Kaum hat der Markt SpaceX verdaut, steht der nächste Giga-Börsengang an. Das IPO des KI-Pioniers Anthropic sprengt womöglich alle Dimensionen. Diskutiert wird eine Notierung in einer Größenordnung, die den Tech-Markt auf den Kopf stellen könnte.

Der KI-Boom sprengt inzwischen alle bisher gekannten Größenordnungen. Anthropic plant für den Herbst offenbar einen Börsengang, der sogar das Rekord-IPO von SpaceX erreichen oder übertreffen könnte. Das zeigt, wie rasant sich gerade die Machtverhältnisse im Silicon Valley verschieben. Wer heute ganz vorne in der KI mitspielt, kann in kürzester Zeit Bewertungen, Finanzierungen und bald womöglich auch Börsengänge in bisher unvorstellbare Größenordnungen treiben.

Immer auf dem Laufenden bleiben: Jetzt die BÖRSE ONLINE-App für Android (oder hier für iOS) herunterladen und unter "Einstellungen" die Benachrichtigungen aktivieren.

Aktien für mehr als 75 Milliarden Dollar?

Nach einer Meldung der Nachrichtenagentur Bloomberg arbeitet Anthropic an den Daten für sein mögliches Mega-IPO. Laut dem Bericht könnte das Unternehmen die Unterlagen noch Ende des Monats öffentlich einreichen. Damit würde ein Börsengang schon im September möglich. Das Unternehmen will dabei dem Vernehmen nach mindestens in die Nähe von SpaceX kommen. Nicht von der Gesamtbewertung, aber zumindest was das Emissionsvolumen betrifft.

SpaceX hatte bei seiner Neuemission 75 Milliarden US-Dollar eingenommen, inklusive Mehrzuteilungsoption (Greenshoe) am Ende sogar 86,2 Milliarden US-Dollar. Anthropic strebt nun eine ähnliche Größenordnung an.

SpaceX (WKN: A42D4F)

Weiterführende Links

Der Markt zahlt jeden Preis für KI-Fantasie

Dass ein solches Volumen überhaupt denkbar ist, liegt an der jüngsten Entwicklung des Unternehmens. Anthropic hat im Mai bereits 65 Milliarden US-Dollar bei einer Bewertung von 965 Milliarden US-Dollar eingesammelt. Gleichzeitig wächst das Unternehmen rasant: Der vorläufige Quartalsumsatz sprang laut Bloomberg zuletzt auf mehr als 11,5 Milliarden US-Dollar, nach gerade mal 787 Millionen US-Dollar im Vorjahresquartal.

Noch beeindruckender ist der hochgerechnete Jahresumsatz: Bis Ende Juli lag er laut Bloomberg bereits bei 65 Milliarden US-Dollar. Das ist für ein junges KI-Unternehmen eine Größenordnung, die selbst viele Börsenprofis schlucken lässt. Die Summe entspricht ungefähr dem Jahresumsatz des deutschen Chemeriesen BASF.

Vor dem IPO noch eine Kreditspritze?

So spektakulär die Umsatzentwicklung auch ist, so heftig schlagen auch die Kosten zu Buche. Anthropic und seine Rivalen brauchen gigantische Rechenleistung, um sogenannte Frontier-Modelle zu trainieren. Allein ein Deal mit SpaceX über Rechenkapazitäten könnte sich über drei Jahre auf einen zweistelligen Milliardenbetrag summieren.

Dazu kommt: Das Unternehmen verdient zwar operativ bereits besser als OpenAI, schrieb 2025 aber dennoch einen Nettoverlust von fast 42 Milliarden US-Dollar. Das zeigt, wie teuer der KI-Kampf ist. Wachstum und Kapitalbedarf laufen hier im Gleichschritt. Der Break-even ist bisher nicht absehbar.

Und so wird Anthropic vermutlich noch vor dem Börsengang eine neue Geldspritze benötigen. Die Rede ist von einer Kreditlinie über mehr als zehn Milliarden Dollar. Die sollen Gerüchten zufolge ausgerechnet die Konsortialbanken bereitstellen, die den Börsengang begleiten werden: Morgan Stanley, Goldman Sachs und JPMorgan.

Unschönes Detail: Nach dem Vorbild von Elon Musk bei SpaceX erwägt wohl auch Anthropic Super-Voting-Aktien, die CEO Dario Amodei und den Gründern dauerhaft mehr Kontrolle sichern. Das dürfte Investoren zwar nicht abschrecken, solange die Wachstumsgeschichte stimmt. Aber es zeigt, nach welchen Regeln KI-Welt ihre Macht vorzugsweise absichert.

Zu teuer oder viel zu günstig?

Anthropic könnte zum nächsten Symbol dafür werden, wie extrem die Bewertungen im KI-Markt inzwischen ausfallen. Ein IPO auf SpaceX-Niveau wäre ein weiterer Beweis dafür, dass die Tech-Giganten derzeit ihre eigene Börsenliga schaffen.

Trotzdem kann es sich kaum ein Anleger leisten, den Börsengang zu ignorieren. Wenn Anthropic und seine Partner wirklich die Infrastruktur für die nächste Dekade bauen, ist selbst diese Bewertung womöglich noch viel zu niedrig.

Alle KI-Champions in einem Korb

Mit dem „Künstliche Intelligenz-Index“ von BÖRSE ONLINE investieren Sie gleichzeitig in 17 führende Treiber des KI-Booms. Hier mehr erfahren.

Hinweis auf Interessenkonflikte:
Der Preis der Finanzinstrumente wird von einem Index als Basiswert abgeleitet. Die Börsenmedien AG hat diesen Index entwickelt und hält die Rechte hieran. Mit dem Emittenten der dargestellten Wertpapiere hat die Börsenmedien AG eine Kooperationsvereinba-rung geschlossen, wonach sie dem Emittenten eine Lizenz zur Verwendung des Index erteilt. Die Börsenmedien AG erhält insoweit von dem Emittenten Vergütungen.

Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: SpaceX.