Zwei Umsatzwarnungen in Folge waren zu viel: Der Aufsichtsrat dieser Aktie für die Ewigkeit setzt seinen CEO vor die Tür – mit sofortiger Wirkung. Was das für Anleger bedeutet.

Der Schweizer Premium-Schokoladenhersteller Lindt & Sprüngli zieht die Reißleine. Mit sofortiger Wirkung trennt sich der Konzern kurz vor Beginn des Weihnachtsgeschäfts von Konzernchef Adalbert Lechner. Der Verwaltungsrat begründet den Schritt damit, dass eine neue operative Führung notwendig sei, um zu beständigem, starkem Wachstum zurückzukehren und Marktchancen weltweit besser zu nutzen.

Der Führungsknall ist außergewöhnlich, zumal bei einem Schweizer Unternehmen. Lindt & Sprüngli gilt zudem als ein Unternehmen mit einer außergewöhnlichen Preissetzungsmacht, was über Jahrzehnte zu stabilen Ergebnissen und hohen Dividenden an die Aktionäre führte. Der geschasste Lechner war 33 Jahre im Konzern und stand seit Anfang 2022 an der Spitze. Zu den konkreten Umständen seines Abgangs machte Lindt keine weiteren Angaben. Die Erklärung dürfte in den zwei Prognosesenkungen innerhalb eines Jahres liegen. Dem Verwaltungsrat reichen die bisher dagegen eingeleiteten Maßnahmen offenbar nicht aus.

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Der Vorgänger übernimmt

Ungewöhnlich auch: Lechners Nachfolger war auch schon sein Vorgänger: Dieter Weisskopf kehrt interimistisch kehrt zurück – im Alter von 71 Jahren. Er saß nach seinem Ausscheiden als Konzernchef im Jahr 2022 zuletzt im Verwaltungsrat. Einen dauerhaften Nachfolger will Lindt & Sprüngli dann im zweiten Quartal 2027 benennen.

Auch im für Lindt wichtigen deutschen Markt wird die Führung ausgetauscht. Deutschland-Chef Michal Spiller verlässt das Unternehmen nach 23 Jahren. Seine Nachfolge tritt der bisherige Österreich-Chef Ali Kulein an. Fabian Reinhardt, bislang globaler Verkaufsleiter, übernimmt wiederum die Führung in Österreich.

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Heftige Preiserhöhungen verschreckten die Kunden

Der Kern des Problems liegt wohl in den deftigen Preiserhöhungen in diesem Jahr. Wegen der stark gestiegenen Kakaopreise hatte Lindt seine Verkaufspreise im ersten Halbjahr 2026 im Schnitt um 11,8 Prozent angehoben. Bisher waren die Kunden jeden Preisanstieg mitgegangen, so beliebt war die Lindt-Schokolade. Doch diesmal zogen die Konsumenten nicht mit. In Deutschland, der Schweiz und Großbritannien reagierten Kunden deutlich sensibler als erwartet, die Verkaufsmengen gingen zurück.

Lindt steuerte deshalb bereits im Sommer gegen, bot einzelne Produkte günstiger an und setzte wieder stärker auf kleinere Packungen. Trotzdem musste Lechner Ende September zum zweiten Mal im laufenden Jahr die Umsatzprognose für 2026 senken: Statt der ursprünglich erwarteten sechs bis acht Prozent organischen Wachstums rechnet der Konzern nur noch mit null bis zwei Prozent. Inakzeptabel für Lindt.

Probleme vor allem in Europa

Lindt war lange dafür bekannt, gestiegene Rohstoffkosten über höhere Preise weiterreichen zu können. Jetzt stößt diese Strategie an Grenzen. 

Weisskopf soll jetzt vor allem das Europageschäft wieder in Schwung bringen und die Profitabilität verbessern. Nordamerika und Asien entwickeln sich nach Unternehmensangaben dagegen deutlich besser. 

Lindt & Sprüngli (WKN: 859568)

Was das alles für die Lindt-Aktie bedeutet

Auch die Aktionäre hoffen, dass der Personalwechsel funktioniert. Denn der Aktienkurs ist in den vergangenen zwölf Monaten um 35 Prozent von 131.600 auf nur noch 85.500 Schweizer Franken eingebrochen. Anfang Oktober war Lindt & Sprüngli zeitweise sogar für 78.000 Franken zu haben, noch einmal neun Prozent niedriger. Der Abwätrtsrend im Chart hat sich manisfestsiert, trotz der jüngtsen, kleinen Kurserholung gibt es wenig Anlass, mit einem baldigen Ausbruch aus dem Korridor zu rechnen.  Dass die Aktie trotzdem ein für die Lebensmittelbranche hohes KGV von 27 aufweist, zeigt, dass die Gewinnerwartungen mittlerweile auf ein Minimum geschrumpft sind. 

Wer aber schon immer mal eine Aktie von Lindt & Sprüngli besitzen wollte, auch um die legendäre Naturaldividende in Form eines Schokoladenkoffers zu erhalten, die Lindt traditionsgemäß im April nach der Hauptversammlung verschickt, der bekommt die Aktie derzeit zu einem Preis, auf dem sie sich zuletzt im Herbst 2020, also vor sechs Jahren, bewegte. Trotzdem wäre ein Investment zum gegenwärtigen Zeitpunkt wohl eher dem Idealismus geschuldet als der Aussicht auf baldige, deutliche Kursanstiege – trotz des laufenden Weihnachtsgeschäfts. Die BÖRSE-ONLINE-Redaktion empfiehlt die Aktie derzeit nicht zum Kauf.

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Häufige Fragen zu Lindt & Sprüngli

Warum wurde der CEO von Lindt & Sprüngli ausgetauscht?

CEO Adalbert Lechnermusste kürzlich zum zweiten Mal in diesem Jahr die Umsatzprognose zurücknehmen. Außerdeme war der Aktienkurs binnen zölf Monaten um 35 Prozent eingebrochen.

Mit welchen Problemen kämpft Lindt & Sprüngli?

Wegen der stark gestiegenen Kakaopreise hatte Lindt seine Verkaufspreise im ersten Halbjahr 2026 im Schnitt um 11,8 Prozent angehoben. Doch diesmal zogen die Konsumenten nicht mit, die Verkaufsmengen gingen zurück.

Was ist das Besondere an der Dividende von Lindt & Sprüngli?

Lindt & Sprüngli zahlt eine sogenante Naturaldividende aus: Jedes jahr nach der Hauptversammlung im April erhalten Aktionäre der Namensaktie (ISIN CH0010570759) einen Schokoladenkoffer mit Produkten aus dem Lindt-Sortiment. Der Wert der enthaltenen Ware wurde zuletzt auf 180 bis 400 Schweizer Franken geschätzt. Wer persönlich zur Hauptversammlung in Zürich erscheint, kann seinen Schokoladenkoffer direkt vor Ort mitnehmen. Eine postalische Zusendung ist in der Regel nur für Aktionäre mit einer Schweizer Adresse möglich, nach Deutschland wird der Koffer nicht verschickt.