Die Commerzbank meldet einen überraschend starken Gewinnsprung im zweiten Quartal und wil ihren Aktienrückkauf fortsetzen. Gleichzeitig laufen Gespräche mit Unicredit. Müssen Anleger jetzt reagieren?
Die Commerzbank meldet einen überraschend starken Gewinnsprung im zweiten Quartal. Aber nützt das noch etwas, wenn die Übernahme durch Unicredit doch quasi sicher ist? Der Vorstand glaubt das schon: „Wir sind bereit für konstruktive Gespräche mit der Unicredit“, teilte die Frankfurter Bank am Donnerstag mit. Dabei schlägt die Commerzbank-Führung erstmals wieder versöhnlichere Töne an: Ein gemeinsamer Ansatz biete die Chance, Mehrwert zu schaffen. Commerzbank-Aktien legten im Vormittagshandel zeitweise um ein Prozent zu und markierten bei 39,85 Euro ein neues Mehrjahreshoch. Zuletzt hatte die Aktie Ende 2010 so hoch notiert.
Von April bis Juni 2026 verdiente Deutschlands zweitgrößte börsennotierte Bank unter dem Strich fast doppelt so viel wie im Jahr zuvor. Der Quartalsüberschuss stieg von 462 Millionen Euro auf 898 Millionen Euro. Damit übertraf die Commerzbank die Konsenserwartungen der Analysten. Im vergangenen Jahr hatten allerdings Kosten für den Abbau tausender Jobs den Gewinn geschmälert.
Damit weist die Commerzbank im ersten Halbjahr 2026 ein Rekordergebnis von 1,8 Milliarden Euro aus. Damit sieht sich der Vorstand „voll auf Kurs“, sein Gewinnziel von mindestens 3,4 Milliarden Euro im Gesamtjahr zu erreichen.
Wann kassiert Unicredit die Bank ein?
Ungeachtet der sich anbahnenden Übernahme durch Unicredit will die Commerzbank nochmals bis zu 1,2 Milliarden Euro in den Rückkauf eigener Aktien stecken. Der Abwehrplan von Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp sah vor, die Aktionäre mit Aktienrückkäufen und höheren Gewinnen bei Laune zu halten. Dass die Commerzbank diesen Kurs beibehält, obwohl sie den Übernahmekampf de facto verloren hat, überrascht zunächst.
Denn die italienische Großbank Unicredit hat knapp zwei Jahre nach ihrem Einstieg bei der Commerzbank inzwischen Zugriff auf fast die Hälfte der Anteile. Unicredit-Chef Andrea Orcel erwartet nach jüngsten Aussagen eine baldige Kontrollübernahme bei dem Frankfurter Institut.
Doch bis es so weit ist, pocht die Commerzbank auf ihre Unabhängigkeit: „Auch wenn die Unicredit über eine Mehrheit auf der nächsten Hauptversammlung verfügt, kann sie über wesentliche Strukturmaßnahmen nicht allein entscheiden“, bekräftigte Commerzbank-Chefin Orlopp. „Dafür braucht es ein gemeinsames Verständnis des Geschäftsmodells und die Einbindung aller Stakeholder.“
Der Bund, dessen Aktienverkauf im September 2024 zum Einfallstor für die Unicredit wurde, hat mit seinem verbliebenen gut zwölfprozentigen Anteil ein Wort mitzureden. Es gibt sogar Vorschläge, diesen Einfluss über eine Sperrminorität noch auszubauen. Die Bundesbeteiligung ist eine Folge der Finanzkrise 2008/2009, als der Staat das Institut mit Milliarden aus der Steuerkasse vor dem Kollaps bewahrte.
Droht jetzt der Kahlschlag?
Orcel will mit einer Übernahme der Commerzbank eine europäische Großbank schmieden, auch als Gegengewicht zu den deutlich profitableren Geldhäusern aus den USA. Unicredit ist in Deutschland bereits mit der Hypovereinsbank (HVB) aktiv und verspricht sich aus einer Fusion der HVB mit der Commerzbank Synergien in Milliardenhöhe. Beobachter fürchten, dass das mit dem Abbau tausender Stellen einhergehen wird – ähnlich wie damals nach der Übernahme der HVB. Das aus Commerzbank-Sicht „feindliche Vorgehen“ der Italiener sorgte für reichlich Widerstand im Management, im Betriebsrat und in der Belegschaft des Dax-Konzerns. Auch der Bund äußerte sich wiederholt kritisch.
Dennoch hat sich Unicredit am Ende durchgesetzt: Die Mailänder zogen mit ihrem freiwilligen Übernahmeangebot nach eigenen Angaben weitere 17,6 Prozent der Commerzbank-Papiere an Land. Zusammen mit den 26,77 Prozent, die Unicredit schon zuvor hielt, hält die Bank damit rechnerisch 44,37 Prozent. Hinzu kommen Kaufoptionen, die Unicredit den Zugriff auf weitere 3,22 Prozent der Commerzbank-Aktien geben, sodass Bankchef Orcel jetzt schon auf 47,59 Prozent aufstocken könnte.
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Vollzug wohl im 4. Quartal
Die Commerzbank-Führung wirft dem erfahrenen Investmentbanker Orcel vor, das deutsche Übernahmerecht ausgetrickst zu haben. Nach ihren Erkenntnissen hätten Profi-Investoren und Privatanleger der Unicredit im Zuge des Übernahmeangebots gerade einmal 2,7 Prozent der Anteile angedient. Der Rest stamme von Banken, mit denen die Unicredit über Finanzinstrumente Geschäfte mache. Dadurch habe Unicredit ihre Aktienposition künstlich aufgebläht. Das Ergebnis einer Prüfung durch die Finanzaufsicht BaFin steht noch aus, dürfte aber kaum noch etwas an den Voraussetzungen ändern.
Daran glaubt offenbar auch Orlopp nicht mehr. Man rechne damit, dass Unicredit im vierten Quartal alle erforderlichen Genehmigungen erhalte, sagte die Bankchefin am Donnerstag. Unter anderem muss auch die Europäische Zentralbank, bei der die europäische Bankenaufsicht angesiedelt ist, der Übernahme zustimmen.
Fernab des medialen Rummels hielt die Commerzbank-Führung während des gesamten Übernahmeprozesses Kommunikationskanäle zum Großaktionär Unicredit offen. Die Gespräche verlaufen „konstruktiv“, teilte Orlopp in der Pressekonferenz etwas überraschend mit. Man werde sich zu gegebener Zeit gemeinsam äußern.
Fazit für Aktionäre
Unicredit ist quasi am Ziel – das akzeptiert jetzt auch der Commerzbank-Vorstand. Damit schwinden die Aussichten darauf, dass Unicredit noch einmal mit einem höheren Übernahmeangebot um die Ecke kommen könnte. Zumal auch ein baldiges Überschreiten der 50-Prozent-Schwelle nach dem Wertpapiererwerbs- und Übernahmegesetz (WpÜG) kein erneutes Pflichtangebot auslösen würde.
Trotzdem besteht derzeit keine Notwendigkeit, seine Commerzbank-Aktien loszuschlagen: Der Gewinnanstieg und das Rückkaufprogramm wirken als Werttreiber, von denen der Großaktionär Unicredit selbst am meisten profitiert. Daher könnte der Wert der Commerzbank kurzfristig weiter zulegen. Langfristig dürfte Unicredit jedoch wenig Interesse an steigenden Gewinnen in Frankfurt haben, weil diese den Preis bei einem späteren Squeeze-out in die Höhe treiben würden. Stattdessen dürften nach einer Übernahme ab 2027 erste Erlösströme nach Mailand umgeleitet werden, ähnlich wie damals bei der HVB. Sobald Pläne dazu bekannt werden, sollten Aktionäre ihr Engagement bei der Commerzbank auf den Prüfstand stellen.
Enthält Material von dpa-AFX
Häufige Fragen zum Thema
Wird UniCredit die Commerzbank übernehmen?
Eine Übernahme gilt als ziemlich sicher, ist aber noch nicht beschlossen. Formal fehlen noch Genehmigungen der Regulierer, hilfreich wäre auch das Plazet der Bundesregierung. Um noch in diesem Jahr Einfluss auf die Strategie der Commerzbank zu nehmen, müsste Unicredit eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen, auf dder Italiener dann mit ziemlicher Sicherheit die Präsenzmehrheit hätten.
Warum ist die Bundesregierung bei der Commerzbank-Übernahme so entscheidend?
Die Bundesregierung hält rund zwölf Prozent der Commerzbank. Sie kann die Übernahme zwar kaum verhindern, aber bei Bedingungen und einem möglichen Verkaufspreis Einfluss nehmen.
Wird Unicreit ein neues Übernahmeangebot vorlegen?
Kurzfristig nicht. Selbst das Überschreiten der 50-Prozent-Marke löst nach deutschen Wertpapiererwerbs- und Übernahmegesetz (WpÜG) kein erneutes Pflichtangebot aus. Erst bei einem Squeeze-Out, der noch weit entfernt ist, müsste Unicredit wieder ein Angebot abgeben.
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