Die Reform der geförderten Altersvorsorge ist beschlossen – und die Allianz reagiert mit einer umfangreichen Informations- und Beratungskampagne. Doch neben der Aussicht auf das große Geschäft gibt es auch Risiken.
Die Regierung plant ab 2027 ein neues staatlich gefördertes Altersvorsorgedepot – als Nachfolger der ungeliebten Riester-Rente. Für Versicherer wie die Allianz ist das der Startschuss: Innerhalb weniger Tage nach dem Gesetzesbeschluss begann Deutschlands größter Vorsorgeanbieter laut eigener Mitteilung damit, seine fast 1,5 Millionen Kundinnen und Kunden mit einem bestehenden Allianz-Riestervertrag per Brief zu kontaktieren – eine der größten Kommunikationsoffensiven in der Geschichte des Unternehmens. „Die Reform bietet eine echte Chance, das Thema Vorsorge wieder stärker in den Fokus der Menschen zu rücken", heißt es aus dem Konzern.
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Das neue Altersvorsorgedepot: Das verändert sich ab 2027
Das Altersvorsorgereformgesetz markiert das Ende der klassischen Riester-Rente im Neugeschäft. Zum 1. Januar 2027 treten neue staatlich geförderte Produktkategorien in Kraft – darunter ein renditeorientiertes Depot, ein Garantieprodukt und ein Standarddepot.
Ziel der Reform ist es laut Bundesfinanzministerium, ein „kostengünstiges, einfaches, transparentes und gut erklärbares" Angebot zu schaffen, das eine breite Bevölkerungsschicht anspricht – und erstmals auch Selbstständige einschließt, die bisher von der Riester-Förderung ausgeschlossen waren.
Ab 2027 stehen aber auch Riester-Sparern drei Optionen offen: Sie können ihren Vertrag unverändert weiterführen, in die neue Fördersystematik wechseln (ohne Produktwechsel) oder ihr angespartes Guthaben auf ein Altersvorsorgedepot übertragen.
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Das Interesse dürfte groß sein: Laut einer repräsentativen Umfrage der Allianz unter mehr als 1.500 Deutschen wünschen sich 75 Prozent der Riester-Kunden aktive Beratung durch ihren Anbieter – und ebenso viele erwarten, dass dieser proaktiv auf sie zukommt. Käme ein Wechsel in die neue Produktwelt infrage, wollen sich 58 Prozent persönlich beraten lassen. Gleichzeitig zeigt die Umfrage: Vorschnelle Entscheidungen sind selten – 60 Prozent der befragten Riester-Sparer würden nur wechseln, wenn sich daraus klare Vorteile ergeben.
Allianz setzt auf digitale Tools und persönliche Beratung - doch die Konkurrenz schläft nicht
Für Versicherer kann also ein großes Geschäft winken. Neben den Briefen stellt die Allianz deshalb auch einen „Förderindikationsrechner" bereit, mit dem Nutzer eine erste Einschätzung erhalten können, ob das bisherige Riester-System oder die neue Förderung individuell vorteilhafter wäre. Das Interesse daran ist wohl bereits spürbar: Inzwischen haben sich mehr als 20.000 Kundinnen, Kunden und Vermittler über das Tool informiert, so die Allianz. Eine eigene Plattform unter allianz.de/reform soll weitere Hintergrundinformationen liefern.
Die Allianz ist mit ihrer frühen Positionierung nicht allein. Die gesamte Finanzbranche bereitet sich auf den Marktstart vor. Zurich hat angekündigt, ab Januar 2027 alle drei förderfähigen Produktkategorien anzubieten. Signal Iduna kommuniziert ebenfalls bereits aktiv zur Reform und plant neben Garantieprodukten auch ein Altersvorsorgedepot. Die Württembergische Versicherung bereitet ein entsprechendes Depotangebot vor. Auch Union Investment bewirbt bereits sein geplantes Altersvorsorgedepot-Angebot.
Doch nicht nur Versicherer drängen in den Markt: Das Altersvorsorgereformgesetz öffnet das geförderte Sparen erstmals auch für Banken, Fondsgesellschaften und Neobroker wie Scalable Capital oder Trade Republic. Für die Versicherungswirtschaft bringt das neue Herausforderungen: Das bisher bei Lebensversicherungen übliche Zillmerverfahren – das hohe Provisionen zu Vertragsbeginn ermöglichte – ist für neu abgeschlossene, staatlich geförderte Altersvorsorgeprodukte ab 2027 nicht mehr zulässig. Das erhöht den Kostendruck und dürfte den Wettbewerb spürbar intensivieren.
Finale Konditionen und Zertifizierungen der einzelnen Anbieter werden erst im Herbst 2026 erwartet – die Zertifizierungsstelle nimmt erst dann ihre Arbeit auf. Für Sparer bedeutet das: Es bleibt noch ausreichend Zeit, die Angebote sorgfältig zu vergleichen, bevor am 1. Januar 2027 der Startschuss fällt.
Was bedeutet die Reform für die Allianz-Aktie?
Anleger fragen sich jedoch schon jetzt, ob die Altersvorsorge-Reform der Allianz-Aktie noch mehr Rückenwind verleiht. Momentan notiert die Aktie nach einer starken Kursrally nahe ihrem Allzeithoch. Auf der Chancenseite steht die enorme Kundenbasis: Mit 1,5 Millionen Riester-Kunden und einem breiten Vertriebsnetz ist die Allianz strukturell gut positioniert, sich im neuen Markt als erste Adresse zu etablieren. Die Umsetzung erfolgt gemeinsam mit der Schwestergesellschaft Allianz Global Investors – was den konzerneigenen Asset-Management-Arm zusätzlich ins Spiel bringt und gleich zwei Konzernsegmente von einem möglichen Wachstumsschub profitieren ließe. Analysten der Berenberg Bank sehen die Allianz denn auch als potenziellen Hauptprofiteur des neuen Marktes.
Auf der Risikoseite steht der wachsende Wettbewerbsdruck. Die Reform öffnet die staatlich geförderte Altersvorsorge erstmals für Neobroker und Direktbanken, die ohne teuren Versicherungsmantel und mit deutlich niedrigeren Kostenstrukturen antreten können. Zudem entfällt das Zillmerverfahren, das Versicherern bislang erlaubte, Vertriebsprovisionen zu Vertragsbeginn zu bündeln – das könnte die Margen im Neugeschäft belasten.
Die Reform dürfte der Allianz daher keinen kurzfristigen Ergebnissprung bescheren, eröffnet aber langfristig ein attraktives Wachstumsfeld – sofern es gelingt, die bestehende Kundenbasis in die neue Produktwelt zu überführen und dabei gegen günstigere Konkurrenten zu bestehen. Die BÖRSE ONLINE-Redaktion empfiehlt die Aktie schon länger zum Kauf. Wenn Sie sich also dafür interessieren, wie Sie ihr Geld am besten anlegen können, dann kann sich ein Probeabo von BÖRSE ONLINE für Sie lohnen.
Häufige Fragen
Was ersetzt die Riester-Rente ab 2027?
Ab dem 1. Januar 2027 löst das staatlich geförderte Altersvorsorgedepot die klassische Riester-Rente im Neugeschäft ab. Das Altersvorsorgereformgesetz sieht drei Produktkategorien vor: ein renditeorientiertes Depot, ein Garantieprodukt und ein Standarddepot. Erstmals sind auch Selbstständige förderberechtigt.
Welche Optionen haben bestehende Riester-Sparer ab 2027?
Wer bereits einen Riester-Vertrag besitzt, hat ab 2027 drei Möglichkeiten: den Vertrag unverändert weiterführen, in die neue Fördersystematik wechseln (ohne Produktwechsel) oder das angesparte Guthaben auf ein neues Altersvorsorgedepot übertragen.
Profitiert die Allianz-Aktie von der Altersvorsorge-Reform?
Die Allianz gilt als einer der strukturellen Hauptprofiteure der Reform, da sie mit rund 1,5 Millionen Riester-Kunden und einem breiten Vertriebsnetz gut aufgestellt ist. Allerdings entfällt das Zillmerverfahren für neue geförderte Produkte, und Neobroker wie Trade Republic oder Scalable Capital drängen mit niedrigeren Kostenstrukturen in den Markt – was die Margen belasten könnte.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Allianz.