WOLFSBURG (dpa-AFX) - Volkswagen stellt sich auf einen dauerhaften Einbruch seines China-Geschäfts ein. "Der Gesamtmarkt in China ist im freien Fall", sagte VW -China-Chef Ralf Brandstätter dem "Handelsblatt". Die Verbraucher sorgten sich um ihre Jobs und hätten wenig Vertrauen in die Zukunft. In der Volksrepublik seien 2025 insgesamt mehr als 24 Millionen Fahrzeuge verkauft worden, im laufenden Jahr erwarteten Marktforscher weniger als 19 Millionen.

Bis 2030 könnte der Wolfsburger Autokonzern in seinem größten Einzelmarkt daher noch weniger Fahrzeuge verkaufen als ohnehin erwartet. "Wir gehen derzeit nicht davon aus, dass sich der Markt im nächsten Jahr deutlich erholt. Er dürfte sich weiter um 19 Millionen Fahrzeuge bewegen", sagte Brandstätter. Bis 2030 erwarteten Marktforscher 19 bis 21 Millionen Fahrzeuge.

Konkrete Verkaufsziele für 2030 nannte Brandstätter nicht - betonte aber: "Wir wollen unseren Marktanteil von elf Prozent langfristig halten". Aus den von dem Manager genannte Zahlen für den Gesamtmarkt und einem Marktanteil von elf Prozent ergeben sich rechnerisch etwa 2,1 bis 2,3 Millionen Fahrzeuge.

Bereits im Frühjahr hatte der VW-China-Chef seine Ambitionen gesenkt - und war statt von 3,5 bis 4 Millionen Fahrzeugen für 2030 eher von rund 3,2 Millionen ausgegangen. In den früheren Zahlen seien Exporte noch nicht berücksichtigt gewesen, sagte Brandstätter nun. Damit werde man aber einen Teil des Rückgangs in China ausgleichen können. Das Ziel sei weiterhin, größter internationaler Autobauer in dem Land zu bleiben.

Export als neue Chance?

Der Autokonzern will sein Entwicklungs- und Produktionsnetzwerk in China als Innovations- und Exportknotenpunkt für sein globales Geschäft positionieren - und so perspektivisch mehr Märkte in Südostasien, dem südlichen Afrika und Südamerika bedienen. Mit Kasachstan und Usbekistan hat VW demzufolge begonnen. Mexiko, Ägypten, Vietnam und Australien sollen folgen.

Ob VW in China noch Gewinne macht, wollte Brandstätter vor Veröffentlichung der Quartalszahlen am Donnerstag nicht beantworten. "Kaum jemand verdient in diesem Markt noch Geld. Diese Entwicklung geht auch an uns nicht spurlos vorbei", sagte der Manager, der auch Mitglied des Konzernvorstands ist. Auch zu den Renditezielen äußerte sich Brandstätter nicht konkret. "China ist keine Wachstumsmaschine mehr. Darauf stellen wir uns ein", sagte er.

China-Verkaufszahlen im Tiefflug

Im dritten Quartal lieferte VW in China knapp 406.000 Fahrzeuge aus - 38,5 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. In den ersten neun Monaten sanken die Auslieferungen in der Volksrepublik um 30,2 Prozent auf 1,38 Millionen. In Spitzenzeiten verkaufte VW jährlich mehr als vier Millionen Autos in China./jwe/DP/jha

Quelle: dpa-Afx