FRANKFURT (dpa-AFX) - Eine drei Tage währende Verluststrecke am deutschen Aktienmarkt hat am Donnerstag zunächst ein Ende gefunden. Ermutigende Aussagen des Fed-Gouverneurs Christopher Waller zu Inflation und Zinsen gaben den Aktienbörsen am Nachmittag Auftrieb und bremsten zugleich den zuletzt starken Anstieg der Zinsen an den Anleihemärkten. Einer stärkeren Erholung der Aktienkurse stand jedoch der Ölpreis im Weg, der auf das höchste Niveau seit Anfang Juni kletterte.
Der Dax schloss nach drei schwachen Börsentagen mit 0,63 Prozent im Plus bei 26.003,32 Zählern. Am Freitag hatte der Dax bei 26.618 Punkten eine Höchstmarke erklommen. In den vergangenen drei Tagen ging es für den deutschen Leitindex hingegen um mehr als 700 Punkte oder fast drei Prozent abwärts. Der MDax der mittelgroßen Titel erholte sich am Donnerstag um 0,93 Prozent auf 32.257,09 Punkte.
Fed-Gouverneur Waller deutete an, dass er sich auf der nächsten Sitzung der Federal Reserve am 16. September für eine Beibehaltung des aktuellen Leitzinsniveaus aussprechen würde, sollten sich bis dahin die Inflationsdaten in die richtige Richtung entwickeln. Daraufhin gingen am US-Geldmarkt die Erwartungen an eine Zinserhöhung leicht zurück.
Aktien von Volkswagen setzten sich mit einem Plus von 3,6 Prozent an die Spitze des Dax. Auslöser der Kursgewinne war laut einem Händler ein Bericht der "Wirtschaftswoche", dem zufolge sich die Wolfsburger von Beteiligungen an Unternehmen trennen könnten.
Deutsche Telekom gewannen 1,1 Prozent. Der aktivistische US-Investor Elliott habe einen beträchtlichen Anteil aufgebaut und angedeutet, dass die Bonner ihre Pläne für eine Fusion mit der US-Mobilfunktochter T-Mobile US fallen lassen sollten, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg am Vorabend unter Berufung auf Kreise. Stattdessen sollten andere Maßnahmen ergriffen werden, um den Wert des Unternehmens für die Aktionäre zu steigern - etwa über eine deutliche Ausweitung der Aktienrückkäufe. Alle Beteiligten hätten die Angelegenheit nicht kommentieren wollen.
Die Aktien der Softwareunternehmen SAP und Teamviewer gewannen jeweils 2,3 Prozent. Sie profitierten von euphorisch aufgenommenen Umsatzprognosen des US-Cloud-Softwareanbieters Snowflake .
Ansonsten sorgten Analystenaussagen für Kursbewegungen. Die Aktien von Auto1 erholten sich mit plus 4,8 Prozent vom jüngsten Tief seit Mai. Die US-Banken JPMorgan und Goldman Sachs bestätigten ihre positiven Anlageempfehlungen für den Online-Gebrauchtwagenhändler.
Eine gestrichene Verkaufsempfehlung des Analysehauses Kepler Cheuvreux verhalf dem Schmierstoffhersteller Fuchs zu einem Kursanstieg von 3,2 Prozent. Zeitweise erreichten die Titel den höchsten Stand seit Ende Oktober.
Bei Flatexdegiro sorgte eine Hochstufung für ein Kursplus von 3,5 Prozent. Die US-Bank Morgan Stanley riet zum Übergewichten der Aktien des Online-Brokers im Portfolio.
Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 stieg am Donnerstag um 0,32 Prozent auf 6.382,59 Punkte. Außerhalb der Eurozone ging es in an der Züricher Börse moderat aufwärts, der Londoner FTSE 100 legte deutlicher zu. In New York gewannen der Dow Jones Industrial und der technologielastige Nasdaq 100 zum europäischen Handelsschluss jeweils gut ein Prozent./bek/he
--- Von Benjamin Krieger, dpa-AFX ---
Quelle: dpa-Afx