Samsung minus 12 Prozent. SK Hynix minus 12,7 Prozent. Auch Micron, AMD und Intel gaben deutlich nach. Der südkoreanische Kospi brach zeitweise über zehn Prozent ein, der Handel wurde ausgesetzt. von Klaus Madzia
Der Grund: Zweifel, ob sich die gigantischen KI-Investitionen rechnen – befeuert durch immer günstigere KI-Modelle aus China („Kimi“). Dazu die Meldung, Nvidia könnte für 250 Milliarden Dollar OpenAI-Kredite bürgen, für ein Rechenzentrum in Ohio. Die Anlegerlogik: Wenn KI fast nichts mehr kostet, warum sollten Chip- und Cloud-Konzerne noch so viel verdienen?
Chip-Crash und Billig-KI aus China
Eine Woche vor dem Crash zeichnete die renommierte UBS ein anderes Bild. Analyst Karl Keirstead sprach mit über 15 KI-Firmen, darunter Perplexity und Cursor. Fazit: Das Geschäft wächst weiter rasant, bei manchen hat sich der Umsatz in sechs Monaten verdoppelt oder verdreifacht. Was sich ändert, ist der Umgang mit Kosten. Firmen nutzen für einfache Aufgaben günstige Open-Source-Modelle wie DeepSeek – und sparen die teuren Spitzenmodelle für die harten Fälle auf.
Das kennt die Wirtschaftsgeschichte bereits. Als Strom oder Mobilfunk billiger wurden, brach der Verbrauch nicht ein, er stieg. Billiger macht mehr Anwendungen wirtschaftlich. Und treibt so die Gesamtnachfrage eher an.
Der Crash trifft vor allem Titel, die stark vom reinen Hype getragen wurden – allen voran Speicherchip-Hersteller wie SK Hynix und Samsung nach ihrer Kursrally. Das ist eine überfällige Korrektur.
Die eigentlichen Gewinner sieht UBS woanders: Nvidia, weil auch Open-Source-Modelle größtenteils auf Nvidia-Chips laufen. Und die Cloud-Riesen Amazon, Microsoft, Google, weil Kunden ohnehin mehrere Modelle parallel nutzen – teuer und billig, alles über deren Infrastruktur.
Aber OpenAI und Anthropic dürften an Tempo verlieren, wenn Routineaufgaben zu billigeren Alternativen abwandern.
Der Google-Fall als Blaupause
Wie sehr die Positionierung entscheidet, zeigt ein Wert, den wir im KIQ-Report bereits beleuchtet haben. Das Unternehmen ist bei Chips, Cloud, Modellen und Vertrieb komplett selbst aufgestellt und damit deutlich unabhängiger vom reinen Token-Geschäft als OpenAI oder Anthropic. Genau diese Unabhängigkeit dürfte über Gewinner und Verlierer dieser Marktphase entscheiden.
Die Verluste sind kein Grund, den KI-Sektor abzuschreiben. Sie treffen hoch bewertete Titel mit China-Konkurrenz im Nacken. Strukturell im Vorteil bleibt, wer unabhängig davon verdient, welches Modell am Ende gewinnt: Chip-Infrastruktur, Cloud-Kapazität, breite Ökosysteme.
Wenn Sie mehr zu den Aktien erfahren wollen, die jetzt wirklich spannend sind, dann lohnt sich ein Blick auf unseren exklusiven Börsenbrief kiqreport.