Chips stehen beim KI-Boom im Rampenlicht. Doch im Hintergrund profitiert auch eine ganz andere Branche – obwohl sie bei der Kursperformance dem S&P 500 noch deutlich hinterherläuft.

Plus 300 Prozent in fünf Monaten und dann Minus 40 Prozent in nur einem Monat. Wem diese Volatilität wie bei der Micron-Aktie zu heftig ist, für den könnte eine andere, sicherere Branche besser geeignet sein, um vom KI-Boom zu profitieren: Stromversorger. Denn alle Rechenzentren benötigen Unmengen an Strom und der Bedarf wächst rasant. In diesem Artikel stellen wir daher drei Stromversorger vor, die eine interessante Alternative zu den hochvolatilen KI-Momentum-Aktien darstellen könnten.

Stromverbrauch steigt dank KI wieder nach Jahren der Stagnation

Von 2025 bis 2030 soll sich einer Studie der Internationalen Energieagentur zufolge der weltweite Stromverbrauch von Rechenzentren von 485 TWh auf 950 TWh fast verdoppeln. Der Verbrauch der speziell auf KI ausgerichteten Rechenzentren soll sich innerhalb dieser fünf Jahre sogar verdreifachen. 2030 soll KI dann für drei Prozent des weltweiten Stromverbrauchs verantwortlich sein.

Das mag zwar auf den ersten Blick geringfügig erscheinen, jedoch spielt die regionale Konzentration eine wichtige Rolle, da besonders viele Rechenzentren in den USA gebaut werden. Das US Department of Energy schätzt, dass Rechenzentren 2030 für 9,5 bis 15,3 Prozent des gesamten Stromverbrauchs in den USA verantwortlich sein werden. Damit profitieren die amerikanischen Stromversorger deutlich stärker vom KI-Boom als Versorger in vielen anderen Ländern.

Der gesamte weltweite Stromverbrauch soll bis 2030 um 3,6 Prozent pro Jahr wachsen. Das wäre ungefähr 50 Prozent schneller als im vergangenen Jahrzehnt. Neben den Rechenzentren treiben auch Elektroautos, Klimaanlagen, Industrie und Elektrifizierung den Bedarf. Folgende drei Aktien könnten von diesen Trends besonders profitieren.

Duke Energy – der defensive Dauerläufer

Dieser staatlich regulierte Strom- und Gasversorger versorgt rund 8,7 Millionen Stromkunden und 1,6 Millionen Gaskunden in sechs US-Bundesstaaten. Das Unternehmen verdient Geld, indem es auf seine genehmigten Investitionen in Kraftwerke und Netze eine regulierte Rendite erzielt. Damit hängen die Gewinne weniger unmittelbar vom Strompreis ab und sind entsprechend besser planbar.

Bis 2030 erwartet das Management ein jährliches Wachstum des Gewinns je Aktie um fünf bis sieben Prozent. Ab 2028 soll sogar das obere Ende dieser Spanne erreicht werden, wenn Großkunden und KI-Rechenzentren stärker zum Ergebnis beitragen.

Angesichts der hohen Planbarkeit der Gewinne und der mittelfristig guten Wachstumsperspektiven wirkt das Forward-KGV von 17,7 fair und liegt ungefähr im langjährigen Durchschnitt. Zudem ist die Aktie ein attraktiver Dividendenwert mit einer Dividendenrendite von 3,6 Prozent und 18 Jahren in Folge mit Dividendensteigerungen.

Constellation Energy – der größte KI-Profiteur

Mit einer Kursperformance von 612 Prozent seit der Abspaltung von Exelon Anfang 2022 lässt Constellation Energy sogar viele Halbleiteraktien alt aussehen. Das Unternehmen betreibt schwerpunktmäßig Kernkraftwerke und verkauft den erzeugten Strom an Unternehmen und Versorger.

Noch vor wenigen Jahren galten Kernkraftwerke in den USA als unrentabel und zum Sterben verurteilt. Doch 2022 bekam die Branche durch den Inflation Reduction Act wieder Rückenwind: Bis 2032 erhalten US-Kernkraftwerke einen steuerlichen Produktionszuschuss von bis zu 15 US-Dollar je MWh, wenn die erzielten Stromerlöse unter eine bestimmte Schwelle fallen.

Im September 2024 verhalf ein großer Microsoft-Deal der Constellation-Aktie zu einem Kurssprung von 22 Prozent an nur einem Tag. Der Tech-Konzern verpflichtete sich, über 20 Jahre rund 835 MW Leistung abzunehmen. Dafür wurde sogar ein stillgelegter Reaktor wieder in Betrieb genommen. Ein Jahr später schloss der Konzern einen ähnlichen Deal mit Meta über 1.121 MW ab. Kernkraft ist insbesondere für die großen Cloud-Anbieter attraktiv, da sie sehr große Strommengen benötigen, die rund um die Uhr verfügbar sind.

Diese langfristigen Verträge sorgen für eine hohe Planbarkeit: Nach Angaben des Unternehmens ist mittlerweile ein großer Teil der Stromproduktion bis 2050 und darüber hinaus kontrahiert.

Analysten zufolge soll sich der Gewinn je Aktie bis 2030 gegenüber 2026 fast verdoppeln. Damit wirkt ein Forward-KGV von 22,3 nicht übertrieben, auch wenn die Aktie längst kein Schnäppchen mehr ist.

Constellation Energy (WKN: A3DCXB)

Vistra – der Comeback-Kandidat

Vistra betreibt Gas- und Kernkraftwerke und beliefert zudem Endkunden direkt mit Strom. Insbesondere 2024 konnte die Aktie enorm von den KI-Fantasien der Anleger profitieren. Seitdem konnte sie allerdings nicht mehr an diese starke Kursperformance anknüpfen: 2026 ging es bislang sogar um 11 Prozent nach unten.

Hauptgrund für die zuletzt schwache Entwicklung war neben einer Abkühlung der zuvor hohen Bewertung auch die Ernüchterung darüber, wann sich der KI-Effekt tatsächlich in den Zahlen bemerkbar machen soll. CEO Jim Burke sagte in der Analystenkonferenz am 26. Februar, dass es vor Ende 2027 nicht zu einer Verknappung des Stromangebots durch KI-Rechenzentren kommen werde. Das sorgte für Enttäuschung, da die Anleger offenbar bereits erwartet hatten, dass die hohe Stromnachfrage durch Rechenzentren schon vorher die Strompreise und damit auch die Gewinne nach oben treiben würde.

Zudem ordnete der texanische Gouverneur Greg Abbott Anfang August an, neue Netzanschlüsse für Rechenzentren vorerst zu stoppen. Das sorgte für zusätzliche Verunsicherung, weil Texas einer der wichtigsten Märkte für Vistra ist.

Trotz der kurzfristigen Sorgen sieht die langfristige Ausgangslage für Vistra aber weiterhin alles andere als schlecht aus: Erst im Januar unterzeichnete der Konzern mit Meta einen 20-jährigen Abnahmevertrag für drei Atomkraftwerke. Dieser Vertrag ist noch nicht in der EBITDA-Prognose von 7,4 bis 7,8 Milliarden US-Dollar für 2027 enthalten. Ebenso wenig sind darin bislang die Effekte aus der Cogentrix-Übernahme berücksichtigt, mit der Vistra zehn zusätzliche Gaskraftwerke übernommen hat.

Für das kommende Jahr könnte also noch positives Überraschungspotenzial vorhanden sein, das der Markt mit einem Forward-KGV von 15,3 noch nicht vollständig einzupreisen scheint. Die Analysten sehen ein Aufwärtspotenzial von 55 Prozent.

Fazit: Stromversorger als interessante, defensive Depotbeimischung

Wem Halbleiteraktien zu volatil sind, für den könnten Stromversorger eine interessante Möglichkeit darstellen, dennoch von den gigantischen KI-Investitionen zu profitieren. 

Für defensive und einkommensorientierte Anleger könnte Duke Energy interessant sein, da hier die Planbarkeit am höchsten und die Abhängigkeit von Rechenzentren am geringsten ist. 

Ausgewogenere Anleger könnten Vistra genauer beobachten, da es sich um eine interessante Kombination aus Wachstumsstory und günstiger Bewertung handelt. 

Für risikoaffine Anleger bietet Constellation Energy das höchste Wachstumspotenzial, gleichzeitig aber auch die größte Abhängigkeit vom KI-Boom.

Weiterführende Links

Häufig gestellte Fragen:

Warum profitieren Stromversorger vom KI-Boom?

KI-Rechenzentren benötigen enorme Mengen Strom. Der stark steigende Energiebedarf kann daher für höhere Investitionen, mehr Nachfrage und steigende Gewinne sorgen.

Welche Stromversorger profitieren besonders von KI?

Duke Energy, Constellation Energy und Vistra könnten profitieren. Sie unterscheiden sich jedoch deutlich bei Wachstumspotenzial, Bewertung, Dividende und Risiko.

Welche Stromversorger-Aktie ist besonders günstig bewertet?

Von den drei vorgestellten Aktien weist Vistra mit einem Forward-KGV von rund 15 die niedrigste Bewertung auf. Duke Energy bietet dafür die höchste Planbarkeit.