Diese drei Aktien kosten weniger als das Siebenfache ihrer erwarteten Gewinne. Doch sind sie wirklich historische Schnäppchen oder lauern hinter den niedrigen KGVs gefährliche Value-Fallen?

Obwohl die Bewertungen der US-Indizes im laufenden Jahr aufgrund der hervorragenden Gewinnentwicklung deutlich zurückgekommen sind, liegt das Forward-Kurs-Gewinn-Verhältnis des S&P 500 noch immer bei knapp 20. Dennoch finden sich einige Unternehmen, deren Aktien lediglich mit einem einstelligen KGV bewertet werden.

Doch Vorsicht: Das KGV allein sagt noch nichts darüber aus, ob eine Aktie tatsächlich eine attraktive Einstiegsgelegenheit bietet. Ein Unternehmen kann vom Markt durchaus zu Recht so günstig bewertet werden, beispielsweise weil seine hohe Verschuldung das Insolvenzrisiko erhöht. In diesem Artikel stellen wir daher drei Unternehmen mit einem Forward-KGV von unter sieben vor und analysieren, ob es sich um eine günstige Kaufchance handelt oder sich als sogenannte Value-Falle erweisen könnten.

General Motors – Forward KGV von 6,4

Am 21. Juli überraschte der Autohersteller mit starken Zahlen zum zweiten Quartal. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag mit 3,57 US-Dollar rund 0,38 US-Dollar über den Erwartungen. Auch der ausgewiesene Umsatz übertraf die Schätzungen der Analysten um rund 940 Millionen US-Dollar. Haupttreiber der positiven Entwicklung waren höhere Preise, geringere Kosten, niedrigere Garantieaufwendungen und rückläufige Verluste im Elektroautogeschäft.

Für 2027 erwartet das Management, dass Umsatz, Margen, EBIT und Free Cashflow über den Werten von 2026 liegen werden. Dazu beitragen sollen insbesondere der stärkere Fokus auf profitable große SUVs sowie die Einführung einer neuen Pick-up-Generation. Auch das Softwaregeschäft rund um den Dienst OnStar entwickelt sich weiterhin gut und erzielt hohe Gewinnmargen.

Außerdem möchte GM seine Batterietechnologie auch außerhalb von Autos nutzen, weil Stromspeicher für Haushalte und Unternehmen immer wichtiger werden – etwa um Solarstrom zwischenzuspeichern. Das ist auch mit Blick auf den stark steigenden Strombedarf von KI-Rechenzentren interessant. Wettbewerber wie Ford zeigen bereits, dass Autobauer zunehmend in den Markt für stationäre Batteriespeicher vordringen.

Ebenfalls positiv: General Motors kauft kontinuierlich in großem Umfang eigene Aktien zurück. Dadurch ist die Aktienzahl in den vergangenen zwölf Monaten um rund sieben Prozent gesunken. In Kombination mit der günstigen Bewertung und den soliden Geschäftsaussichten könnte es sich daher um eine attraktive Value-Aktie handeln.

Fiserv – Forward KGV von 6,7

Mit einem Minus von fast 60 Prozent in den vergangenen zwölf Monaten gehört Fiserv zu den schwächsten Aktien im S&P 500. Fiserv ist einer der weltweit größten Zahlungs- und Finanztechnologieanbieter für Händler, Banken und Kreditinstitute. Ein großer Teil des Geschäfts basiert auf wiederkehrenden Verträgen und den abgewickelten Transaktionsvolumen. 

Im Oktober 2025 verfehlte Fiserv die Erwartungen an die Quartalszahlen deutlich und senkte seine Prognose für das Umsatzwachstum von zuvor rund zehn Prozent auf nur noch 3,5 bis vier Prozent. Die Aktie verlor daraufhin an einem einzigen Tag rund 41 Prozent. Das Management räumte daraufhin ein, dass die bisherigen Wachstums- und Margenziele zu ambitioniert gewesen waren.

Auch Anfang 2026 setzte sich die Schwäche fort. Im ersten Quartal sank der organische Umsatz um vier Prozent, während der bereinigte Gewinn je Aktie um 16 Prozent zurückging. Gleichzeitig fiel die bereinigte operative Marge von 37,8 auf 29,7 Prozent. Der überraschende Abgang von CEO Mike Lyons im Juni 2026 belastete das Vertrauen der Anleger zusätzlich.

Damit entwickelte sich Fiserv innerhalb von nur einem Jahr von einem soliden Dauerläufer zu einem Turnaround-Kandidaten. Diese Unsicherheit spiegelt sich auch im niedrigen Forward-KGV von 6,7 wider.

Ob die Trendwende gelingt, dürfte vor allem davon abhängen, ob Fiserv seine mittelfristige Prognose eines durchschnittlichen Umsatzwachstums von vier bis sechs Prozent zwischen 2026 und 2029 erreichen kann. Am 6. August präsentiert der Konzern seine Zahlen für das zweite Quartal 2026. Anleger dürften dann insbesondere auf Hinweise zur operativen Stabilisierung und zu den mittelfristigen Wachstumsperspektiven achten.

Gelingt es Fiserv, das Umsatzwachstum wieder zu beschleunigen und die Margen zu stabilisieren, könnte sich die niedrige Bewertung als attraktive Turnaround-Chance erweisen. Bleibt die Geschäftsentwicklung dagegen schwach, droht die Aktie trotz des niedrigen KGVs zur Value-Falle zu werden.

Fiserv (WKN: 881793)

SK Hynix – Forward KGV von 3,7

Aufgrund der starken Gewinnentwicklung ist das Forward-KGV des südkoreanischen Speicherherstellers von 4,5 auf inzwischen nur noch 3,7 gesunken. Im zweiten Quartal 2026 steigerte SK Hynix seinen Umsatz um 257 Prozent, während der operative Gewinn sogar um 557 Prozent zulegte. Dennoch verfehlte das Unternehmen die Erwartungen der Analysten, da sich die Auslieferung von HBM4-Speichern um einige Wochen verzögerte.

An den langfristigen Wachstumsaussichten hält das Management dennoch fest, da große Kunden weiterhin zusätzliche Speichermengen anfragen. Gleichzeitig betont der Konzern, den Kapazitätsausbau eng an der tatsächlichen Nachfrage auszurichten, um ein Überangebot zu vermeiden.

In diesem Artikel haben wir bereits ausführlich analysiert, wie sich der geplante Kapazitätsausbau in den kommenden Jahren auf die Speicherpreise und damit auf die Gewinne von SK Hynix auswirken könnte.

Breit streuen und von starken Dividenden profitieren

Wenn Ihnen Einzelaktien jedoch zu riskant sind oder Ihnen die Zeit für eine ausführliche Analyse fehlt, bietet der Globale Dividenden-Stars-Index von BÖRSE ONLINE eine breit gestreute Alternative mit ausgewählten dividendenstarken Unternehmen.

Der Index enthält 25 Aktien, die regelbasiert zusammengestellt wurden, um Ihnen eine breite Abdeckung verschiedener Branchen und Unternehmen zu bieten, die stabil und profitabel sind. 

Zum Globale Dividenden Stars Index

Weiterführende Links

Häufig gestellte Fragen:

Was ist das Forward-KGV?

Das Forward-KGV setzt den aktuellen Aktienkurs ins Verhältnis zum erwarteten Gewinn je Aktie der kommenden zwölf Monate.

Sind Aktien mit niedrigem KGV automatisch günstig?

Nein. Ein niedriges KGV kann auch auf schwaches Wachstum, hohe Schulden oder sinkende Gewinne hindeuten.

Was ist eine Value-Falle bei Aktien?

Eine Value-Falle ist eine scheinbar günstige Aktie, deren niedrige Bewertung aufgrund dauerhaft schlechter Geschäftsaussichten gerechtfertigt ist.

Hinweis auf Interessenkonflikte:
Der Preis der Finanzinstrumente wird von einem Index als Basiswert abgeleitet. Die Börsenmedien AG hat diesen Index entwickelt und hält die Rechte hieran. Mit dem Emittenten der dargestellten Wertpapiere hat die Börsenmedien AG eine Kooperationsvereinba-rung geschlossen, wonach sie dem Emittenten eine Lizenz zur Verwendung des Index erteilt. Die Börsenmedien AG erhält insoweit von dem Emittenten Vergütungen.