Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp setzt auf Dialog und will mit Unicredit über einen gemeinsamen Weg sprechen. Doch wie verhält sich die Bundesregierung? In den Fokus rückt eine Idee, mit der sie Unicredit heftig ärgern könnte.

Unicredit hat den Übernahmekampf um die Commerzbank praktisch gewonnen. Auch wenn es für die „absolute Mehrheit“ noch nicht reicht, könnten die Italiener mit ihrem Zugriff auf bis zu 47,59 Prozent der Aktien de facto den Kurs der Frankfurter bestimmen, weil sie zum Beispiel auf einer außerordentlichen Hauptversammlung die Präsenz-Mehrheit hätten.

Die Genehmigung der Europäischen Zentralbank steht aber noch aus. Unicredit rechnet damit, die Kontrolle über die zweitgrößte deutsche Privatbank bereits im vierten Quartal dieses Jahres übernehmen zu können.

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Commerzbank-Chefin Orlopp lenkt ein

Auch der Commerzbank-Vorstand scheint die neuen Machtverhältnissen zu akzeptieren. „Es braucht zwischen unseren Häusern einen konstruktiven Dialog für einen wertschaffenden Weg nach vorn“, sagte Vorstandschefin Bettina Orlopp in einem am Freitag bankintern verbreiteten Interview. „Dazu gehört ein gemeinsames Verständnis des Geschäftsmodells und die Einbindung aller Stakeholder.“ Ihr Institut komme mit „der stärksten Commerzbank der Geschichte“ an den Tisch und genieße breiten Rückhalt bei Aufsichtsrat, Bundesregierung und Arbeitnehmern.

„Über die kommenden Wochen und Monate werden Commerzbank und Unicredit Gespräche führen, um Schritt für Schritt festzulegen, wie wir weitermachen“, kündigte Orlopp an. Der Commerzbank-Vorstand werde das im Schulterschluss mit dem Aufsichtsrat, den Arbeitnehmervertretern und „im engen Austausch mit der Bundesregierung“ tun.

Der Plan ist klar: Die Commerzbank versucht, die Bedingungen einer möglichen Unicredit-Kontrolle mitzubestimmen. Je konkreter die Gespräche über Geschäftsmodell, Arbeitsplätze und Standort geführt werden, desto schwieriger dürfte es für Unicredit werden, eine vollständige Übernahme allein als finanzielle Transaktion darzustellen. Und Unicredit-Chef Andrea Orcel weiß, dass der Weg zur Kontrolle der Commerzbank noch politische und strategische Hürden bereithält. Auch wenn die Börse die Unicredit-Aktie schon mit Kursaufschlägen für den Übernameerfolg belohnte.

Unicredit (WKN: A2DJV6)

Sperrminorität könnte Unicredit ausbremsen

Der größte Stolperstein ist die Bundesregierung. Sie hält weiterhin gut zwölf Prozent an der Commerzbank – und könnte diese mit einem strategischen Kniff für sich nutzen. Bereits im Mai hatte es in Berlin Überlegungen gegeben, die Commerzbank-Anteile mit Hilfe der staatlichen KfW-Bank auf eine Sperrminorität von 25 Prozent plus einer Aktie aufzustocken. Das berichtete damals die „Börsen-Zeitung“.

Zuletzt sah es aber nicht so aus, als würde die Regeirung diesen Plan noch verfolgen. Bei seiner Pressekonferenz am 15. Juli sagte Friedrich Merz: „Wir verhindern nicht diese Fusion oder Übernahme. Wir haben auch den Versuch nie unternommen.“ Er betonte: „In der marktwirtschaftlichen Ordnung entscheiden die Eigentümer über die Struktur, die sie gerne haben möchten und nicht die Politik.“ Das klang so, als würde die Regierung allenfalls versuchen, mithilfe ihres Stimmanteils einige Forderungen gegenüber der UniCredit durchzusetzen. Merz elbst bestätigte, dass Gespräche „aus der Bundesregierung heraus mit Herrn Orcel geführt“ werden.

Nun hat jedoch die AfD-Fraktion im Deutschen Bundestag die Idee mit der Sperrminorität wieder aufgegriffen. Ihr finanzpolitischer Sprecher Kay Gottschalk forderte in dieser Woche auf „X“, die Bundesregierung solle ihren Anteil „nicht für laue Versprechen kleinlaut abgeben, sondern stattdessen endlich die Commerzbank zur sicherheitsrelevanten kritischen Infrastruktur erklären und via KfW ihren Anteil an der Commerzbank auf die Sperrminorität von 25 Prozent plus eine Stimme erhöhen“. Das trage der Bedeutung der Bank für den deutschen Mittelstand und den Finanzplatz Frankfurt Rechnung.

Gottschalk schlägt zudem vor, dass die Bundesregierung sich eine sogenannte „Goldene Aktie“ bei der Commerzbank schaffen sollte, um ihre Verhandlungsposition gegenüber den Italienern zu stärken. Schließlich verfüge auch die italienische Regierung bei Unicredit über so eine „Golden Power Rule“, was ihr die Möglichkeit gebe, in die Geschäftspolitik der Unicredit „und damit dann auch der Commerzbank“ hineinzuregieren.

Kann sich der Bund weitere Commerzbank-Aktien leisten?

Um den aktuellen Anteil auf die erforderliche Sperrminorität auszubauen, müsste der Bund 13 Prozent der Commerzbank-Aktien zukaufen. Auf Basis der aktuellen Marktkapitalisierung von 42,5 Milliarden Euro würde das rund 5,5 Milliarden Euro kosten. Das erscheint – trotz der bekannten Haushaltszwänge – zwar teuer, aber machbar.

Mit einer solchen Beteiligung könnte der Bund dann verhindern, dass Unicredit bestimmte grundlegende Strukturmaßnahmen allein durchsetzt und die Commerzbank ähnlich aushöhlt wie einst die HypoVereinsbank. Allerdings wäre eine Aufstockung daher politisch und wirtschaftlich ein ungewöhnlicher Schritt – quasi die Ultima Ratio.

Während Orlopp nun den Dialog mit Unicredit sucht, muss die Bundesregierung sich entscheiden, welche Rolle sie spielen will: eine aktive als wichtiger Minderheitsaktionär mit Vetomacht, was auf eine erneute Konfrontation mit den Italienern hinauslaufen könnte, oder eine passive als stiller, aber zahnloser Verkäufer seines Aktienpakets. Den Erlös daraus könnte der Bundesfinanzminister Lars Klingbeil gut gebrauchen, um Haushaltslöcher zu stopfen. Dafür hätte Unicredit dann freie Hand, etwa für eine Entlassungswelle bei der Commerzbank.

Wie man es dreht und wendet: Keine dieser Optionen ist ohne Kosten.

Was der Plan für Anleger bedeutet

Für die Aktionäre der Commerzbank, die ihre Aktie nicht Unicredit angedient haben, hätte die Idee einer Sperrminorität Charme. Denn wenn der Bund sich entschließt zu kaufen, würde das den Kurs erneut antreiben. Unicredit wiederum müsste entweder selbst mit einem verbesserten Angebot gegenhalten – oder Zugeständnisse machen. Für Aktionäre sind beides gute Gründe, ihre Commerzbank-Aktien erst einmal zu behalten.

All das zeigt: Unicredit-Boss Andrea Orcel steht bei der Übernahme zwar scheinbar schon kurz vor dem Ziel – aber der Marathon um die Commerzbank ist noch lange nicht zu Ende.

Commerzbank (WKN: CBK100)

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Häufige Fragen zum Thema

Was plant die UniCredit bei der Commerzbank?

Die Italiener wollen nach eigenen Angaben versuchen, die Kontrolle über die Commerzbank durchzusetzen und ihre Strategiepläne kurz nach einer EZB-Genehmigung zu verwirklichen. Um dies zu erreichen, wollen sie - falls nötig - eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen.

Wird die Commerzbak mit der HypoVereinsbank fusioniert?

Nicht sofort - aber das ist die klare strategische Maßgabe von Unicredit-Chef Andrea Orcel. Jüngsten Berichten zufolge soll nach einer offiziellen Übernahme der Commerzbank die Fusion mit der HypoVereinsbank spätestens in drei Jahren erfolgen.

Wieviele Anteile an der Commerzbank hält Unicredit?

Unicredit wurden im Zuge ihres freiwilligen Übernahmeangebots für die Commerzbank bis Anfang Juli rund 17,6 Prozent der Commerzbank-Papiere angedient. Zusammen mit den 26,77 Prozent, die die Unicredit schon zuvor hielt, steigt der Anteil damit rechnerisch auf 44,37 Prozent. Zudem haben die Italiener über Kaufoptionen nach eigenen Angaben Zugriff auf weitere 3,22 Prozent der Commerzbank-Aktien und kämen somit auf 47,59 Prozent. Einer Übernahme muss aber noch die Europäische Zentralbank als Aufsichtsbehörde zustimmen.

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Enthält Material von dpa-AFX