Der Pharma- und Medizintechnikriese zeigte ein überraschend starkes zweites Quartal und erhöhte daraufhin die Jahresprognose. Als Konzern mit Umsatz-Moat und Dividendenaristokrat steht das Papier bei Anlegern hoch im Kurs. Angesichts einer starken Produkt­pipeline dürfte sich dieser Kurs fortsetzen.

Hinweis: Dieser Artikel erschien zuerst am 23. September in der BÖRSE ONLINE-Ausgabe 40/26. Wenn Sie in Zukunft als Erstes die Einschätzung unserer Experten lesen wollen, dann werfen Sie einen Blick auf dieses Angebot.

Der US-Konzern Johnson & Johnson besitzt einen Umsatz-Moat, wörtlich übersetzt einen Umsatz-Burggraben. So werden Unternehmen bezeichnet, die einen strukturellen, langfristigen Wettbewerbsvorteil haben. Daraus resultieren eine hohe Preismacht, vorhersehbare Cashflows und hohe Gewinnmargen. Diese Kennzeichen treffen auf Johnson & Johnson eindeutig zu. Dies gilt für beide Bereiche: innovative Medizin und Medizintechnik. 

Gleichzeitig gelten die Amerikaner als Dividendenaristokrat. Seit Jahrzehnten wurde die Ausschüttung nicht mehr gekürzt. Im April wurde die Quartalsdividende einmal mehr erhöht. Die Kombination aus Umsatz-Moat und Dividendenaristokratie kommt bei Anlegern an. Seit Jahresbeginn stieg die Aktie um rund 16 Prozent und schnitt damit besser ab als Eli Lilly oder Pfizer. Gleichwohl sehen Experten weiteres Aufwärtspotenzial.

Patentklippe gemeistert
Viele Pharma-Giganten leiden unter einem Klumpenrisiko, weil sie nur ein Medikament haben, das einen Umsatz von mehr als einer Milliarde US-Dollar einspielt. Ein sogenannter Blockbuster. Bereits im ersten Halbjahr 2026 generierten elf Medikamente von Johnson & Johnson einen Umsatz jenseits der Blockbuster-Schwelle. Sechs weitere dürften auf Jahressicht folgen. Die Produktpipeline ist in den drei größten Pharmasparten Immunologie, Onkologie und Neurologie gut gefüllt. Beim Immunologie-Medikament gegen Schuppenflechte und Morbus Crohn, Stelara, ist das Patent abgelaufen. Im ersten Halbjahr brachen die Erlöse des einst Zehn-Milliarden-Dollar-Medikaments daher um 57 Prozent ein. Mit Tremfya ist jedoch bereits der Nachfolger auf dem Markt. Zum Halbjahr generierte das Präparat einen Umsatz von 3,6 Milliarden Dollar. Im Frühsommer erhielt das Medikament die Zulassung für weitere Anwendungen. Damit steigen die Chancen, dass Tremfya den Spitzenumsatz des Vorgängers mittelfristig erreichen könnte. 2026 erhielt das Unternehmen für ein weiteres Medikament gegen Schuppenflechte, Icotrokinra, in den USA und der EU die Zulassung. Der große Vorteil gegenüber Konkurrenzprodukten: Es wird nicht gespritzt, sondern oral eingenommen. Die 2025 vollzogene Übernahme von Intra-Cellular zeigt inzwischen ebenfalls Wirkung. Mit dem Zukauf wurde das Neurologie-Geschäft rund um den Blockbuster Spravato deutlich ausgebaut. Caplyta zur Behandlung von Schizophrenie könnte bereits dieses Jahr die Milliarden-Marke überwinden. Das primäre Ziel von Konzernchef Joaquin Duato ist, bis 2030 das weltweit führende Unternehmen in der Krebsmedizin zu werden und einen Erlös in diesem Segment von 50 Milliarden Dollar zu erreichen. Im ersten Halbjahr stieg der Umsatz um 20 Prozent auf 14,4 Milliarden Dollar. Rückgrat der Strategie ist der Topseller, das Blutkrebsmedikament Darzalex. Zahlreiche neue Kombinationstherapien wurden in diesem Jahr bereits von den Behörden zugelassen. Weitere sind in der Forschungsphase. Große Hoffnungen ruhen zudem auf neue CAR-T-Zelltherapien rund um das bereits zugelassene Carvykti und Antikörpertherapien rund um Tecvayli. Der Antikörperbereich wurde im Sommer durch den Zukauf des Biotechkonzerns Fire­fly Bio deutlich ausgebaut. Angesichts eines freien Cashflows von 8,7 Milliarden Dollar im zweiten Quartal, dürften weitere Übernahmen folgen.

Medizintechnik bringt Stabilität
Im Gegensatz zu den meisten Pharmariesen hat Johnson & Johnson mit der Medizintechnik noch eine zweite Sparte. Zwar konnte dieses Segment im ersten Halbjahr nicht mit dem Wachstum im Pharma­geschäft mithalten, gleichwohl zählt die Vision-Tochter Acuvue zu den weltweit größten Anbietern von Kontaktlinsen. DePuy Synthes produziert Implantate und Instrumente, die weltweit in der Orthopädie und Unfallchirurgie verwendet werden. Mit dem Zukauf von Abiomed und deren Impella-Herzpumpen gab das Unternehmen diesem Bereich Schwung. Zu den größten Hoffnungsträgern in der Chirurgie zählt das im Juli in den USA zugelassene Ottava-Robotik-System. Bisher stehen Geräte des Konkurrenten Intuitive Surgical in den OP-Sälen. Analysten von Oppenheimer rechnen damit, dass Johnson & Johnson bis 2030 rund 15 Prozent des US-Marktes erobern dürfte. Der Herausforderer punktet mit einem starken Netzwerk in Kliniken und benötigt deutlich weniger Platz, als das System von Intuitive Surgical. Dabei spekuliert Johnson & Johnson nicht nur auf den Verkauf der Geräte, sondern vor allem auf lukrative Serviceverträge und Erlöse aus Verbrauchsmaterialien. Ein Systemwechsel ist jedoch aufwendig. Es wird daher kurzfristig nicht mit einer Umsatzexplosion gerechnet.

Fazit

Zwar ist die Aktie mit einem KGV von 25,1 nicht günstig. Die Aussichten, dass Johnson & Johnson mittelfristig den Umsatz-Moat und den Status als Dividendenaristokrat behält, ist gut. Hinzu kommen Spekulationen über einen Verkauf oder Börsengang der Orthopädie-Sparte. Sie könnte Experten zufolge rund 20 Milliarden Dollar einbringen, die an Anleger und Zukäufe fließen könnten. Auch aus charttechnischer Sicht ist der langfristige Aufwärtstrend intakt mit einer starken Unterstützung zwischen 210 und 217 Euro. Ziel- und Stoppkurs werden erhöht.

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