Technologieaktien treiben die Börsenindizes auf immer neue Höchststände. Das stimmt nicht so ganz – zumindest in Europa. Denn hier gibt es einen vermeintlich langweiligen Sektor, der gerade alle in den Schatten stellt.
KI- und Chip-Aktien sind seit Monaten die Haupttreiber der Kursrally, während andere, defensive Sektoren wie etwa Pharma oder Healthcare sich weiterhin kaum von der Stelle bewegen. Allenfalls Energieaktien – und da vor allem Stromversorger – können da noch mithalten.
Diese Lesart ist zwar richtig – aber sie gilt hauptsächlich für die USA. In Europa sieht die Lage anders aus. Zwar kam der DAX im ersten Halbjahr gerade einmal 1,5 Prozent voran. Doch schon der Euro Stoxx 50 schaffte immerhin rund zehn Prozent. Ja, es waren auch Chipwerte und Versorger dabei, die den Index zogen. Aber vor allem ein Sektor stellt derzeit alle in den Schatten: die Banken.
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Höhere Performance als die Magnificent Seven
Der STOXX Europe 600 Bank-Index hat im Jahr 2026 schon fast 15 Prozent hinzugewonnen – und damit mehr als die Magnificent Seven. Auf Sicht von zwölf Monaten sind es sogar fast 50 Prozent.
Man mag es kaum glauben, dass Dickschiffe wie HSBC, Banco Santander, BBVA, BNP oder Unicredit so eine Dynamik entfachen. Doch es ist wahr. Ausgerechnet die Deutsche Bank hat in diesem Jahr allerdings nichts dazu beigetragen: Sie liegt gegenüber dem Jahresanfang sogar knapp im Minus. Und auch das Plus der Commerzbank fällt – trotz Übernahmeschlacht – mit knapp sechs Prozent eher bescheiden aus.
Doch was sind die Gründe für den starken Kursanstieg? Im abgelaufenen Jahr zeigten die Banken unerwartet starke Gewinnentwicklungen. Dabei haben sie von einem für sie günstigen Zinsumfeld, einem florierenden Investmentbanking und attraktiven Dividendenrenditen profitiert.
Der Solactive Magnificent Seven Equal Weighted-Index (schwarz) im Vergleich zum Solactive Eurozone Banks Index (blau)
Niedriges KGV lockt
Was Anleger aber vor allem elektrisiert: Trotz der Kursrally bei den europäischen Bankaktien ist das KGV immer noch unerwartet niedrig: Es liegt gerade mal bei 12.
Natürlich darf man das KGV einer Bank nicht mit dem einer Chipaktie vergleichen. Wenn aber dieser Tage schon Versorger wie E.on oder RWE mit KGVs von 17 und sogar 21 gehandelt werden, darf man schon die Frage stellen, ob Bankaktien womöglich immer zu günstig bewertet werden an der Börse. Schließlich haben sie gleich doppeltes KI-Exposure: Sie finanzieren einerseits einen großen Teil der KI-Investitionen über Kredite mit, die nicht gerade günstig – sprich: zu attraktiven Margen – verliehen werden.
Zum Zweiten gilt die Bankbranche als einer der großen Profiteure des Einsatzes von KI, weil sich hier viele standardisierte Geschäftsprozesse automatisieren und optimieren lassen – sofern der Datenschutz gewährleistet und die regulatorischen Vorgaben lückenlos eingehalten werden. Letzteres bremst derzeit noch den Rollout der KI in den Bankentürmen– aber dafür dürfte sich eine Lösung finden.
Das Effizienzsteigerungs- und Optimierungspotenzial ist jedenfalls enorm; Unicredit wird es der Commerzbank womöglich bald schmerzvoll beibringen.
So reagieren Anleger
Für Anleger könnte es daher ratsam sein, den Bankaktien – wenn nicht schon geschehen – langsam aber sicher ein Plätzchen im Depot freizumachen. Vielleicht im Gegenzug für ein paar Gewinnmitnahmen bei den Chipwerten.
Bankaktien sind üblicherweise gute Dividendenzahler. Wenn Sie grundsätzlich stärker auf Dividendenaktien setzen wollen, empfiehlt sich ein Blick auf den "Globale Dividenden-Stars"-Index von BÖRSE ONLINE.
Häufige Fragen zum Thema
Warum sind Bankaktien in den vergangenen zwölf Monaten so gut gelaufen?
Bankaktien zeigten in den vergangenen zwölf Monaten unerwartet starke Gewinnentwicklungen und haben von einem für sie günstigen Zinsumfeld, einem florierenden Investmentbanking und attraktiven Dividendenrenditen profitiert. Vor allem der europäische Bankensektor erlebte eine Neubewertung.
Wie hoch ist das durchschnittliche KGV im europäischen Banksektor?
Das Durchschnitts-KGV im Subindex STOXX Europe 600 Banks liegt derzeit bei 12,5.
Welche sind - nach Börsenwert - die größten Banken in Europa?
Im STOXX 600, der auch Unternehmen außerhalb der Eurozone berücksichtigt, ist die HSBC mit einem Börsenwert von 495 Milliarden Euro das größte Institut und liegt damit klar von der spanischen Banco Santander mit 309 Milliarden Euro. Danach gibt es erneut eine große Lücke zum Drittplazierten BBVA (216 Milliarden Euro), ebenfalls aus Spanien, und der italienischen Großbank Unicredit mit 207 Milliarden Euro.
Zum Vergleich: Der Börsenwert der Deutschen Bank beträgt 64 Milliarden Euro (Stand 7. Juli 2026).
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