Der DAX tritt am Mittwoch auf der Stelle – und wartet auf gleich zwei entscheidende Signale aus den USA. Während Nvidia vor den Zahlen unter Erwartungsdruck steht, sorgen SAP, Eon, Qiagen und Siemens Energy für Bewegung.
Nach dem erneuten Vorstoß in Richtung Rekordhoch haben die Anleger am Mittwoch zunächst eine Pause eingelegt. Der deutsche Leitindex startete kaum verändert und notierte um 9.05 Uhr bei 26.259 Punkten. Das Rekordhoch von gut 26.574 Punkten bleibt damit in Sichtweite.
Für neue Impulse dürften jedoch vor allem die US-Inflationsdaten und die nach Börsenschluss erwarteten Quartalszahlen von Nvidia sorgen. Die Anleger bleiben deshalb im Wartemodus. Sinkende Ölpreise nehmen derweil etwas Druck aus dem Inflationsgeschehen.
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Nvidia muss heute Abend liefern
Am späten Abend richtet sich der Blick auf Nvidia. Die Zahlen des KI-Chipkonzerns gelten als wichtiger Stimmungstest für die gesamte Technologiebranche. Die Anleger hinterfragen die KI-Euphorie inzwischen kritischer und haben sich an starke Geschäftszahlen des Marktführers gewöhnt.
Damit steigt der Erwartungsdruck. Jim Reid von der Deutschen Bank hatte zuletzt darauf hingewiesen, dass die Nvidia-Aktie nach den vergangenen vier Zahlenvorlagen jeweils nachgegeben habe. Für die Börse reicht ein gutes Quartal allein offenbar nicht mehr aus – Nvidia muss die hohen Erwartungen übertreffen und beim Ausblick nachlegen.
Die BÖRSE ONLINE-Experten Klaus Schachinger und Markus Voss begleiten und kommentieren die Zahlen heute in einem Livestream auf Youtube. Beginn ist 21:55 Uhr.
US-Preisdaten vor Jackson Hole
Am Nachmittag steht zunächst der PCE-Deflator für Juli auf der Agenda. Der Preisindikator ist für die US-Notenbank von besonderer Bedeutung, weil er wichtige Hinweise auf die weitere Geldpolitik liefert. Die NordLB rechnet lediglich mit einem moderaten Preisanstieg. Das könnte die Märkte vorübergehend beruhigen.
Am Donnerstag beginnt zudem das Notenbankertreffen in Jackson Hole. Die Anleger hoffen auf Signale zu den weiteren Zinsschritten in den USA. Ein nachlassender Preisdruck würde die Erwartungen an eine weniger restriktive Geldpolitik stützen und könnte vor allem wachstumsstarken Technologieaktien helfen.
Eon mit Rückenwind
Auf Unternehmensseite sorgte Eon vorbörslich für positive Schlagzeilen. Die Aktien des Versorgers legten auf Tradegate rund 1,8 Prozent zu. Die Privatbank Berenberg stufte die Titel von „Hold“ auf „Buy“ hoch.
Die Kurskorrektur biete eine attraktive Einstiegschance, begründete Berenberg die Empfehlung. Der Versorger verfüge über gute Wachstums- und Renditechancen im deutschen Stromnetz. Für Anleger ist das ein Hinweis darauf, dass der Ausbau der Netzinfrastruktur auch abseits der großen Technologietrends langfristige Anlagechancen eröffnet.
UBS bremst SAP
Deutlich schwächer präsentierte sich dagegen SAP. Die Aktie verlor auf Tradegate rund zwei Prozent, nachdem die UBS ihre Kaufempfehlung gestrichen und die Einstufung auf „Neutral“ gesenkt hatte. Das Kursziel wurde zwar auf 201 Euro angehoben, die positive Einschätzung reicht der Bank aber nicht mehr für ein Kaufvotum.
Die SAP-Aktie sei vernünftig bewertet, schrieb Analyst Michael Briest. Gleichzeitig bleibe die Stimmung der Anleger fragil. Genau diese Kombination ist für den Softwarekonzern zum Problem geworden: Selbst solide langfristige Aussichten schützen die Aktie nicht automatisch vor Gewinnmitnahmen, wenn die Bewertung bereits hohe Erwartungen widerspiegelt.
Der SAP-Kurs hat seit Ende Juli um rund 40 Prozent zugelegt.
Übernahmefantasie bei Qiagen
Bei Qiagen stiegen die Papiere auf Tradegate um rund 1,7 Prozent. Händler verwiesen auf Berichte, wonach der Diagnostikkonzern mit den Private-Equity-Gesellschaften EQT und KKR über einen Verkauf sprechen soll. Als möglicher Preis werden 50 US-Dollar je Aktie genannt.
Die Angaben beruhen auf Medienberichten und sind bislang nicht als abgeschlossene Transaktion bestätigt. Dennoch sorgt die mögliche Offerte für neue Übernahmefantasie. Die Qiagen-Aktie hatte zuletzt nach der Bekanntgabe des Chefwechsels am Montagnachmittag unter Druck gestanden. Nun rückt der mögliche Verkaufspreis als kurzfristiger Kurstreiber in den Mittelpunkt.
Siemens Energy spaltet Sparte ab
Siemens Energy will seine Sparte Transformation of Industry verselbstständigen. Der Geschäftsbereich soll dadurch mehr unternehmerische Flexibilität und zusätzliche Wachstumschancen erhalten. Möglich sind laut Konzern die Aufnahme externer Investoren und eine Kapitalmarkttransaktion.
Siemens Energy will die Sparte entkonsolidieren, zugleich aber eine wesentliche Minderheitsbeteiligung behalten. Transformation of Industry beschäftigt rund 17.000 Mitarbeiter und erzielte im vergangenen Geschäftsjahr einen Umsatz von rund 5,7 Milliarden Euro. Das Angebot reicht von Energieinfrastruktur für Industriekunden über Kompressoren für die Ölbranche bis hin zu Wasserstoff-Elektrolyseuren.
Konzernchef Christian Bruch erklärte, die aktuelle Struktur begrenze die Möglichkeiten des Geschäftsbereichs. „Unser derzeitiger Investitionsschwerpunkt liegt auf der Stromerzeugung und der Stromübertragung. Dort erzielen Investitionen kurzfristig höhere Erträge“, sagte Bruch.
Die Nachrichtenagentur Bloomberg hatte zuvor berichtet, dass mehrere Finanzinvestoren an einer Beteiligung interessiert seien. Die Sparte könnte demnach mit mehr als zehn Milliarden Euro bewertet werden. Für Siemens-Energy-Aktionäre eröffnet die geplante Verselbstständigung die Aussicht auf einen eigenständiger geführten Geschäftsbereich – zugleich entsteht aber zusätzlicher Umsetzungs- und Bewertungsunsicherheit.
Enthält Material von dpa-AFX
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Nvidia.
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Der Autor hält unmittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: SAP.