Der Chiphersteller Broadcom hat den hohen Erwartungen der Börsianer nicht stand halten können. Hier sind die Zahlen, die der Konzern, der unter anderem KI-Chips für Google herstellt, am Mittwochabend nach Börsenschluss in den USA (22 Uhr) für das abgelaufene 2.Quartal meldete.
Fast alle großen Tech-Konzerne haben bereits Zahlen für das zweite Jahresquartal vorgelegt – bis auf zwei: Oracle und Broadcom. Während Oracle erst am 10. Juni Zahlen meldet, gab Broadcom am Mittwochabend (3. Juni), nach Börsenschluss in den USA sein Zahlenwerk bekannt - und verfehlte die hochgesteckten Erwartungen. Obwohl Broadcoms Zahlen weitgehend "in line" waren, fiel die Aktie nachbörslich um fast sechs Prozent.
Broadcom (Börsenkürzel: AVGO) ist einer der weltgrößten Halbleiter- und Infrastruktursoftware-Konzerne und liefert das technologische Rückgrat für Rechenzentren, Cloud-Speicher und die drahtlose Kommunikation. Dazu hält Broadcom zahlreiche Patente, unter anderem auf USB- und Ethernet-Verbindungen und andere Kommunikations-Protokolle, die für Datenübertragungen wichtig sind.
Das sind die Broadcom-Zahlen für das 2. Quartal
• Gewinn je Aktie (bereinigt): 2,44 US-Dollar (erwartet wurden 2,39 US-Dollar)
• Nettoumsatz (bereinigt): 22,19 Milliarden US-Dollar (gegenüber geschätzten 22,27 Milliarden Dollar)
• EBITDA (bereinigt): 15,244 Milliarden US-Dollar (erwartet wurden 14,96 Milliarden US-Dollar)
(in Klammern der Vergleich zum Analystenkonsens laut Bloomberg)
Analysten zufolge enttäuschte dabei weniger der Gesamtumsatz von Broadcom, der quasi auf dem Niveau der Erwartungen lag, sondern der Umsatz in der Teildisziplin "Software". Über seine Tochter VM Ware vertreibt Broadcom auch Unternehmenssoftware. In diesem Segment meldete Broadcom einen Umsatz von 7,18 Milliarden US-Dollar, was einem Anstieg von neun Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Die Zahl liegt jedoch unter den Erwartungen der Analysten, die laut Bloomberg bei 7,23 Milliarden US-Dollar gelegen hatten, die von StreetAccount befragten Analysten hattten sogar mit 7,32 Milliarden US-Dollar gerechnet.
Doch es gab auch gute Nachrichten: Der KI-Umsatz hat sich im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf 10,8 Milliarden US-Dollar mehr als verdoppelt. Dazu zählt Broadcom firmeneigene KI-Chips für Google & Co. sowie weitere Komponenten, um diese zu vernetzen. CEO Hock Tan erklärte, er rechne damit, dass sich der KI-Umsatz im laufenden Quartal auf 16 Milliarden US-Dollar verdreifachen werde.
Außerdem meldete Broadcom einen Umsatzanstieg auf 15,1 Milliarden US-Dollar im Bereich Halbleiterlösungen, zu dem neben KI-Beschleunigern und Netzwerkkomponenten auch WLAN-Chips gehören. Dieser Umsatz übertraf die Analystenschätzungen in Höhe von 14,65 Milliarden US-Dollar (laut Bloomberg) deutlich.
Ausblick auf das 3. Quartal 2026
• Umsatzprognose: 29,4 Milliaren US-Dollar (gegenüber erwarteten 28,61 Milliarden US-Dollar)
• EBITDA-Prognose: 19,99 Milliarden US-Dollar (gegenüber erwarteten 20,04 Milliarden US-Dollar)
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Häufige Fragen zum Thema
Womit verdient Broadcom so viel Geld?
Das Geschäft besteht aus zwei Hauptsäulen: Halbleiter (Chips) und Infrastruktur-Software. Broadcom entwickelt hochkomplexe Spezialchips (ASICs) und Netzwerkkomponenten, die in Rechenzentren, Smartphones und Routern eingesetzt werden. Der Konzern ist damit ein wichtiger Partner für Technologiegiganten wie Google und Meta, für die Broadcom unter anderem den von Google entwickelten Tensor-Prozessor für bereits trainierte KI-Modelle baut. Dadurch ist Broadcom einer der größten Profiteure des KI-Booms. In die Infrastruktur-Software stiegt Broadcom vor Jahren durch die Übernahme von VMware ein und bietet dort Cloud-Lösungen und IT-Verwaltungssoftware an.
Warum trägt Broadcom das Börsenkürzel "AVGO"?
Broadcom entstand aus einer Ausgründung von Hewlett-Packard und ging ursprünglich unter den Namen Avago Technologies an die Börse. Daher stammt das Kürzel AVGO. Im Jahr 2016 kaufte Avago Technologies das größere Unternehmen Broadcom Corporation. Nach der Fusion behielt Avago Technologies zunächst das Börsenkürzel bei, benannte sich aber selbst in Broadcom um, weil dieser Name in der Halbleiterbranche bekannter und etablierter war.
Was macht Broadcom im KI-Boom so besonders?
Statt universell einsetzbarer Grafikchips (GPU) zu entwickeln, wie sie Nvidia anbietet, baut Broadcom maßgeschneiderte Prozessoren. Sie sind exakt auf die spezifischen Algorithmen der jeweiligen Großkunden optimiert, was sie extrem leistungsstark und kosteneffizient macht. Technik-Journalisten berichten, dass Broadcoms KI-Hardware zudem oft deutlich weniger Strom verbraucht als herkömmliche GPUs. In Zeiten stark steigender Energiekosten in riesigen Rechenzentren ist das ein massiver Wettbewerbsvorteil. Und zum Dritten liefert Broadcom auch noch die Netzwerkinfrastruktur: Für das Training riesiger Sprachmodelle müssen Tausende von Chips reibungslos miteinandser kommunizieren. Broadcom dominiert den Markt für sogenannte AI-Ethernet-Switches, die den blitzschnellen Datentransfer in diesen Rechenzentren erst möglich machen.
Im Gegensatz zu reinen Chip-Herstellern verfügt Broadcom also über ein extrem diversifiziertes und margenstarkes Portfolio, zu dem auch wichtige Infrastruktursoftware (wie VMware) gehört. Deshalb sehen viele Experten in dem Konzern den zweiten großen Infrastruktur-Gewinner der Künstlichen Intelligenz neben Nvidia. Dabei könnte Broadcom in die Hände spielen, dass viele große Cloud-Anbieter ihre Abhängigkeit von Nvidia verringern wollen.