WOLFSBURG (dpa-AFX) - Nach den Protesten bei Mercedes ruft die IG Metall jetzt auch bei VW
* In Wolfsburg ist eine Kundgebung direkt am Vorstandshochhaus geplant. Sprechen soll dort unter anderem Betriebsratschefin Daniela Cavallo.
* Weitere Kundgebungen sind unter anderem in Emden, Zwickau, Hannover und Kassel vor dem Werkstor geplant. Mit dem größten Zuspruch rechnen die Veranstalter dabei in Zwickau und Emden.
* An den Porsche-Standorten Stuttgart und Weissach soll es Autokorsos geben, bei Porsche Leipzig eine Fotoaktion.
* Bei Audi in Ingolstadt ist eine Flashmob-Aktion geplant, in Neckarsulm eine Aktion vor dem Werkstor.
* Auch an den MAN-Standorten München, Nürnberg und Salzgitter sind Aktionen geplant, ebenso bei der Software-Tochter Cariad.
Noch keine Warnstreiks
Laut IG Metall handelt es sich dabei nicht um einen Arbeitskampf. "Es sind Informations- oder Protestveranstaltungen und keine Warnstreiks", heißt es in der Mitteilung. Bei Volkswagen
Mit den Aktionen reagiert die Gewerkschaft auf jüngste Berichte über verschärfte Sparpläne des Konzerns. Am Donnerstag kommt in Wolfsburg der Aufsichtsrat des Konzerns zusammen, um über die Pläne zu beraten.
Die Proteste am Donnerstag bezeichnete IG-Metall-Chefin Christiane Benner als "ein klares Signal an den Vorstand: Nicht mit uns!" Die Beschäftigten hätten ihre Beiträge bereits geleistet, sagte sie mit Blick auf die Tarifeinigung Ende 2024. "Die ständigen Angriffe auf die Rechte der Kolleginnen und Kollegen nehmen wir nicht ohne Gegenwehr hin", so Benner laut Mitteilung. Sie fordert Ideen und Konzepte, wie die Werke ausgelastet werden.
VW will Sparkurs verschärfen
Laut "Manager Magazin" will VW seinen Sparkurs deutlich verschärfen: Bis zu 100.000 Stellen könnten weltweit wegfallen, doppelt so viele wie bisher geplant. Vier Werken des VW-Konzerns in Deutschland droht demnach sogar die Schließung: Hannover, Emden, Zwickau und Neckarsulm. Laut "Spiegel" könnte die Fahrzeugproduktion dort bis Ende 2034 auslaufen.
VW bestätigte bisher nur, dass der Konzernvorstand "intensiv an einem Zukunftsplan für die Neuaufstellung des Unternehmens" arbeite, nannte aber keine Details. Ziel sei eine "umfassende Transformation". Nach Befassung des Aufsichtsrats solle dies in die Umsetzung gebracht werden.
Konzernchef Oliver Blume hatte bereits im Frühjahr angekündigt, an einem neuen "Zielbild 2030" für den Konzern zu arbeiten und dabei auch den Sparkurs deutlich verschärfen zu wollen. Die Ende 2024 vereinbarten Spamaßnahmen reichten angesichts der sich verschärfenden Rahmenbedingungen nicht mehr aus, so Blume.
Land will Werksschließungen verhindern
Bei der Aufsichtsratssitzung am Donnerstag droht nun ein heftiger Schlagabtausch. IG Metall und VW-Betriebsrat kündigten Widerstand gegen die Pläne an. Auch das Land Niedersachsen lehnt Werksschließungen ab. Das Land ist mit 20 Prozent an VW beteiligt und stellt zwei Mitglieder im Aufsichtsrat. Die Mehrheit stellt dort derzeit die Arbeitnehmerseite, IG-Metall-Chefin Benner ist sogar stellvertretende Vorsitzende des Gremiums.
Medienberichten zufolge hat der Konzern bereits einen Alternativplan, sollten die Vorschläge im Aufsichtsrat durchfallen: Dann könnte eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen werden, um die Aktionäre selbst abstimmen zu lassen. Auch dort hat das Land laut VW-Gesetz eine Sperrminorität und kann wichtige Beschlüsse per Veto verhindern.
Abbau von 37.000 Stellen schon fix
Bis 2030 hat Volkswagen bereits den Abbau von konzernweit 50.000 Stellen in Deutschland angekündigt. 35.000 Jobs sollen bei der Kernmarke wegfallen, der Rest bei Töchtern wie Audi und Porsche. Mehr als 37.000 Beschäftigte haben bereits entsprechende Vereinbarungen unterschrieben.
In Dresden ist die Fahrzeugproduktion jüngst ausgelaufen, für Osnabrück sucht der Konzern derzeit nach einer Lösung, wenn dort im kommenden Jahr die Cabrio-Fertigung ausläuft.
Tausende protestierten bei Mercedes
Am vergangenen Freitag hatte es bereits bei Mercedes-Benz
Zuletzt war es bei VW 2024 zum heftigen Tarifstreit gekommen. Mehrmals legte die IG Metall mit Warnstreiks die Produktion lahm. Erst kurz vor Weihnachten kam es nach einem einwöchigen Verhandlungsmarathon zum Kompromiss. Betriebsbedingte Kündigungen wurden ausgeschlossen, der Stellenabbau erfolgt vor allem über Altersteilzeit und Abfindungsprogramme./fjo/DP/stk
Quelle: dpa-Afx