Deutschlands Gasspeicher sind vor dem nächsten Winter alarmierend leer. Das schürt Nervosität an den Märkten und heizt die Preise an. BÖRSE ONLINE nennt Aktien, die von Gasknappheit und Preisrisiken am meisten profitieren.

In Deutschland ist eine Debatte um eine mögliche Gasmangellage im Winter entbrannt. Denn die Gasspeicher sind für Mitte August auffallend schwach gefüllt. Auch der Branchenverband warnt bereits vor einem historischen Tiefstand. 

Diese Woche wurde bekannt, dass die deutschen Gasspeicher für den Winter gerade einmal zu 50 Prozent gefüllt sind. Zum 1. November müssten die Gasspeicher nach gesetzlichen Vorgaben aber eigentlich zu jeweils 80 Prozent gefüllt sein. Damit ist klar: Wenn die Befüllung bald deutlich anzieht, wird die Lage im Winter zumindest angespannt bleiben.

Die Marktteilnehmer wissen das – und treiben die Gaspreise bereits nach oben. Konnte Deutschland früher noch im Sommer zu günstigen Preisen Gas nachkaufen, so weiß nun der ganze Markt, dass wir Gas brauchen. Das rächt sich.


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Die Profiteure

Doch wie immer in solchen Fällen gibt es auch Profiteure, denn wenn der Winter näher rückt und die Sorgen um die Füllhöhen der Speicher zunehmen, profitieren Unternehmen, deren Geschäft direkt von höheren Gaspreisen profitiert. Diese Aktien werden jetzt interessant.

Die naheliegendsten Namen sind Equinor und RWE. Der norwegische Konzern Equinor (früher Statoil) fördert selbst Gas und verkauft einen großen Teil seiner Produktion in den europäischen Markt. Wenn die Lagerstände weiter niedrig bleiben und die Gaspreis steigen, wird auch Equinor trotz fester Abnahmeverträge mehr verdienen.

Hinzu kommt: Equinor hat selbst davor gewarnt, dass Europa womöglich das Speicherziel vor dem Winter nicht erreicht. Das Unternehmen kennt den Markt also sehr genau – und profitiert typischerweise von jeder Phase, in der Gas teurer und geopolitisch relevanter wird. Für Anleger ist der Titel damit einer der sichersten Hebel auf eine angespannte Europasituation.

Equinor (WKN: A2JLT6)

RWE mit indirektem Hebel

Auch RWE gehört auf die Liste. Der Konzern ist zwar breiter aufgestellt kein reiner Gaswert, doch das Unternehmen ist im Energiehandel aktiv und profitiert in gewisser Weise dadurch von einer steigenden Volatilität in den Marktpreisen. Wenn die Gaspreise steigen, verbessert das oft die Parameter für Absicherung, Handel und Erzeugung.

Zugleich könne höhere Gaspreise andere Arten der Strom- und Wärmeerzeugung attraktiv nachen – die RWE ebenfalls bereitstellt. Der Titel ist damit weniger ein direkter Hebel auf den Gaspreis wie Equinor, aber dennoch ein Name, der von einer Gasknappheit profitieren würde.

Weiterführende Links

RWE (WKN: 703712)

Weitere mögliche Gewinner

Weiter Energeititel, im die im Zug einer Gaskrise attraktiv werden können, sind 

Uniper: als stark gas- und beschaffungsgetriebenes Unternehmen mit direktem Bezug zum europäischen Gasmarkt ;

E.ON: reagiert als Netz- und Versorgungswert indirekt auf Änderungen der Energiepreise;

LNG- und Infrastrukturwerte: jede zusätzliche Unsicherheit erhöht die Bedeutung von Importen, Speicherlogistik und Flexibilität-

Bei den Versorgern sind die Auswirkungen aber nicht überall gleich. Wer stark im Energiehandel, der Beschaffung der in der direkten Gasförderung aktiv ist, dessen Gechäft reagiert stärker als bei einem defensiven Netzbetreiber.

Fazit: Knappheit ist wieder ein Börsenthema

An der Börse legen die Aktien von Equinor und RWW bereits zu, denn die Börse spielt ein einfaches Szenario: Leere Speicher bedeuten mehr Nachfrage nach Gas, steigende Preise und mehr Aufmerksamkeit für Produzenten und Händler. Solange die Bestände hinterherhinken, steigen die Risikoprämien im Markt.

Deutschlands leere Gasspeicher werden zum Seismograph für den Gasmarkt. Für Equinor und RWE ist das grundsätzlich positiv, für den europäischen Energiemarkt insgesamt bleibt es ein Stressfaktor. So werden die deutschen Speicherstände plötzlich zum Kursindikator – und diese Situation wir noch wochenlang anhalten.

BÖRSE ONLINE hat das Kursziel für RWE erst küzlich angehoben. Mehr dazu lesen Sie in Heft 33/2026, das Sie hier noch als E-Paper kaufen können.

Häufige Fragen

Warum steigt gerade jetzt der Gaspreis?

Diese Woche wurde bekannt, dass die deutschen Gasspeicher für den Winter gerade einmal zu 50 Prozent gefült sind. Zum 1. November müssten die deutschen Gasspeicher nach gesetzlichen Vorgaben aber eigentlich zu jeweils 80 Prozent gefüllt sein. Damit ist klar: Deutschland muss jetzt Gas kaufen - und deshalb steigt der Preis.

Wo kann ich dne Füllstand der Gasspeicher verfolgen?

Die Bundesnetzagentur aktualisiert auf ihrer Website täglich alle Daten zur deutschen Gasversorgung. Den Link finden Sie hier.

Welche Unternehmen profitieren von steigenden Gaspreisen?

Vor allem Gaserzeuger wie Equinor aus Norwegen, aber auch Gashändler.