Die italienische Großbank Unicredit verfolgt unerbittlich ihren Übernahmeplan für die Commerzbank. Stück für Stück erhöhen die Italiener ihren Anteil – und setzen die Commerzbank damit unter Druck.

Die italienische Großbank Unicredit hat sich mit ihrem Übernahmeangebot für die Commerzbank weitere Aktien gesichert. Commerzbank-Aktionäre hätten ihr bis zum 9. Juni 10,91 Prozent der Aktien angedient, teilte die Unicredit am Dienstagabend in Mailand mit. Eine Woche zuvor waren den Italienern im Zuge der Offerte 7,58 Prozent angeboten worden.

Nachdem das Geldhaus aus Mailand bisher schon 26,77 Prozent der Commerzbank-Aktien gehalten hatte, würde ihre Beteiligung mit den angedienten Aktien nun rechnerisch auf 37,68 Prozent steigen.

Commerzbank (WKN: CBK100)

Wer gibt seine Aktien unter Wert ab?

Mit ihrem freiwilligen Übernahmeangebot vom Mai vermeidet die Unicredit ein Pflichtangebot, das sonst beim Überschreiten der 30-Prozent-Marke vorgeschrieben ist und das angesichts des zuletzt gestiegenen Commerzbank-Aktienkurses wesentlich teurer geworden wäre. Statt Geld bietet die Großbank für jedes Commerzbank-Papier 0,485 Unicredit-Anteile.

Das ist auf Basis der jüngsten Schlusskurse weniger, als man für eine Commerzbank-Aktie derzeit an der Börse bekommt. Deshalb gehen Beobachter davon aus, das sich Unicredit die nun gemeldeten Aktien im Rahmen von Derivate-Geschäften gesichert hatte und sie nicht von Einzelaktionären, die von der Offerte inhaltlich überzeugt sind, angedient wurden. Zusätzlich verfügt die Unicredit weiterhin über Finanzinstrumente, mit denen sie auf eine Menge weiterer Commerzbank-Aktien zugreifen kann. Die Großbank aus Mailand behält sich nach eigenen Angaben vor, die Offerte, die offiziell am 16. Juni um 24 Uhr ausläuft, bis zum 3. Juli zu verlängern. Die Commerzbank lehnt eine Übernahme weiterhin ab.

Dass die Unicredit deutlich vor Fristende schon so viele Aktien einsammelt, überrascht, weil ihre Offerte unter dem Kurs der Commerzbank-Aktie liegt. Zudem dienen Großinvestoren ihre Papiere meist erst kurz vor Ende der Übernahmefrist an.

Die Commerzbank kritisierte das Vorgehen der Unicredit erneut. „Nach den uns vorliegenden Informationen konnte bislang keine einzige Angebotsannahme eines institutionellen Investors identifiziert werden, und die Summe sämtlicher Annahmen durch Privatanleger entspricht einem Aktienanteil von lediglich rund 0,05 Prozent.“

Die Commerzbank hatte kürzlich bereits die Finanzaufsicht Bafin eingeschaltet. Das Frankfurter Geldhaus moniert, die angedienten Aktien stammten überwiegend von Banken und mit ihnen verbundenen Parteien, von denen einige bekannte Gegenparteien von Unicredit für Finanzinstrumente seien – und damit keine unabhängigen Investoren.

Da das Angebot von Unicredit weiterhin unter dem aktuellen Börsenkurs der Commerzbank liegt, rät BÖRSE ONLINE bislang von einer Annahme ab.

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Häufige Fragen zum Thema

Wieviel bietet Unicredit für die Commerzbank?

Unicredit hat am 5. Mai 2026 ein offizielles Übernahmeangebot für die Commerzbank abgegeben. Danach bietet Unicredit 0,485 eigene Aktien für eine Commerzbank-Aktie. Eine Barkomponente gibt es nicht. Auf Basis eines Unicredit-Kurses vom Dienstag von rund 67 Euro am Tag der Offerte entsprach das etwa 32,50 Euro 31,52 je Commerzbank-Aktie.

Wie reagiert der Markt?

Beide Aktien legten seit Vorlage des Angebots deutlich zu. Commerzbank-Aktie notierte zuvorbereits seit Wochen über dem rechnerischen Angebotspreis von Unicredit, den die Italiener am 16. März erstmals in einer Pressemitteilung genannt hatten.

Sollten Commerzbank-Aktionäre dem Tausch zustimmen?

Dafür ist das Angebot bisher zu niedrig. Analysten und Investoren rechnen deshalb mit einer Anhebung der Offerte. Auch Unicredit-Chef Andrea Orcel hält sich diese Option offen.

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Enthält Material von dpa-AFX