BERLIN/DORTMUND (dpa-AFX) - Die Betreiber der großen Stromnetze in Deutschland erwarten durch die Sonnenfinsternis am Abend keine Auswirkungen auf die Stromversorgung. Die Sonnenfinsternis führe dazu, dass die Einspeisung aus Photovoltaikanlagen etwas früher abnehme als an einem gewöhnlichen Sommerabend, teilten die vier Übertragungsnetzbetreiber mit. Dieser Effekt falle je nach Wetterbedingungen unterschiedlich stark aus. "Die geringere Einspeisung wird jedoch keinen Einfluss auf die Stromversorgung am 12. August haben."

Millionen Menschen wollen am Abend die Sonnenfinsternis am westlichen Horizont beobachten. Vor Sonnenuntergang wird sich der Mond vor die Sonne schieben und in weiten Teilen Europas dafür sorgen, dass es plötzlich dämmerig oder dunkel wird. In Deutschland wird die Sonne nicht vollständig verdeckt, aber in großen Teilen.

Verband: Sonnenfinsternis spielt keine große Rolle für Preisspitzen

Etwa gleichzeitig zur Sonnenfinsternis steigen am Abend im Stromgroßhandel eine kurze Zeit lang die Preise für kurzfristig georderte Strommengen. Die Sonnenfinsternis und die dadurch geringere Solarstrom-Erzeugung spiele jedoch keine große Rolle für die Preisspitzen am Abend, teilte der Energiewirtschaftsverband BDEW auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur dpa mit. Man erwarte für den Abend keine nennenswerte Änderung des Photovoltaik-Einspeiseprofils. "Das heißt, die Auswirkungen auf die PV-Erzeugung sind vernachlässigbar."

"Preisspitzen in dieser Höhe in den Abendstunden treten in dieser Form derzeit regelmäßig auf und sind nicht spezifisch für den heutigen Tag", erklärte die Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung Kerstin Andreae. In den Abendstunden sei die Stromnachfrage besonders hoch, aber die PV-Erzeugung nicht mehr verfügbar. Wenn an solch einem Tag zudem wenig Wind wehe wie heute Abend, stiegen die Strompreise in den Abendstunden kurzfristig. Grund sei, dass dann relativ teure Kraftwerke eingesetzt würden. "Geringe zusätzliche Stromnachfrage kann dann relativ hohe kurzfristige Preisausschläge verursachen", sagte Andreae weiter.

Großhandelspreise kurzfristig mehr als doppelt so hoch

Kostete eine Kilowattstunde Strom in den vergangenen drei Tagen im Großhandel in der Viertelstunde ab 19.45 Uhr etwa 19 bis 20 Cent, werden es am Mittwochabend über 46 Cent sein, also mehr als doppelt so viel. Ab 20 Uhr sind es noch über 40 Cent. Der Preis sinkt danach wieder. Ab 20.30 Uhr wird die Kilowattstunde gut 25 Cent kosten.

Netzagentur: In Europa weniger Solarstrom durch Sonnenfinsternis

Die Bundesnetzagentur erklärte, dass durch die Sonnenfinsternis die Einspeisung durch PV-Anlagen für etwa 30 bis 45 Minuten gegenüber den vorherigen Tagen abfalle. Auch sei der vorhergesagte Strombedarf höher als der Verbrauch am Vortag. Dem europäischen Binnenmarkt stehe daher eine gewisse Menge Solarstrom nicht zur Verfügung und damit auch weniger Strom für den grenzüberschreitenden Stromhandel. "Das Angebot ist europaweit geringer als an den vorherigen Tagen, die Nachfrage aber auf demselben Niveau. Die Folge sind höhere Großhandelspreise am gesamten Europäischen Binnenmarkt."

Nur wenige Haushalte von Preissprüngen betroffen

Die allermeisten Haushaltskunden betrifft dieser kurzfristige Preissprung nicht, weil sie weitgehend feste Tarife haben. Nur ein Bruchteil aller Haushaltskunden hat einen dynamischen Stromtarif abgeschlossen, bei denen der Strompreis an den aktuellen Börsenstrompreis gekoppelt ist.

Der BDEW wies darauf hin, dass Kundinnen und Kunden mit dynamischen Stromtarifen die Preise für die Abendstunden im Voraus sähen und gegebenenfalls ihren Stromverbrauch daran anpassen könnten. Auch profitierten diese Kunden von den aktuell niedrigen Preisen in den Tagstunden./tob/DP/stk

Quelle: dpa-Afx