Vom reinen Hotelvermittler zum KI-gestützten Reiseassistenten: Der Konzern positioniert sich für die Zukunft und treibt die Revolution in der Branche voran
Geopolitische Konflikte, hohe Lebenshaltungskosten und Konjunktursorgen drücken auf die Stimmung, doch die Reiselust lassen sich die meisten Menschen nicht vermiesen. Davon profitiert Booking Holdings: Der Online-Reiseriese sitzt zwischen Reisenden und Hotels, kassiert an jeder Buchung mit und muss dafür weder Zimmer bauen, noch Flugzeuge kaufen.
Die Zahlen für das zweite Quartal 2026 bestätigen, dass dieses Geschäftsmodell weiterhin auf festen Beinen steht. Booking steigerte den Umsatz gegenüber dem Vorjahr um acht Prozent auf 7,35 Milliarden US-Dollar, während das Bruttobuchungsvolumen um neun Prozent auf 51,0 Milliarden Dollar zulegte. Die Zahl der gebuchten Übernachtungen wuchs um fünf Prozent auf 325 Millionen — nicht ganz so schnell wie der Umsatz, aber weiterhin klar aufwärtsgerichtet. Gleichzeitig gelang es dem Management, die bereinigte Ebitda-Marge von 35,6 auf 36,0 Prozent auszuweiten. Das ist der entscheidende Punkt: Booking wächst nicht nur, sondern verdient an diesem Wachstum überproportional. Der bereinigte Gewinn je Aktie stieg um 15 Prozent auf 2,54 Dollar und übertraf die Erwartungen der Analysten. Der freie Cashflow erreichte 3,64 Milliarden Dollar und lag 16 Prozent über dem Vorjahreswert.
Der im April vollzogene Aktiensplit im Verhältnis von 25 zu 1 hat die Aktie zwar optisch erschwinglicher gemacht, an der fundamentalen Bewertung aber nichts verändert. Entscheidend sind deshalb nicht die zusätzlichen Stücke im Depot, sondern die Frage, ob Booking seine starke Marktstellung auch in den kommenden Jahren verteidigen kann. Die Antwort darauf hängt vor allem an drei Entwicklungen: dem Ausbau des Geschäfts mit kombinierten Buchungen, der zunehmenden Zahlungsabwicklung über die eigene Plattform und dem Einsatz künstlicher Intelligenz.
Die nächste Stufe
Die langfristige Strategie trägt bei Booking den Namen „Connected Trip“. Dahinter steckt der Versuch, aus dem Hotelportal eine zentrale Reiseplattform zu machen. Zum einen will der Konzern bei der Vermietung von Ferienwohnungen und Apartments künftig eine größere Rolle spielen. Das Angebot alternativer Unterkünfte wächst im zweistelligen Prozentbereich und ergänzt das klassische Hotelgeschäft. Kunden sollen aber nicht nur eine Unterkunft buchen, sondern auch Flug, Mietwagen, Versicherung und Aktivitäten möglichst über dieselbe Anwendung organisieren. Was früher aus einzelnen Buchungen bestand, soll zu einem zusammenhängenden Vorgang werden.
Für Booking ist das mehr als eine Frage der Bequemlichkeit. Wer seine gesamte Reise über eine Plattform plant, verursacht im Verhältnis weniger Marketingkosten als ein Kunde, der nur einmal ein Hotelzimmer bucht. Gleichzeitig steigt der Umsatz pro Nutzer. Booking schneidet damit ein größeres Stück vom Kuchen ab, ohne selbst Hotels, Flugzeuge oder Mietwagenflotten besitzen zu müssen. Diese Verbindung aus Auswahl, Daten und Zahlungsabwicklung ist der Kern des Geschäftsmodells.
Eine wichtiger Treiber ist dabei das sogenannte „Merchant Model“. Booking zieht die Zahlung zunehmend selbst ein und leitet sie später an den jeweiligen Anbieter weiter. Zum Ende des zweiten Quartals standen dadurch 10,1 Milliarden Dollar aus vorausbezahlten Reisen in den Büchern. Diese Gelder gehören zwar nicht dauerhaft dem Konzern, können bis zur Auszahlung aber Erträge abwerfen. Im zweiten Quartal kamen auf diese Weise 201 Millionen Dollar an Zins- und Dividendeneinnahmen zusammen. Bei sinkenden Zinsen würde dieser Beitrag allerdings kleiner ausfallen.
KI als Schlüsseltechnologie
Künstliche Intelligenz spielt für den Konzern in doppelter Hinsicht eine wichtige Rolle. Zum einen nutzt Booking die Technologie zur Optimierung interner Abläufe sowie im Kundenservice. Zum anderen ist KI auch ein wachsender Faktor im Produktangebot, insbesondere bei der personalisierten Reiseplanung. Die US-Tochter Priceline bietet mit „Penny“ beispielsweise einen digitalen Reiseassistenten, der auf generativer KI basiert. Bei der Reservierungsplattform OpenTable setzt Booking auf einen KI-Concierge, der Gästen dabei hilft, ein passendes Restaurant zu finden. Restaurants unterstützt OpenTable unter anderem mit Bookline, einem KI-Assistenten, der Reservierungen per Telefon oder Whatsapp automatisiert und rund um die Uhr entgegennimmt.
Damit ist Booking für den Trend zu „Agentic AI“ bereits gut gerüstet: Der Konzern verfügt über einen wertvollen Schatz an Kundendaten und enge Beziehungen zu Hotels, Ferienwohnungsanbietern, Airlines und Restaurants. Je mehr Buchungen über die Plattform laufen, desto besser kann Booking Empfehlungen personalisieren und ganze Reiseabläufe automatisieren — ein Vorteil, den neue Wettbewerber nicht über Nacht aufholen.
Die Sorgen, dass KI die Buchungsplattform überflüssig machen könnte, haben sich folglich wieder verflüchtigt und der Aktie einen kräftigen Rebound von ihrem Jahrestief im Mai beschert. Dadurch hat auch die Bewertung wieder angezogen. Mit einem 2027er-KGV von 16,6 liegt sie aber immer noch unter dem Schnitt der letzten drei Jahre von 19,0. Zudem ist sie durch die Aussicht auf prozentual zweistelliges Gewinnwachstum gedeckt.
Fazit
Booking liefert weiterhin Wachstum und hohe Margen. Mit Connected Trip, dem Merchant Model und dem Einsatz von KI hat das Unternehmen mittel- bis langfristig mehrere Stellschrauben für weitere Ergebnissteigerungen. Die aktuelle Konsolidierung nach der Erholungsrally der letzten Monate ist eine Kaufchance für risikobewusste Anleger.