Hedgefonds-Manager David Einhorn, der schon den Lehman-Kollaps voraussah, warnt nach dem SpaceX-Börsengang: Die 1,75-Billionen-Dollar-Bewertung könnte ein Zeichen für einen Spekulationsgipfel am Markt sein. 

Als Lehman Brothers 2008 in die größte Unternehmenspleite der US-Geschichte stürzte, hatte David Einhorn schon seine Wette dagegen platziert. Der Gründer von Greenlight Capital hatte die Schwächen der Investmentbank früh erkannt – und damit seinen Ruf als einer der scharfsinnigsten Investoren der Wall Street begründet. Nun richtet er seinen kritischen Blick auf den neuen Börsenmegastar: SpaceX.

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Einhorn wettert gegen SpaceX-IPO: „Beleidigung für das Value-Investing"

In seinem Quartalsbrief an Investoren, der US-Medien vorliegt, stellt Einhorn die hohe Bewertung des Raumfahrtunternehmens nach seinem historischen Börsengang im Juni infrage. „Was die 1,75-Billionen-Dollar-Bewertung beim IPO betrifft: Wir wissen nicht, ob man sie am besten als ‚Meme-ifizierung' des Marktes im großen Maßstab beschreiben sollte, als neuesten Beweis dafür, dass die Märkte ‚kaputt' sind, als bemerkenswerte Manipulation des IPO-Prozesses – oder schlicht als weitere Beleidigung für das Value-Investing", schreibt er.

Dazu schildert Einhorn eine Anekdote: Im Gespräch mit einem namhaften SpaceX-Aktionär habe dieser prognostiziert, das Unternehmen werde langfristig einen jährlichen Umsatz von einer Billion Dollar erzielen – und das mit hohen Margen. Einhorn hakte nach: Eine Billion Dollar würde den Jahresumsatz von Amazon oder Walmart übersteigen. Die Antwort des Investors? Keine sachliche Erklärung – stattdessen eine Tirade gegen Leerverkäufer. In einer Fußnote merkt Einhorn an, der Investor habe offenbar eine Prognose von SpaceX-Gründer Elon Musk wiederholt.

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SpaceX: Die Zahlen enttäuschen Anleger

SpaceX ist aktuell von der Billionen-Umsatzmarke meilenweit entfernt. So gab es im vergangenen Quartal Erlöse von 7,8 Milliarden Dollar (6,75 Mrd. Euro) – nach einem Zuwachs von 92 Prozent im Jahresvergleich. Musk zufolge soll das explosive Wachstum vor allem aus dem Geschäft mit Künstlicher Intelligenz kommen. Im vergangenen Quartal machte die KI-Sparte 2,56 Milliarden Dollar Umsatz – und investierte 15,8 Milliarden Dollar vor allem in den Ausbau von Rechenzentren.

Die Aktie des Raumfahrtgiganten ist dabei weiter auf Talfahrt und notiert momentan bei etwa 116 US-Dollar – weit unter dem Ausgabepreis von 135 Dollar, den sie schon im Juli unterschritt. Anleger nahmen es dem Tech-Milliardär Elon Musk wohl nicht mehr ab, dass er für seine Weltraum- und KI-Firma die Marke von einer Billion US-Dollar Jahresumsatz schon für 2030 und nicht erst für 2031 in Aussicht stellte.

SpaceX (WKN: A42D4F)

Einhorn: Ratingagenturen zu nachsichtig gegenüber SpaceX

An den Zahlen stört sich auch Einhorn. Ihm zufolge sind die großen Ratingagenturen – alle haben SpaceX mit Investment-Grade bewertet – zu nachsichtig gegenüber SpaceX. Einhorn zufolge konnte sein Unternehmen Greenlight kein einziges anderes Unternehmen finden, das ein Investment-Grade-Rating erhielt, während es für mehrere Jahre negativen freien Cashflow prognostiziert – ohne jemals positiven freien Cashflow vorgewiesen zu haben.

Er hält den SpaceX-IPO für ein historisches Ereignis – aber anders, als Anleger sich das vielleicht wünschen würden: „Unser Gefühl ist, dass dieser Börsengang etwas sein könnte, auf das wir eines Tages als Marker zurückblicken werden – als Zeichen, dass ein großes spekulatives Top nahe war", schlussfolgert er.

Weiterführende Links

SpaceX: Viele Analysten bleiben bullisch

Währenddessen bleiben aber viele Analysten weiter bullisch: Das US-Analysehaus Bernstein Research hat das Kursziel für SpaceX von 239 auf 248 US-Dollar angehoben und die Einstufung auf „Outperform" belassen. Die Fortschritte mit dem Großraketenprojekt Starship überlagerten bei dem Weltraumkonzern die Sorgen rund um vorgesehene Investitionen, schrieb Douglas S. Harned in einer am Donnerstag vorliegenden Studie.

Und auch die US-Bank JPMorgan hat das Kursziel für SpaceX nach Zahlen zum zweiten Quartal von 225 auf 240 US-Dollar angehoben und die Einstufung auf „Overweight" belassen. Die ersten Resultate der Weltraum- und KI-Firma nach deren Börsengang seien stark ausgefallen, schrieb Doug Anmuth am Mittwoch. Das Unternehmen profitiere weiterhin von einer extremen vertikalen Integration der Geschäftsprozesse, und das Tempo der Veränderungen im Bereich KI sei unglaublich hoch.

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Enthält Material von dpa-AFX

Häufige Fragen

Warum kritisiert David Einhorn den SpaceX-Börsengang? 

Einhorn hält die Bewertung von 1,75 Billionen Dollar für nicht gerechtfertigt. Er sieht die Bewertung losgelöst von klassischen Kennzahlen und wertet den Hype als mögliches Zeichen für einen spekulativen Höhepunkt am Gesamtmarkt.

Was bedeutet das Investment-Grade-Rating für SpaceX?

Moody's stuft SpaceX trotz prognostizierter Jahre mit negativem freien Cashflow als kreditwürdig ein. Einhorn hält das für beispiellos und sieht darin einen weiteren Beleg dafür, dass traditionelle Bewertungsmaßstäbe am Markt zunehmend ausgehebelt werden.

Was sagen Analysten zur SpaceX-Aktie? 

Viele Wall-Street-Analysten sind optimistisch: Bernstein Research hat das Kursziel auf 248 US-Dollar angehoben und die Einstufung „Outperform" bestätigt – mit Verweis auf die Fortschritte beim Starship-Programm. JPMorgan erhöhte das Kursziel ebenfalls auf 240 US-Dollar und bewertet die Aktie weiter mit „Overweight". Die Bank hebt die starken Quartalszahlen nach dem Börsengang sowie die tiefe vertikale Integration des Unternehmens als Stärken hervor. 

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Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: SpaceX.

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