Der DAX zeigt am Freitag eine überraschende Erholung. Das treibt den Kurs an. Außerdem im Fokus: Tesla, AXA, Hensoldt, Nestle, Sony, Nucera, Samsung, Bitcoin, SK Hynik und Krypto.
Eine beeindruckende Erholung von Technologieaktien in den USA und Asien sowie überwiegend positiv aufgenommene Unternehmensbilanzen dürften am Freitag auch dem deutschen Aktienmarkt Auftrieb geben. Unterstützung kommt zudem von den weiter spürbar sinkenden Ölpreisen, auch wenn die Lage im Nahen Osten weiter angespannt ist.
Der X-Dax signalisierte für den Dax knapp eine Stunde vor dem Börsenstart ein Plus von 0,5 Prozent auf 25.744 Punkte. Damit nimmt der deutsche Leitindex Kurs auf sein Rekordhoch von 25.900 Punkten, das er Anfang Juli erreicht hatte.
Tags zuvor hatte der Dax freundlich geschlossen und den Widerstand bei etwas über 25.550 Zähler überwunden. Auf Wochensicht deutet sich ein Plus von 2,5 Prozent an, auf Monatssicht sind es fast 3 Prozent.
Aktien-Stratege Mislav Matejka von JPMorgan hob die bisher gut laufende Berichtssaison auf beiden Seiten des Atlantiks hervor. Das Gewinnwachstum sei besser als am Markt erwartet. Alle Sektoren in den USA und fast alle in Europa zeigten ein im Vergleich zum Vorjahresquartal höheres Wachstum beim Ergebnis je Aktie.
Nachrichten Deutschland
Hensoldt verdoppelt Aufträge - Zahlen etwas besser als erwartet
Die Aufrüstung der Nato-Staaten beschert Hensoldt eine hohe Nachfrage. "Die politischen Entscheidungen für höhere Verteidigungsausgaben konkretisieren sich nun in unserem Auftragsbuch", sagte Firmenchef Oliver Dörre am Freitag zur Vorlage von Geschäftszahlen in Taufkirchen.
In den ersten sechs Monaten verdoppelte der Rüstungselektronikkonzern seinen Auftragseingang im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf 2,8 Milliarden Euro.
Insgesamt sitzt Hensoldt auf Bestellungen im Rekordwert von 10,4 Milliarden Euro. Der Umsatz stieg im ersten Halbjahr um 23,6 Prozent auf 1,17 Milliarden Euro. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) kletterte um 28,5 Prozent auf 137 Millionen Euro nach oben. Die entsprechende Marge betrug 11,8 Prozent nach 11,3 Prozent ein Jahr zuvor.
Insgesamt hatten Analysten etwas weniger erwartet. Obwohl der bereinigte freie Barmittelzufluss laut Hensoldt zu diesem Zeitpunkt des Jahres typischerweise auf dem tiefsten Stand ist, verbesserte er sich dank Anzahlungen von minus 181 Millionen auf minus 136 Millionen Euro.
Hensoldt konnte unter anderem mit Vertragserweiterungen für Eurofighter-Mk1-Radare sowie Großaufträgen zur Ausstattung der Panzermodelle Puma und Schakal punkten. Neben Bestellungen der Bundeswehr waren auch Orders aus anderen europäischen Staaten ein Treiber. Besonders das Optronik-Segment entwickelte sich stark, aber auch die Geschäfte mit Sensoren liefen gut.
An den Jahreszielen hält Hensoldt in der Folge fest. So soll der Umsatz etwa 2,75 Milliarden Euro erreichen, die bereinigte operative Marge dürfte zwischen 18,5 und 19 Prozent liegen. Im Restjahr werde die Marge also spürbar ansteigen, da sich Auslieferungen und Abnahmen auf das zweite Halbjahr und insbesondere das vierte Quartal konzentrieren, hieß es weiter.
Vorzieheffekte: Thyssenkrupp Nucera setzt mehr um als erwartet
Der Elektrolysespezialist Thyssenkrupp Nucera hat im dritten Quartal trotz eines abermaligen Umsatzrückgangs etwas besser als erwartet abgeschnitten. Der Umsatz sei in den drei Monaten bis Ende Juni im Vergleich zum Vorjahr um rund ein Fünftel auf 145 Millionen Euro gefallen, teilte das zum Thyssenkrupp-Konzern gehörende Unternehmen am Donnerstagabend nach Börsenschluss in Dortmund mit.
"Die Umsatzentwicklung liegt dabei oberhalb der bisherigen Erwartungen. Wesentlicher Grund hierfür sind zeitliche Vorzieheffekte aus großen Neubauprojekten, insbesondere im Segment Chlor-Alkali, bei denen ursprünglich für das vierte Quartal 2025/26 erwartete Umsätze bereits im dritten Quartal realisiert wurden."
Im Vergleich zum schwachen Vorquartal habe sich der Umsatz fast verdreifacht. Zudem wurde der Verlust vor Zinsen und Steuern (Ebit) in den Monaten April bis Juni im Quartalsvergleich deutlich reduziert. Der operative Verlust habe bei zwei Millionen Euro gelegen. Im zweiten Quartal lag das Minus noch bei 65 Millionen Euro. Experten hatten den Unternehmensangaben zufolge mit einem höheren Minus gerechnet.
Der Auftragseingang habe im dritten Quartal bei 81 Millionen Euro gelegen und damit deutlich unter dem Wert des Vorquartals, aber über dem Wert des Vorjahres. Die Thyssenkrupp-Nucera-Aktie legte nachbörslich auf der Handelsplattform Tradegate im Vergleich zum Xetra-Schluss leicht zu, drehte aber kurz danach ins Minus. Das im MDax notierte Unternehmen Thyssenkrupp hält etwas mehr als die Hälfte der Anteile des Elektrolysespezialisten.
Der Konzern hatte die Tochter im September zu 20 Euro das Stück an die Börse gebracht. Thyssenkrupp Nucera war an der Börse nur zu Beginn ein Erfolg. In den ersten Wochen ging es bis auf etwas mehr als 25 Euro nach oben. Seitdem geht es Schritt für Schritt nach unten. Der Börsenwert liegt derzeit bei knapp einer Milliarde Euro.
Internationale Nachrichten
Nestle-Chef will Schulden ohne L'Oréal-Verkauf abbauen
Nestlé will seine Verschuldung nach Aussagen von Konzernchef Philipp Navratil mit Verkäufen von Randaktivitäten und aus eigener Kraft reduzieren. Ein Verkauf der milliardenschweren Beteiligung am Kosmetikkonzern L'Oréal kommt trotz des Potenzials zum Schuldenabbau aber vorerst nicht infrage, wie Navratil im Interview mit dem Finanzportal "The Market" (online am Freitag) erklärte.
"Klar, wir müssen unsere Verschuldung reduzieren", sagte Navratil. Mit dem Verkauf des Wassergeschäfts oder auch mit kleineren Veräußerungen wie jener von Blue Bottle Coffee arbeite man auf dieses Ziel hin.
Das Verhältnis von Nettoverschuldung zum Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) solle "etwa in der Mitte zwischen 2 und 3 liegen", so der Nestlé-Chef. Per Ende 2025 lag das Verhältnis bei gegen 2,85. Absolut wies Nestlé Ende Juni eine Nettoverschuldung von 56,3 Milliarden Franken aus. Vor einem Jahr lag der Betrag bei 60 Milliarden.
Einen Verkauf der rund 20-prozentigen Beteiligung an L'Oréal schließt der Konzernchef jedoch aus. Zwar "könnte man theoretisch die Schulden deutlich reduzieren", räumte Navratil ein. "Aber es wäre eine Abkürzung." Stattdessen wolle Nestlé "unsere Hausaufgaben" machen und "die Verschuldung organisch herunterzubringen und dabei auch das Portfolio und den Konzern besser aufzustellen". L'Oréal bleibe "eine finanzielle Beteiligung und wir sind glückliche Aktionäre".
Bei der Kapitalallokation setzt Nestlé klare Prioritäten. "Die höchste Priorität" hätten Investitionen in organisches Wachstum, danach folgten die Dividende und der Schuldenabbau. Übernahmen und Aktienrückkäufe hätten dagegen derzeit keine Priorität.
Axa sieht durch schwere Brände keinen Einfluss auf Jahresprognose
Der französische Versicherer Axa sieht sich trotz der derzeit in Frankreich wütenden Waldbrände auf Kurs zu seinen Jahreszielen. Die Feuer seien derzeit keine Bedrohung für den Ausblick, sagte Vorstandsmitglied Guillaume Borie am Freitag in Paris. "Wir betrachten diese Ereignisse als Vorfälle, die wir bewältigen können, ohne dass unsere Leistung darunter leidet". Im ersten Halbjahr steigerte der Konzern seinen operativen Gewinn im Rahmen der Markterwartungen.
Der bereinigte operative Gewinn stieg um knapp 2 Prozent auf gut 4,5 Milliarden Euro. Der auf die Aktionäre entfallene Gewinn verbesserte sich um gut 6 Prozent auf knapp 4,2 Milliarden Euro.
Die Ergebnisse bestätigten die Positionierung von Axa als ein Unternehmen, das sich unter allen Umständen und in einem sich wandelnden Marktumfeld behaupten könne, sagte Firmenchef Thomas Buberl laut Mitteilung. Er erwartet für 2026 weiterhin eine Steigerung des bereinigten Gewinns je Aktie um acht Prozent. Das entspricht dem oberen Ende der mittelfristigen Zielspanne, die von sechs bis acht Prozent reicht.
Am 15. September wollen die Franzosen ihre strategischen Ziele für 2027 bis 2029 vorstellen.
Sony hebt Gewinnausblick dank besserer Playstation-Geschäfte
Der Unterhaltungs- und Elektronikkonzern Sony erwartet nach einem guten ersten Quartal mehr Gewinn im Geschäftsjahr als bisher. So gehen die Japaner nun von 1,72 Billionen Yen (9,3 Mrd Euro) operativem Gewinn aus, statt nur von 1,6 Billionen, wie sie am Freitag in Tokio mitteilten. Das ist mehr als von Analysten vorher geschätzt. Maßgeblich für die besseren Aussichten ist vor allem die Gaming-Sparte rund um das Playstation-Netzwerk aus Spielkonsole und Spielen. Im ersten Quartal profitierte das Geschäft insbesondere vom schwächeren Yen und von Rückerstattungen von US-Einfuhrzöllen, welche die Resultate mit der Playstation zuvor belastet hatten.
Die Sony-Aktie legte in Tokio zunächst spürbar zu und nahm Kurs auf die runde 4.000-Yen-Marke, fiel dann aber wieder zurück und notierte zuletzt auf dem Niveau vom Donnerstag. Das Papier des Elektronikriesen hat sich zuletzt bereits etwas erholt vom scharfen Abschwung seit dem Winter. Kostete eine Aktie im November noch bis zu 4.776 Yen, war sie im Mai bis auf 3.043 Yen gefallen.
Auch beim Umsatz und dem Nettoergebnis rechnet sich der neue Sony-Chef Kenji Tanaka nach dem ersten Quartal etwas mehr aus. Da zog der Umsatz um 8 Prozent auf 2,8 Billionen Yen an. Ohne den schwächeren Yen wäre er aber leicht geschrumpft. Das operative Ergebnis wuchs um 40 Prozent auf knapp 477 Milliarden Yen. Unter dem Strich entfiel auf die Sony-Aktionäre mit 342 Milliarden Yen rund ein Drittel mehr Gewinn.
Musk bestreitet Pläne zu Trennung von Teslas China-Geschäft
Tesla-Chef Elon Musk hat einen Bericht zurückgewiesen, wonach der Elektroautobauer eine Trennung vom China-Geschäft erwägt, um den Weg für eine Fusion mit seiner Weltraumfirma SpaceX freizumachen. Das seien "Fake News", schrieb Musk auf seiner Online-Plattform X als Antwort auf einen später gelöschten Beitrag zu einem entsprechenden Bericht der Zeitung "Wall Street Journal". Aus Teslas Werk in Shanghai kommt bisher mehr als die Hälfte der weltweiten Produktion der Firma. Das einzige andere Werk außerhalb der USA ist in Grünheide bei Berlin.
Das "Wall Street Journal" berichtete unter Berufung auf eine informierte Person, einige Tesla-Manager seien angewiesen worden, sich auf eine Trennung vom China-Geschäft vor einem potenziellen Zusammenschluss vorzubereiten. Einer weiteren Quelle zufolge hätten Berater über Optionen wie eine Abspaltung, einen Verkauf oder eine Schließung beraten, schrieb das Blatt.
Saylor stellt sich gegen BIP-110
Strategy-Gründer Michael Saylor kritisiert BIP-110, das Ordinals und andere nicht-monetäre Dateneinträge auf der Bitcoin-Blockchain vorübergehend einschränken soll. Die Bitcoin-Basisebene müsse einfach, neutral, knapp und sicher bleiben, während Innovationen an freiwilligen und lokal begrenzten Rändern stattfinden sollten. Auch Blockstream-Chef Adam Back lehnt den Vorschlag ab; mit dem verpflichtenden Signaling ab Block 961.632 könnte der Konflikt in etwa acht Tagen eskalieren.
Coldcard warnt vor möglichem Seed-Risiko
Der kanadische Hardware-Hersteller Coinkite fordert Nutzer des Coldcard Mk3 auf, Guthaben aus Wallets mit betroffenen Seed-Phrasen vorsorglich zu migrieren. Das Risiko betrifft nach vorläufiger Analyse Seeds, die ab Firmware-Version 4.0.1 bis einschließlich 5.0.3 erstellt wurden, während neuere Modelle nicht betroffen sind. Die Warnung fällt mit der Untersuchung eines ungeklärten Abflusses von 594,48 Bitcoin zusammen, ohne dass ein direkter Zusammenhang bislang nachgewiesen wurde.
Schumer plant Behörde gegen Korruption
US-Senatsminderheitsführer Chuck Schumer hat einen Gesetzentwurf für eine unabhängige Anti-Korruptionsbehörde vorgestellt, die unter anderem die Krypto-Geschäfte von Präsident Donald Trump prüfen könnte. Die Behörde soll mehrere bestehende Aufsichtsfunktionen bündeln und über erweiterte Ermittlungs- und Durchsetzungsbefugnisse verfügen. Wegen der republikanischen Mehrheiten in beiden Kongresskammern und eines möglichen Vetos von Trump hat der Vorschlag geringe Erfolgsaussichten.
Samsung SDS prüft Stablecoin-Geschäft
Samsung SDS lotet gemeinsam mit Dunamu, dem Betreiber der südkoreanischen Kryptobörse Upbit, eine Zusammenarbeit bei Stablecoin-Infrastruktur und digitalen Vermögenswerten aus. Im Gespräch sind außerdem KI-gestützte Zahlungsmodelle und Systeme für digitale Assets. Samsung SDS will mit seiner Erfahrung bei tokenisierten Wertpapieren und Stablecoin-Prozessen das Geschäft mit digitaler Infrastruktur ausbauen.
Südkoreanische Chipwerte starten Kurssprung
SK Hynix und Samsung Electronics legten in Seoul um mehr als 25 beziehungsweise 20 Prozent zu und profitierten von starken US-Technologieergebnissen. Auch LG Innotek, Seoul Semiconductor und zahlreiche japanische Halbleiterwerte wie Advantest, Tokyo Electron und Renesas stiegen deutlich. Der Aufschwung folgte auf besser als erwartete Quartalszahlen von Microsoft und Amazon, die das Vertrauen in KI-Investitionen stärkten.
KI-Hedgefonds verkauft Aktienportfolio
Der von Leopold Aschenbrenner gegründete Hedgefonds Situational Awareness hat nach hohen Verlusten einen Großteil seines rund 16 Milliarden US-Dollar schweren Aktienportfolios an Citadel verkauft. Betroffen waren unter anderem stark gefallene KI- und Halbleiterwerte, während Goldman Sachs und JPMorgan Chase die Transaktion als Prime Broker begleitet haben sollen. Der Fonds will als privates Investmentunternehmen weiterarbeiten und hält weiterhin bedeutende Beteiligungen an privaten Firmen wie Anthropic.
Enthält Material von dpa-AFX