Computergesteuerte Handelsstrategien stehen in der kommenden Woche vor großen Verkäufen, selbst wenn der Markt nicht fällt. Wo die Bank of America die größte Gefahr sieht.

Zum Jahresende hoffen viele Anleger auf die traditionelle Jahresendrally. Doch ausgerechnet jetzt warnt die Bank of America (BofA) laut US-Medienberichten vor einer Verkaufswelle bei Aktien. Das Institut erwartet, dass systematische Handelsstrategien in der kommenden Woche in jedem Szenario Aktien verkaufen werden, auch wenn sich der Markt seitwärts bewegt. Dazu zählen vor allem trendfolgende Fonds, sogenannte CTAs (Commodity Trading Advisors), sowie Volatilitätskontrollstrategien.

Die globale systematische Aktienposition ist nach den Verkäufen der Vorwoche auf rund 313 Milliarden US-Dollar gefallen. Das liegt nahe dem Fünfjahresmedian von etwa 315 Milliarden US-Dollar. Für die BofA ist das ein Zeichen, dass sich die Verkäufe ausweiten könnten. Technologiewerte stehen unter Druck, und die Preistrends dürften an den meisten Börsen schwächer werden. Die CTAs gehen damit in eine breitere Verkaufsphase.

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Bank of America warnt vor Verkaufswelle: Drei Szenarien

Die BofA rechnet je nach Marktentwicklung mit unterschiedlich hohen Nettoverkäufen:

- Fallende Kurse: Die Verkäufe könnten rund 79 Mrd. US-Dollar erreichen. Davon entfallen etwa 50 Mrd. US-Dollar auf CTAs.

- Seitwärts: Auch ohne Kursverluste rechnet BofA mit Nettoverkäufen von etwa 48 Mrd. US-Dollar. Der Grund: Die Verkäufe von CTAs und Volatilitätskontrollstrategien übersteigen die moderaten Käufe von Risk-Parity-Strategien.

- Starke Erholung: Selbst bei einer kräftigen Rally erwarten die Analysten Nettoabflüsse von rund 1 Mrd. US-Dollar. Die Volatilitätskontrollstrategien verkaufen dann mehr, als CTAs und Risk-Parity-Strategien zukaufen.

Weiterführende Links

Verkaufswelle könnte S&P 500 und Nasdaq-100 massiv treffen

Vor allem der S&P 500 steht unter Beobachtung, denn: Am S&P-500-Future, einem Vertrag, mit dem Anleger auf die Entwicklung des amerikanischen Leitindex setzen, sind die CTA-Modelle noch klar positioniert. Sie setzen auf steigende Kurse, und zwar über alle drei Zeiträume, die sie auswerten: kurzfristig, mittelfristig und langfristig. Die BofA nennt diese Position fragil. Denn der Abstand zum nächsten Verkaufssignal ist sehr klein geworden.

Der erste Auslöser liegt nur 0,5 Prozent unter dem aktuellen Stand des S&P 500. Eine Woche zuvor betrug dieser Abstand noch rund 1,1 Prozent. Fällt der Index um diesen Wert, drehen die Signale der Modelle, und die Programme beginnen zu verkaufen. Die Verkäufe könnten dann weitere Kursrückgänge auslösen, die wiederum weitere Verkäufe nach sich ziehen. Man spricht von einem sich selbst verstärkenden Prozess.

Beim Nasdaq-100, dem Index der großen Technologiewerte, liegt der Auslöser noch enger, bei rund 0,2 Prozent. Dort würde schon ein kleiner Rückgang reichen.

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Infront S&P 500 (WKN: A0AET0)

Was heißt das für Anleger?

Die BofA-Analyse selbst gibt keine Handlungsempfehlung. Ob sich die Warnung der Bank bewahrheitet, hängt davon ab, ob der S&P 500 die nahe Marke unterschreitet. Anleger sollten deshalb die Kursmarken im Auge behalten.

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Häufige Fragen

Was ist ein CTA-Fonds? 

CTA steht für Commodity Trading Advisor. Dahinter stehen Fonds, die nach festen Computerregeln handeln. Sie kaufen Papiere, deren Kurse über einen längeren Zeitraum steigen, und verkaufen, wenn die Kurse fallen. Sie treffen ihre Entscheidungen also nicht aufgrund von Unternehmenszahlen, sondern allein anhand des Kursverlaufs.

Warum kann ein Verkaufssignal den Markt noch weiter nach unten drücken? 

Wenn viele Programme gleichzeitig verkaufen, steigt das Angebot an Aktien, und die Kurse fallen. Dieser Rückgang löst bei anderen Modellen neue Verkaufssignale aus. Dadurch kann eine kleine Bewegung größer werden, als sie auf den ersten Blick wirkt.

Muss ich jetzt meine Aktien verkaufen? 

Nicht unbedingt. Die Warnung beschreibt eine kurzfristige Handelsdynamik und ist keine Anlageempfehlung. Wie man sich verhält, hängt von der eigenen Lage ab, vor allem vom Anlagehorizont und davon, wie viele Kursschwankungen man aushält. Wer unsicher ist, kann sich von einem unabhängigen Finanzberater beraten lassen.

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