Wenn in den kommenden Wochen wieder Hitzewellen über Europa ziehen und Flüsse Niedrigwasser führen, rückt eine Ressource in den Fokus, die viele Anleger bislang kaum auf dem Schirm haben: Wasser. Für Industrie und Kapitalmärkte wird es immer wichtiger – denn Wasser wird vielerorts knapper, während der Bedarf gleichzeitig weiter wächst.
Wie ernst die Lage ist, zeigt eine Anfang 2026 veröffentlichte Studie der United Nations University (UNU-INWEH) mit dem Titel „Globaler Wasserbankrott“. Demnach befindet sich die Welt nicht mehr in einer vorübergehenden Wasserkrise, sondern in einer systemischen Wasserinsolvenz: Übernutzung, Verschmutzung und Klimawandel haben Flüsse, Grundwasserleiter und Feuchtgebiete vielerorts so stark geschädigt, dass eine Erholung kaum realistisch erscheint. Mehr als zwei Milliarden Menschen haben demnach bereits keinen sicheren Zugang mehr zu Trinkwasser.
KI-Boom steigert die Nachfrage nach Wasser und Ultra-Reinstwasser
Diese Entwicklung betrifft auch einen Bereich, der auf den ersten Blick wenig mit Wasser zu tun hat: die Chip- und KI-Industrie. Genau hier setzt eine Analyse von Bertrand Lecourt an, Senior-Fondsmanager bei J O Hambro. Er verweist darauf, dass künstliche Intelligenz meist als reines Software-Thema wahrgenommen wird, ihr Erfolg jedoch auf einer sehr physischen Infrastruktur beruht: Rechenzentren müssen gebaut, Chips produziert und riesige Datenmengen verarbeitet werden – und das benötigt neben Energie und Rohstoffen auch enorme Mengen Wasser.
Besonders deutlich wird das bei der Chipherstellung: Für die Produktion moderner Mikrochips ist Ultra-Reinstwasser nötig, da schon kleinste Verunreinigungen die hochsensiblen Fertigungsprozesse stören können. Laut Lecourt werden für einen einzelnen Mikrochip bis zu 30 Liter dieses aufwendig aufbereiteten Wassers benötigt. Auch bei der Kühlung leistungsstarker Rechenzentren, deren Zahl mit dem KI-Boom weltweit zunimmt, spielt Ultra-Reinstwasser eine wachsende Rolle. Wasser wird aus seiner Sicht damit zu einem oft unterschätzten, aber zentralen Baustein der globalen KI-Wertschöpfungskette. Vor diesem Hintergrund sieht der Fondsmanager zwei Unternehmen als mögliche Profiteure dieser Entwicklung.
Das erste ist der japanische Konzern Organo, ein Spezialist für Wasseraufbereitung mit starker Marktposition bei Ultra-Reinstwasser für die Halbleiterindustrie. Laut Lecourt erwirtschaftet das Unternehmen inzwischen rund eine Milliarde Euro Jahresumsatz. Der Ausbau von Chipfabriken in Asien und den USA sowie steigende Umweltauflagen sprächen für ein attraktives Marktumfeld. Die Gewinne seien zuletzt im Schnitt um mehr als 15 Prozent pro Jahr gewachsen.
Veolia – stark im Wasser- und Abfallsektor
Das zweite von Lecourt genannte Unternehmen ist der französische Umweltkonzern Veolia, einer der weltweit größten Anbieter von Wasser-, Abfall- und Energiedienstleistungen mit über 40 Milliarden Euro Jahresumsatz. Der Fondsmanager verweist auf einen Investitionsbedarf von mehr als 740 Milliarden Dollar allein in den USA zur Modernisierung der Wasserinfrastruktur sowie auf langfristige Verträge mit Kommunen und Industrie. Zudem habe Veolia seinen Nettogewinn innerhalb von fünf Jahren verdoppelt.
Unternehmen aus dem Wasser- und Abfallsektor zeichnen sich laut Lecourt oft durch stabile Cashflows und Preissetzungsmacht aus, da ihre Dienstleistungen auf wiederkehrender Nachfrage beruhen. Er beziffert das investierbare Universum auf rund 360 börsennotierte Unternehmen mit zusammen etwa 2,6 Billionen Dollar Marktkapitalisierung – ein Markt, den er zu den strukturell wachsenden, aber oft übersehenen Bereichen der Wirtschaft zählt.
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