Eine bislang unbekannte Aktie ermöglicht schon vor dem IPO eine Beteiligung an Anthropic und OpenAI – auch für Kleinanleger. Doch hat die Sache einen Haken?

Mehr als 10.000 Prozent Rendite machte Alphabet mit seiner frühen Beteiligung an SpaceX. Aus einem Investment von 900 Millionen US-Dollar im Jahr 2015 wurden bis Ende Juni 2026 Anteile im Wert von rund 94 Milliarden US-Dollar. Solche astronomischen Renditen bei privaten Technologieunternehmen waren lange Zeit fast ausschließlich Großinvestoren vorbehalten. Das Unternehmen Destiny Tech100 verspricht nun, dass auch Kleinanleger in Anthropic, OpenAI und andere private Firmen investieren können – noch bevor diese an die Börse gehen. Die Hoffnung: Schon vor dem IPO von enormen Wertsteigerungen profitieren. Doch wie realistisch ist der Traum vom vermeintlich leicht verdienten Geld wirklich?

Was ist Destiny Tech100?

Destiny Tech100 ist eine seit 2024 börsennotierte Beteiligungsgesellschaft mit einer Marktkapitalisierung von rund 800 Millionen US-Dollar (Stand: 10. August 2026). Ziel der Gesellschaft ist es, ein Portfolio aus langfristig 100 wachstumsstarken, überwiegend noch nicht börsennotierten Technologieunternehmen aufzubauen. Derzeit besitzt das Unternehmen direkt oder indirekt Beteiligungen an 36 Unternehmen, darunter Anthropic, OpenAI, SpaceX, Databricks und Revolut.

Das Grundprinzip klingt einfach: Kleinanleger können Aktien von Destiny Tech100 erwerben und damit indirekt von der Wertsteigerung von Anthropic und Co. profitieren.

Operativ tätig ist Destiny Tech100 nicht und erwirtschaftet daher auch keine laufenden Umsätze. Der Wert des Unternehmens definiert sich nahezu ausschließlich über die direkten und indirekten Beteiligungen.

Zusammensetzung der Beteiligungen und Vermögenswerte

Dem SEC-Bericht zum 31. März 2026 zufolge hält Destiny Tech100 private Beteiligungen im Wert von rund 508 Millionen US-Dollar. Davon entfallen 134 Millionen US-Dollar auf Anthropic, 107 Millionen US-Dollar auf SpaceX und 43 Millionen US-Dollar auf OpenAI.

Zudem hält die Beteiligungsgesellschaft rund 233 Millionen US-Dollar Cash. Addiert man diesen Betrag zu den Beteiligungen, ergeben sich Vermögenswerte in Höhe von rund 742 Millionen US-Dollar.

Damit ist die Aktie gemessen an der aktuellen Marktkapitalisierung rund sieben bis acht Prozent teurer als das ausgewiesene Nettovermögen zum 31. März.

Wichtig: Insbesondere Anthropic wird mittlerweile deutlich höher bewertet als noch Ende März. Daher könnten die Vermögenswerte der Beteiligungsgesellschaft inzwischen sogar höher sein als ihre Marktkapitalisierung. Gemessen am KBV – einer zentralen Kennzahl des Value-Investing – könnte die Aktie daher unterbewertet sein. Doch dem stehen einige nicht unerhebliche Risiken gegenüber.

Intransparenz als größtes Risiko

Auf den ersten Blick scheint klar zu sein, in welche Unternehmen Destiny Tech100 investiert. Auf der Website wird sogar eine entsprechende Liste veröffentlicht.

Bei genauerer Betrachtung kommen jedoch schnell viele Fragen auf: Über 80 Prozent der „Beteiligungen“ werden nicht direkt gehalten, sondern über sogenannte Special Purpose Vehicles (SPVs).

Ein SPV ist vereinfacht gesagt eine eigens für eine bestimmte Investition gegründete Zwischengesellschaft. Destiny Tech100 kauft also nicht direkt Aktien von Anthropic und Co., sondern Anteile an einem solchen Investmentvehikel. Das SPV hält anschließend entweder selbst die Aktien des Zielunternehmens oder investiert wiederum über weitere SPVs. Destiny Tech100 erhält dadurch eine wirtschaftliche Beteiligung an der Wertentwicklung des Unternehmens, besitzt die zugrunde liegenden Aktien jedoch nicht immer selbst.

Genau dieses Vorgehen ist auch einer der größten Kritikpunkte: Je mehr dieser SPVs involviert sind, desto unübersichtlicher und intransparenter wird die Struktur. Die SEC-Unterlagen legen nicht die vollständige Struktur aller darunterliegenden Vehikel, Vertragspartner und Verträge offen. Dadurch ist für einen außenstehenden Anleger nur schwer feststellbar, wer am Ende tatsächlich welche Anthropic-Aktien besitzt und welchen konkreten rechtlichen Anspruch Destiny Tech100 darauf hat.

Einige Unternehmen wie Anthropic wollen Investitionen über SPVs sogar komplett unterbinden, wodurch zusätzliche Unsicherheit entsteht.

Illiquidität der Anteile

Neben der Intransparenz der Beteiligungsstrukturen ist die Illiquidität der Anteile eines der größten Risiken – und zwar auch nach einem Börsengang.

Der Grund: Destiny Tech100 hält nach einem Börsengang von Anthropic nicht automatisch frei handelbare Anthropic-Aktien, sondern weiterhin lediglich Anteile am jeweiligen SPV. Dieses müsste zunächst die zugrunde liegenden Aktien verkaufen und die Erlöse anschließend an Destiny Tech100 ausschütten.

Das ist in der Praxis jedoch nicht immer ganz einfach. Zum einen hat Destiny Tech100 keine direkte Kontrolle über die SPVs. Zum anderen könnten für die SPVs bestimmte Lock-up-Fristen gelten, innerhalb derer sie ihre Anthropic-Anteile nicht verkaufen dürfen. Wenn diese Fristen abgelaufen sind, könnte die Aktie jedoch bereits deutlich gefallen sein, wie es nach großen IPOs immer wieder vorkommt. Auch die konkreten rechtlichen Verkaufsbedingungen sind für Außenstehende nur schwer nachvollziehbar.

Fazit: Die Risiken überwiegen

Trotz der grundsätzlich interessanten Idee, private Unternehmen auch für Kleinanleger investierbar zu machen, überwiegen aus unserer Sicht die Risiken deutlich. Die Beteiligungsstrukturen sind sehr intransparent und Lock-up-Fristen sowie andere rechtliche Hürden könnten den Verkauf der Anteile erschweren oder verzögern. Ganz davon abgesehen ist die jährliche Managementgebühr in Höhe von 2,5 Prozent nicht gerade ein Schnäppchen.

Am besten können Anleger von den großen IPOs von Anthropic und OpenAI profitieren, indem sie Aktien der großen Anteilseigner wie Alphabet, Amazon oder Microsoft halten. Durch ihr starkes Kerngeschäft sind diese Unternehmen deutlich stabiler als undurchsichtige Beteiligungsgesellschaften. Zudem profitieren die Hyperscaler nicht nur von einem steigenden Wert ihrer Beteiligungen, sondern auch von der hohen Nachfrage nach KI-Rechenleistung durch diese Unternehmen.

Wer direkt in Anthropic oder OpenAI investieren möchte, muss zunächst den Börsengang abwarten. Nach der ersten Euphorie kommt es bei vielen IPOs jedoch zu deutlichen Rücksetzern, wodurch Geduld die bessere Strategie sein könnte.

Weiterführende Links

Häufig gestellte Fragen:

Was ist Destiny Tech100?

Destiny Tech100 ist eine börsennotierte Beteiligungsgesellschaft, die in überwiegend private Technologieunternehmen wie Anthropic, OpenAI und SpaceX investiert. 

Kann ich als Privatperson in Anthropic investieren?

Direkt können Privatanleger derzeit keine Anthropic-Aktien an der Börse kaufen. Eine indirekte Beteiligung ist jedoch beispielsweise über Beteiligungsgesellschaften wie Destiny Tech100 oder über große Anthropic-Investoren möglich.

Wie können Anleger von Anthropic profitieren?

Eine Möglichkeit ist Amazon: Der Konzern ist ein großer Investor und Cloud-Partner von Anthropic. Anleger können dadurch sowohl indirekt von einer steigenden Bewertung Anthropics als auch von der wachsenden Nachfrage nach KI-Rechenleistung über AWS profitieren.