BERLIN (dpa-AFX) - Der Kochboxenversender Hellofresh
Das Papier verlor nach Handelsbeginn fast 13 Prozent und markierte mit 2,21 Euro ein Rekordtief. Im bisherigen Jahresverlauf hat die Aktie bereits fast zwei Drittel an Wert eingebüßt. Das Rekordhoch aus den Zeiten der Covid-Pandemie im Herbst 2021 bei fast 100 Euro ist schon lange außer Reichweite geraten. Die enttäuschende Entwicklung bei dem Lieferanten von Kochboxen und Fertiggerichten sollte die ohnehin bereits am Tiefpunkt befindliche Marktstimmung weiter eintrüben, schrieb Analyst Giles Thorne vom US-Analysehaus Jefferies.
Der unerwartet schwache Erlös sei nicht von einem positiven Ausreißer beim operativen Ergebnis begleitet worden, wie man es hätte erwarten können, schrieb UBS-Experte Jo Barnet-Lamb. Die verfehlten Erwartungen gäben den Zweifeln an der Umsatzentwicklung weitere Nahrung. Die Flaute könne wohl nicht weiter einfach auf einen vorübergehend unvorteilhaften Mix bei den Kundenaltersgruppen zurückgeführt werden. Dass trotz weniger Werbeausgaben enttäuschend wenig Ergebnis übrigblieb, senke das Vertrauen in Aussagen zur zukünftigen Entwicklung zudem erheblich, schrieb der Analyst.
Beim Umsatz rechnet Hellofresh für 2026 jetzt mit einem um Währungseffekte bereinigten Rückgang zwischen 9 und 11 Prozent. Bisher waren die Berliner davon ausgegangen, dass der Erlös währungsbereinigt um maximal 6 Prozent fällt. Analysten hatten bisher einen Umsatzrückgang von lediglich knapp 7 Prozent auf dem Zettel.
Der um Sondereffekte bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) dürfte der gesenkten Prognose zufolge auf währungsbereinigter Basis zwischen 350 Millionen Euro und 370 Millionen Euro landen und damit deutlich niedriger als 2025. Bislang hatte die Spanne bei 375 Millionen Euro bis 425 Millionen Euro gelegen.
Hellofresh hat nach eigenen Angaben im wichtigen Zeitraum rund um das Ende der Sommerferien ("Back-to-school"-Periode) nicht das Volumen an Neukunden gewinnen können, das für das Erreichen der bisherigen Prognose erforderlich gewesen wäre. Das Unternehmen hatte die Marketingausgaben im dritten Quartal gegenüber dem Vorjahreszeitraum und insbesondere im Vergleich mit dem ersten Halbjahr 2026 gesenkt.
Im dritten Quartal dürfte der Umsatz vor allem wegen der enttäuschenden Neukundengewinnung im Jahresvergleich prozentual zweistellig gefallen sein - Hellofresh rechnet mit einem Minus zwischen 11 und 12 Prozent. Wegen geringerer Marketingausgaben, liegt der operative Gewinn im dritten Quartal mit 45 bis 55 Millionen Euro wohl zwar etwas über dem Vorjahreswert von 40 Millionen Euro, aber deutlich unter den Analystenerwartungen.
Nach dem drastischen Kursrückgang ist das Unternehmen an der Börse inzwischen nur noch rund 350 Millionen Euro wert. Zu Spitzenzeiten hatte die Marktkapitalisierung bei mehr als 16 Milliarden Euro gelegen. Wegen des hohen Börsenwerts war die Hellofresh-Aktie vom September 2021 bis September 2022 auch im Dax
Quelle: dpa-Afx