Der DAX steht am Freitag unter Druck - das bewegt den deutschen Leitindex. Außerdem im Fokus: SMA, Netflix, Dermapharm, Volvo, Iran, Trump Media und Bitcoin.

Am deutschen Aktienmarkt dürfte es am Freitag wegen der schwachen Vorgaben aus Asien und den USA weiter nach unten gehen. Der Broker IG taxierte den Leitindex Dax vor dem Xetra-Handel auf 24.675 Punkte und damit rund ein Prozent tiefer. Neben einer Schwäche von KI-Aktien belastet weiterhin der Krieg im Nahen Osten, der die Ölpreise steigen lässt.

Der Dax hatte bereits an den vergangenen beiden Tagen nachgegeben und zuletzt unter der Marke von 25.000 Zählern geschlossen. Auf Wochensicht deutet die IG-Indikation auf ein Minus von rund 400 Zählern oder 1,6 Prozent hin. Seit dem Rekordhoch von 25.900 Punkten Anfang vergangener Woche hat sich der Dax inzwischen rund fünf Prozent entfernt.

In Asien, vor allem in Tokio, sowie an der US-Technologie-Börse Nasdaq standen einmal mehr vor allem Aktien mit KI-Bezug unter Druck. Nach deren Rally bis in den Juni hinein machen viele Anleger weiter Kasse.

Selbst Zahlen und Prognosen, die deutlich über den Expertenerwartungen lagen, wie die des niederländischen Halbleiterindustrieausrüsters ASML oder des weltgrößten Chipauftragsfertigers TSMC aus Taiwan konnten die Stimmung nicht nachhaltig aufhellen.

In Südkorea - hier war der Leitindex Kospi während der KI-Rally besonders stark gestiegen, hatte zuletzt aber auch deutlich korrigiert - wurde am Freitag wegen eines Feiertages nicht gehandelt.

Marktexperte Stephen Innes verweist darauf, dass aktuell neben Gewinnmitnahmen auch Druck auf den Markt komme durch eine Korrektur bei Anlageprodukten, die mit Hebel - also im Grunde auf Pump - Investments in KI-Aktien erlaubt hätten. Dieser Korrekturprozess könnte noch eine Weile andauern.

DAX (WKN: 846900)

Aktien Deutschland

Finanzaufsicht Bafin untersucht Jahresabschluss von Dermapharm

Die Finanzaufsicht Bafin hat eine Prüfung des Jahresabschlusses und des Lageberichts des Arzneimittelherstellers Dermapharm für das Jahr 2025 eingeleitet. Es lägen konkrete Anhaltspunkte dafür vor, dass Dermapharm gegen Rechnungslegungsvorschriften verstoßen habe, teilte die Behörde am Freitag in Frankfurt mit. Dabei gehe es um eine Abbildung einer Forderung einschließlich darauf erfasster Zinsansprüche in Höhe von 63,2 Millionen Euro, die möglicherweise fehlerhaft sei, hieß es. Zudem liegen der Bafin zufolge Anhaltspunkte dafür vor, dass Geschäftsvorfälle mit einem nahestehenden Unternehmen unzureichend erläutert wurden. Die Prüfung wurde den Angaben zufolge bereits am 14. Juli eingeleitet.

SMA wird noch optimistischer für 2026 - Aktie springt hoch

Der Hersteller von Wechselrichtern SMA Solar wird nach einem erfolgreichen Quartal noch zuversichtlicher für das laufende Jahr. 2026 dürfte der Umsatz bei 1,625 bis 1,725 Milliarden Euro liegen, teilte das Unternehmen am späten Donnerstagabend mit. Bei der Vorstellung seiner Zahlen zum Jahresstart hatte das Unternehmen bereits ein Erreichen des oberen Drittels der alten Bandbreite von 1,475 bis 1,675 Milliarden Euro ins Auge gefasst.

Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) soll nun bei 180 bis 230 Millionen Euro liegen, nach oberes Drittel von 50 bis 180 Millionen Euro zuvor. Die neuen Prognosen liegen über den bisherigen Erwartungen von Experten.

Anleger reagierten erfreut. Die SMA-Aktie legte im nachbörslichen Geschäft auf der Handelsplattform Tradegate zuletzt um zehn Prozent im Vergleich zum Schlusskurs im Xetra-Handel zu.

Im zweiten Quartal war der Umsatz bereinigt um Einmaleffekte um drei Prozent auf 368,0 Millionen Euro gestiegen. Das Ebitda legte um knapp 30 Prozent auf 40,9 Millionen Euro zu.

Aktien international

Netflix lässt Menschenmengen mit KI generieren - Aktie im Minus

Beim Videostreaming-Marktführer Netflix ist in rund 300 Titeln allein in diesem Jahr Künstliche Intelligenz zum Einsatz gekommen. So würden etwa mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) Menschenmengen oder Szenen historischer Schlachten erzeugt, sagte Co-Chef Ted Sarandos vor Analysten.

In vielen Fällen wären solche Fragmente ohne KI aus Kosten- oder Zeitgründen gar nicht erst gedreht worden, argumentierte er. Zugleich betonte Sarandos, dass KI nur ein Werkzeug in der Hand kreativer Menschen sei: "Filme werden von Leuten gemacht, die Filme machen."

Netflix veröffentlichte seine Zahlen für das vergangene Quartal, begleitet von Zweifeln an der Börse daran, wie gut der langjährige Branchenprimus seine Kunden halten kann. Der Kampf um die Übernahme des Hollywood-Urgesteins Warner Brothers, den Netflix gegen den Rivalen Paramount verlor, wurde von einigen Anlegern in diesem Kontext als Flucht nach vorn gesehen.

Ein weiterer Auslöser waren Marktforscher-Daten, die den Eindruck erweckten, dass Zuschauerzahlen ab der zweiten Staffel selbst populärer Netflix-Serien sinken. Die Rückgänge zwischen der ersten und der zweiten Staffel hätten sich im Vergleich zum Vorjahr sogar verringert, sagte Sarandos dazu.

Zugleich will der Videostreaming-Marktführer künftig nur noch jährlich statt zweimal pro Jahr Angaben zur Popularität seiner Filme und Serien veröffentlichen. Das Netflix-Management betont außerdem, es bestehe nicht unbedingt ein direkter Zusammenhang zwischen der Zahl der Stunden, die Kunden vor dem Bildschirm verbringen, und den Erlösen.

So lockten Live-Übertragungen überdurchschnittlich viele Neukunden an, während sie insgesamt nicht so viele Zuschauer hätten wie anderes Programm, sagte der zweite Co-Chef Greg Peters.

Anleger überzeugte das alles nicht: Der Aktienkurs fiel im nachbörslichen US-Handel um rund neun Prozent. Mit ein Grund war auch, dass die Prognose für den Umsatz im laufenden Quartal die durchschnittlichen Analysten-Erwartungen verfehlte. Die Netflix-Aktie hatte bereits in den vergangenen Monaten mehr als 40 Prozent ihres Werts verloren.

Netflix macht keine regelmäßigen Angaben zur Kundenzahl mehr. Aber der Umsatz stieg im vergangenen Quartal im Jahresvergleich um 13 Prozent auf 12,6 Milliarden Dollar (10,98 Mrd Euro). Der Gewinn unter dem Strich wuchs um knapp neun Prozent auf 3,4 Milliarden Dollar.

Netflix bekam von Warner im Februar 2,8 Milliarden Dollar als Vertragsstrafe nach Auflösung der bereits vereinbarten Übernahme. Das ließ im vergangenen Quartal die Steuerzahlungen des Streaming-Marktführers etwas steigen.

Trump-Firma verkauft schnelleren Zugriff auf Truth Social

Die Medienfirma von US-Präsident Donald Trump will Berichten zufolge zahlenden Kunden einen besonders schnellen Zugriff auf Beiträge ausgewählter Konten des sozialen Netzwerks Truth Social anbieten. Der neue Dienst unter dem Namen "Truth API" solle vom 1. August an in Echtzeit Beiträge der reichweitenstärksten Accounts liefern, teilte Trump Media & Technology Group (TMTG) am Donnerstag mit.

TMTG ist vor allem als Betreiber von Trumps Online-Sprachrohr Truth Social bekannt, wo er fast 13 Millionen Follower hat. Der US-Präsident war seit der Gründung Mehrheitsbesitzer und übertrug seine Anteile nach dem Einzug ins Weiße Haus an seinen Sohn Donald Trump Jr., der diese treuhänderisch verwaltet.

Trump nutzt Truth Social als wichtigstes Kommunikationsmedium seiner Präsidentschaft. Er kündigt dort regelmäßig politische Entscheidungen und Positionen an, unter anderem zu Zöllen, der Geldpolitik oder internationalen Konflikten. Seine Beiträge haben wiederholt Reaktionen an den Aktien- und Rohstoffmärkten ausgelöst.

Trump hatte das Unternehmen 2021 gegründet, nachdem große Online-Plattformen seine Konten nach dem Sturm auf das Kapitol am 6. Januar 2021 gesperrt hatten. Diese Sperren wurden später wieder aufgehoben.

Lkw-Bauer Volvo übertrifft Erwartungen - Hohe Nachfrage aus Nordamerika

Der Nutzfahrzeughersteller Volvo AB hat im zweiten Quartal besser angeschnitten als erwartet. Dabei habe Volvo eine starke Nachfrage nach Lkw verzeichnet, teilte das Unternehmen am Freitag in Göteborg mit. Höhere Kosten, etwa für US-Zölle, Fracht oder Material, konnten die Schweden mehr als ausgleichen.

Der Umsatz stieg auf 126,3 Milliarden schwedische Kronen (knapp 11,5 Mrd Euro), von 122,9 Milliarden Kronen im Vorjahr. Organisch erzielte Volvo ein Wachstum von sieben Prozent. Das bereinigte operative Ergebnis verbesserte sich auf 14,8 Milliarden, nach 13,5 Milliarden Kronen zuvor. Von Bloomberg befragte Analysten hatten mit weniger gerechnet. Volvo habe dabei neben der robusten Nachfrage unter anderem von einem starken Servicegeschäft sowie geringeren Entwicklungskosten profitiert, hieß es.

Bei Lkw stieg das Neugeschäft um 33 Prozent auf 63.412 Fahrzeuge. Während die Nachfrage in Europa und Südamerika weiter schrittweise zulegte, stieg sie in Nordamerika sprunghaft an und war mehr als doppelt so hoch wie im Jahr zuvor.

PayPal-Verwaltungsrat hält Stripe-Angebot für zu niedrig

PayPals Verwaltungsrat sieht das 53-Milliarden-Dollar-Übernahmeangebot von Stripe und Advent International laut Reuters als zu niedrig an, da es das langfristige Wertpotenzial des laufenden Turnaround-Programms nicht angemessen widerspiegle – eine formelle Antwort steht noch aus. Zusätzlich zu Preisbedenken prüft der Verwaltungsrat auch die Finanzierungssicherheit, mögliche regulatorische Hürden und die voraussichtlich lange Transaktionsdauer. PayPal-Aktien legten am Donnerstag rund 2 Prozent auf 56,73 Dollar zu, bleiben damit aber noch deutlich unter dem Angebotspreis von 60,50 Dollar.

Halbleitermarkt am Scheideweg: Struktureller Boom oder klassischer Zyklus?

Marktanalyst Brent Donnelly von Spectra Markets sieht den Halbleitersektor vor einer Entscheidung zwischen zwei grundlegend verschiedenen Szenarien: Entweder hat KI lediglich den bekannten Boom-Bust-Zyklus der Branche verstärkt – mit drohendem Überangebot, wenn neue Fertigungskapazitäten ab 2027 auf den Markt kommen – oder KI hat die Nachfragegrundlage dauerhaft verändert, sodass anhaltende Investitionen der Hyperscaler und langfristige Lieferverträge einen strukturellen Nachfrageüberhang sichern. Entscheidend sei, ob die aktuell starken Preise und Margen nachhaltig sind oder einer weiteren Überkapazitätsphase wie in früheren Zyklen weichen werden – besonders bei Speicherchipherstellern wie SK Hynix, Micron und Samsung.

Bitcoin kämpft um 64.000-Dollar-Marke – Liquiditätsdaten deuten auf Seitwärtsbewegung

Bitcoin notiert knapp unter 64.000 Dollar, wobei Liquidationsdaten eine Cluster-Zone von Short-Positionen zwischen 65.500 und 66.000 Dollar zeigen – ein Durchbruch dieser Zone könnte eine Rallye in Richtung 67.000 Dollar auslösen. Auf der Unterseite liegen Unterstützungszonen zwischen 62.500 und 63.750 Dollar; sollten diese nachgeben, wirkt ein weiteres großes Liquidationsband um 55.000 Dollar als möglicher Magnet. Long-seitige Liquidität überwiegt im betrachteten Zeitraum die Short-seitige um nahezu zwei zu eins, was darauf hindeutet, dass der Großteil des in den vergangenen Wochen aufgebauten Hebels noch nicht aufgelöst wurde.

Enthält Material von dpa-AFX

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