FRANKFURT (dpa-AFX) - Im Tarifkonflikt der deutschen Metall- und Elektroindustrie hat die IG Metall eine erste Warnstreikwelle ins Rollen gebracht. Am Montag beteiligten sich nach Gewerkschaftsangaben bereits rund 38.000 Beschäftigte an 220 betrieblichen Aktionen. Bundesweit sind für die laufende Woche Arbeitsniederlegungen in mehr als 2.000 Betrieben angekündigt. Eine dritte Verhandlungsrunde ist zunächst noch in keinem Tarifgebiet fest vereinbart, wie ein Gewerkschaftssprecher in Frankfurt auf Nachfrage erklärte.

Hatte es am Wochenende unmittelbar nach Ablauf der Friedenspflicht zunächst kleinere Aktionen in einzelnen Betrieben mit Wochenend- und Nachtschicht gegeben, gingen am Montag bereits tausende Gewerkschafter für ihre Forderungen auf die Straße, unter anderem bei einem Sternmarsch in Koblenz. In Berlin begann der Warnstreik in der Nacht bei Siemens Energy mit einem einstündigen Ausstand. Im Laufe des Tages folgten unter anderem Arbeitsniederlegungen bei Mercedes-Benz , Rheinmetall und Siemens Mobility.

Die Proteste sollen am Dienstag ausgeweitet werden mit Schwerpunkten in Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und im Bezirk Mitte mit Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland und Thüringen, wie die IG Metall ankündigt.

Positionen weit voneinander entfernt

Die Gewerkschaft hat bei einer Laufzeit von zwölf Monaten 5 Prozent mehr Geld sowie die Sicherung von Jobs und Standorten gefordert. Die Arbeitgeber haben in der zweiten Verhandlungsrunde ein Angebot vorgelegt, das zunächst eine Einmalzahlung und eine Stufenerhöhung von 1,3 Prozent im Juli 2028 bei einer Laufzeit von 26 Monaten vorsieht. Begründet wurde die Offerte mit der schwierigen wirtschaftlichen Lage und den hohen Kostenbelastungen für die Industrie in Deutschland.

Auf den Warnstreikversammlungen argumentierten die Redner mit den zuletzt stark gestiegenen Verbraucherpreisen. Das Angebot der Arbeitgeber liege weit unter der Inflation, obwohl die Wirtschaft erste Signale der Erholung sende, sagte etwa NRW-Bezirkschef Knut Giesler. "Das werden wir nicht akzeptieren." Das Angebot gleiche weder die gestiegenen Lebenshaltungskosten aus noch biete es Perspektiven für Investitionen, Beschäftigungssicherung und die Zukunft der Industriestandorte.

"Unangebrachtes Säbelrasseln"

Es geht um die Arbeitsbedingungen und Entgelte von rund 3,7 Millionen Beschäftigten, die unter den Flächentarif Metall und Elektro fallen. In bislang zwei Verhandlungsrunden hat sich kein Abschluss abgezeichnet. Betroffen von den zeitlich befristeten Ausständen sind wichtige Industriezweige wie Auto- und Maschinenbau, Elektronik und Metallerzeugung. Die Teilnehmer an den Ausständen erhalten kein Streikgeld.

Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall sieht die hohen Arbeitskosten als einen von mehreren Gründen für die fortschreitende Deindustrialisierung Deutschlands. Seit 2019 seien in der Metall- und Elektroindustrie bereits 350.000 Jobs verloren gegangen, weitere 300.000 seien angesichts der Unterauslastung der Unternehmen bedroht. "Für eine Trendumkehr müssen die Kosten am Standort sinken - bei Steuern, Energie, Bürokratie und Arbeitskosten", hatte Hauptgeschäftsführer Oliver Zander erklärt.

In Hessen kritisierten die Arbeitgeber die nun gestarteten Warnstreiks als "unangebrachtes Säbelrasseln". "Warnstreiks stoppen die Produktion. Aber nicht den Kostendruck. Wer unter diesen Bedingungen die Produktion zusätzlich ausbremst, schwächt die Standorte, deren Zukunft wir gemeinsam sichern wollen", sagt der Hauptgeschäftsführer von Hessenmetall, Dirk Pollert, laut einer Mitteilung. Gute Einkommen bräuchten eine wettbewerbsfähige industrielle Basis./ceb/DP/he

Quelle: dpa-Afx