Unicredit soll bei der Commerzbank inzwischen Zugriff auf 55,6 Prozent der Stimmrechte haben, berichten italienische Medien. Gerüchten zufolge könnte der Einfluss sogar noch größer sein.

Unicredit könnte mit der Übernahme der Commerzbank schon deutlich weiter sein als öffentlich kommuniziert. Laut dem Webportal von "Il Giornale d’Italia" soll die italienische Großbank inzwischen eine Schwelle von fast 60 Prozent erreicht haben. Offiziell habe Unicredit zuletzt 55,6 Prozent der Stimmrechte gemeldet, berichtet das Blatt. Diese Information ist aber auf der Website von Unicredit bislang nicht zu finden. Mittlerweile berichtet auch das Portal "Milano Finanza" über die Quote von 55,6 Prozent.

Zugleich verweist das Blatt auf Gerüchte aus dem Markt, wonach der Anteil von Andrea Orcels Institut bereits bei rund 60 Prozent liegen könnte.

Eingriffe ins Management möglich

Bereits die am Dienstag gemeldete Annahmequote hatte gezeigt, wie nahe Unicredit bereits vorgerückt ist: Demnach wurden den Italienern bis Dienstagmittag 12,41 Prozent des Kapitals angedient. Hinzu kommen die von der Bank direkt gehaltenen 26,77 Prozent sowie laut Il Giornale d’Italia weitere 16,41 Prozent über Finanzinstrumente. Damit ergaben sich 39,18 Prozent auf Aktienbasis und 42,4 Prozent inklusive wandelbarer Instrumente mit physischer Erfüllung. Diese Zahlen stammen ebenfalls aus der Berichterstattung von Il Giornale d’Italia.

Das Unicredit-Management versucht derweil, die Debatte zu relativieren, dass man erst ab einer 75-Prozent-Mehrheit etwas bei der Commerzbank bewegen könne. Für Eingriffe in Aufsichtsrat und Vorstand sei eine solche Hürde nach ihrer Lesart nicht nötig. Die 75-Prozent-Schwelle werde erst relevant, wenn es um eine spätere Fusion gehe.

Commerzbank (WKN: CBK100)

Börse gewährt bereits Aufschlag – Angebot wird verlängert

Auch die Börse scheint die neuen Kräfteverhältnisse nun zu akzeptieren: Seit Dienstag notiert das Angebot rechnerisch mit einem Aufschlag auf den Commerzbank-Kurs. Am Mittwoch betrug die Prämie zeitweise mehr als vier Prozent, mittlerweile sind es zwei Prozent. 

Für Anleger bleibt nun entscheidend, ob aus der schrittweisen Annäherung bald tatsächliche Kontrolle wird. Laut Il Giornale d’Italia wird Unicredit dazu das Angebot verlängern und vom 20. Juni an eine Nachfrist bis zum 3. Juli setzen. Die endgültigen Ergebnisse sollen demnach am 8. Juli folgen.

Ziel-Schwelle 51 Prozent

Der eigentliche Wendepunkt wäre die Erreichung der 51-Prozent-Marke gemessen am Aktienbesitz. Sollte Unicredit diese Schwelle überschreiten, könnte Commerzbank voll konsolidiert werden. Bleibt die Quote darunter, hätte die Bank dennoch erheblichen Spielraum für weitere Käufe am Markt. Genau diese Mischung aus Finanzlogik, Regulierung und Politik macht den Fall so heikel. Unicredit hat sich bei der Commerzbank nach Einschätzung von Il Giornale d’Italia jedenfalls eine Position erarbeitet, die nun einen echten Einfluss ermöglicht.

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Häufige Fragen zum Thema

Wie viel bietet Unicredit für die Commerzbank?

Unicredit bietet 0,485 eigene Aktien je Commerzbank-Aktie. Eine Barkomponente gibt es nicht. Deshalb schwankt der Angebotspreis täglich mit dem Wert der Unicredit-Aktie.


Warum notierte die Commerzbank-Aktie wochenlang über dem Angebotspreis?

Viele Marktbeobachter und Investoren gingen davon aus, das Unicredit noch einmal nachlegen und das Angebot erhöhen würde , um tatsächlich die Mehrheit an der Commerzbank zu erhalten.


Warum hat Unicredit nicht von vornherein mehr geboten?

Manche Experten glauben, das Unicredit das freiwillige Angebot nur abgegeben hat, um zunächst einmal problemlos über die 30-Prozent-Schwelle zu kommen. Sobald diese Beteilgungshöhe erreicht wird, ist nach deutschem Recht ein Pflichtangebot fällig. Dieses hätte im Fall der Commerzbank höher ausfallen müssen, weil es den Durchschnittskurs in den Wochen vor dem Angebot berücksichtigen muss. Unicredit konnte das Pflichtangebot mit seiner freiwilligen Offerte umgehen.

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