Starke Quartalszahlen im Rücken, die umsatzträchtige Fußball-Weltmeisterschaft vor der breiten Brust und ein Chart, der die Wende verkündet. Was soll da noch für Adidas-Aktionäre schiefgehen?
Ende April sendete Adidas mit erfreulichen Quartalszahlen ein starkes Signal in den Markt. Frei nach Westernhagen: Wir sind wieder hier, in unserem Revier. Die Erwartungen der Analysten bei Gewinn und Umsatz wurden pulverisiert. Ein Plus von 16 Prozent katapultierte den operativen Gewinn im ersten Quartal auf 705 Millionen Euro bei prognostizierten 647 Milionen Euro. Der Umsatz stieg um sieben Prozent auf 6,59 Milliarden Euro, hier sahen die Experten lediglich einen Anstieg auf 6,30 Milliarden Euro voraus. Konkurrent Nike sah bei seinen Ende Februar vorgestellten Quartalszahlen im Vergleich dazu mau aus.
Jetzt steht auch noch die Fußball-Weltmeisterschaft vor der Tür, bei der Adidas im Vergleich zu Nike zwei Teams mehr ausrüstet, darunter Co-Gastgeber Mexiko. Ein starker Treiber für weiteres Wachstum. Was sagt die charttechnische Analyse?
Endlich bullische Trendwende
Ein Blick auf den 5-Jahres-Chart in der Wochenansicht verdeutlicht die Achterbahnfahrt, die der Kurs der Adidas-Aktie seit 2022 hingelegt hat. Mit dem Bruch der Unterstützung im Januar bei 252 Euro beschleunigte sich die sich die Talfahrt, die sich zuvor schon abgezeichnet hatte. Innerhalb von nur zehn Monaten gab der Kurs um 60 Prozent auf 100 Euro im Oktober nach, um im Anschluss wie Phönix aus der Asche mit einer klassischen V-Formation wieder die Marke von 252 Euro zu erklimmen. Wermutstropfen: es hat über 2 Jahre gedauert, bis die Delle wieder ausgeglichen wurde. Anleger, die bereits das Licht am Ende des Tunnels sahen, wurden zu diesem Zeitpunkt jedoch bitter enttäuscht. Es kam Donald Trump mit seinen Zöllen und erneut ging es in einem mustergültigen Abwärtskanal bis 131 Euro. Dieser Abwärtskanal wurde vor wenigen Tagen nach oben durchbrochen und damit die Trendwende eingeleitet.
RSI mahnt kurzfristig zur Vorsicht
Der 1-Jahres-Chart auf Tagesbasis verdeutlicht den Ausbruch aus dem Abwärtstrendkanal, weist aber auch auf ein kurzfristiges Störsignal hin. Der RSI (Relative Strength Index) ist mittlerweile über 70 gestiegen, was auf eine Überkauft-Situation hindeutet. Demnächst könnte demnach ein Pullback auf die Ausbruchslinie bei 153 Euro anstehen. Ein klassisches Szenario. Wie sollten Anleger diese Konstellation behandeln? Bereits investierte, langfristig orientierte Investoren freuen sich über den Turnaround und kümmern sich nicht um temporäre Rücksetzer. Tradingaffine Neueinsteiger warten hingegen den Rücksetzer ab und kaufen im Anschluss in den Bounce hinein. Ich nutze dieses bewährte Konzept des Kaufs der Stärke nach der Stärke regelmäßig, da es bei volatilen Werten vor eventuellen Fehlausbrüchen schützen kann.
Sie kaufen und verkaufen Aktien gerne auch mal kurz- bis mittelfristig? Sie wollen die Gedanken und Schlussfolgerungen eines Traders kennenlernen? Sie wollen die Logik der charttechnischen Analyse unter Value-Aspekten nachvollziehen können? Sie interessieren sich für lukrative Tradingchancen? Dann freuen Sie sich auf den in Kürze erscheinenden täglichen Börsendienst von Stefan Klotter.