungen für das operative Ergebnis und den Nettogewinn übertroffen, schrieb JPMorgan-Analyst David Adlington. Nach der Prognoseanhebung könnten die Markterwartungen nun leicht steigen. Jefferies-Experte James Vane-Tempest sprach ebenfalls von einem starken Quartal und hob die anziehende Dynamik bei der Tochter Kabi hervor.
Das um Sondereffekte bereinigte Kern-Ergebnis je Aktie soll 2026 zu konstanten Wechselkursen nun um 10 bis 15 Prozent steigen. Bislang wurden 5 bis 10 Prozent erwartet. Auch für Kabi wurden die Hessen optimistischer: Die Tochter soll nun eine operative Marge am oberen Ende ihrer Zielspanne erreichen.
Sen begründete die Gewinnanhebung auf der Pressekonferenz mit der operativen Stärke des Konzerns. Das Wachstum komme aus den Geschäften heraus und nicht aus Kostensenkungen. Gleichzeitig habe Fresenius Schulden abgebaut und dadurch seine Zinslast gesenkt.
Die Umsatzprognose bestätigte der Konzern. Demnach soll der Erlös organisch - also ohne Währungs- und Portfolioeffekte - um vier bis sieben Prozent wachsen.
Im zweiten Quartal legte der Erlös um fünf Prozent auf 5,86 Milliarden Euro zu, organisch betrug das Plus sechs Prozent. Wichtigster Treiber bei Kabi waren erneut die Biosimilars, deren Pipeline der Konzern gezielt ausgebaut hat, weil er sich starkes Marktwachstum verspricht.
Schub gab im Quartal insbesondere Tyenne, ein Biosimilar zum Rheuma-Medikament Tocilizumab, das stark in den USA und Europa angelaufen sei. Zweistellig wuchs auch die Medizintechnik. Die Kliniken von Helios und der spanischen Krankenhaustochter Quironsalud steigerten ihren Umsatz dank höherer Fallzahlen und positiver Preiseffekte ebenfalls.
Konzernweit stieg das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) währungsbereinigt um zehn Prozent auf 719 Millionen Euro. Die starke operative Entwicklung bei Kabi und Helios sowie ein verbessertes Zinsergebnis hätten die Ergebnisentwicklung gestützt. Unter dem Strich verdiente Fresenius unter Ausklammerung seiner Beteiligung an Fresenius Medical Care (FMC)
Der seit Oktober 2022 amtierende Fresenius-Chef hat den Konzern grundlegend umgebaut. Randaktivitäten wurden verkauft und die Verflechtung mit FMC weitgehend gelöst. Als Kerngeschäfte blieben das Klinikgeschäft mit Helios sowie die Medizintochter Kabi. Zudem setzte der Manager auf Einsparungen und Produktivitätsverbesserungen.
Sen sieht in dem Umbau die Grundlage für eine strukturell verbesserte Ergebnisqualität mit höherer Ertragskraft, Kapitalrendite und Cashflow. Dies eröffne dem Konzern zudem wieder neue Möglichkeiten für strategische Optionen, so der Manager.
Hierbei investiert Fresenius laut Sen nun unter anderem in Forschung und Entwicklung, Kapazitätserweiterungen, Einlizenzierungen neuer Wirkstoffe, Partnerschaften sowie den erst kürzlich gegründeten Venture-Fonds. Vorrang hätten Investitionen in Wachstum, nicht Aktienrückkäufe, betonte er vor Journalisten.
Mit Blick auf die Gesundheitsreform bekräftigte der Fresenius-Chef seine Kritik an den jüngsten Beschlüssen der Bundesregierung und sprach von einer "verpassten Chance". Es fehle ein ganzheitlicher Ansatz mit mehr Digitalisierung, Bürokratieabbau und Anreizen für den Aufbau einer europäischen Arzneimittelproduktion.
Die Sorgen der Investoren um die Folgen der Reform auf das deutsche Krankenhausgeschäft von Fresenius hatten die Aktie in diesem Jahr zeitweise stark belastet. Für Helios sieht sich Fresenius dank seines Kliniknetzwerks, der Clustering-Strategie sowie langjähriger Investitionen in Qualität und Effizienz aber gut gerüstet und hält an den Margenzielen fest.
Auch in den USA sieht Sen Fresenius angesichts der dortigen Gesundheits- und Zollpolitik gut aufgestellt. Rund 72 Prozent der dort verkauften Produkte würden bereits vor Ort hergestellt. Sollten heimische Produktion und Lieferketten in den USA künftig noch stärker gefördert werden, passe dies zur Strategie des Konzerns. Eine höhere lokale Produktion schloss er nicht aus, eine vollständige Fertigung in den USA hält er jedoch für unrealistisch./tav/nas/mis
Quelle: dpa-Afx