Die Commerzbank versucht mit allen Mitteln, sich gegen die drohende Übernahme durch Unicredit zu wehren. In seiner Not rief der Betriebsrat sogar die Staatsanwaltschaft an – doch die sieht offenbar keinen Anlass einzugreifen.
Im Übernahmekampf zwischen Commerzbank und Unicredit hat sich der Verdacht der Marktmanipulation gegen die italienische Großbank nicht erhärtet. Damit muss der Gesamtbetriebsrat der Commerzbank, der die Justiz eingeschaltet und eine Anzeige gegen unbekannt gestellt hatte, eine Niederlage hinnehmen. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt habe mitgeteilt, dass sie in der Sache kein Ermittlungsverfahren aufnehmen werde, sagte der Vorsitzende des Gesamt- und Konzernbetriebsrats, Sascha Uebel, der Deutschen Presse-Agentur.
Die Staatsanwaltschaft Frankfurt bestätigte das. Nach Abschluss des Prüfverfahrens habe man die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens abgelehnt, „da zureichende tatsächliche Anhaltspunkte für das Vorliegen einer Straftat nicht festgestellt werden konnten“, teilte ein Sprecher mit. Weitere Angaben könnten wegen des „noch nicht abgeschlossenen Übernahmeprozesses und damit einhergehender etwaiger Kursbeeinflussungen“ nicht gemacht werden.
Commerzbank bezweifelt Angaben der Unicredit
Der Gesamtbetriebsrat hatte Zweifel daran, dass die Unicredit mit ihrem Übernahmeangebot tatsächlich regelmäßig Commerzbank-Aktien angedient bekam, obwohl die Offerte der Italiener lange Zeit unter dem Börsenkurs der Commerzbank lag und Investoren ihre Anteile normalerweise erst kurz vor Fristende übertragen. Der Gesamtbetriebsrat um Uebel warf der Unicredit deshalb irreführende Angaben vor. Der Vorwurf war schwerwiegend: Marktmanipulation ist in Deutschland eine Straftat.
Unicredit hatte am Mittwoch bekanntgegeben, dass sie sich mit ihrem Übernahmeangebot mehr als 47 Prozent an der Commerzbank gesichert hat, dabei sind Finanzinstrumente eingerechnet. An einer Mehrheit schrammten die Italiener damit nur knapp vorbei. De facto hat Unicredit aber auch mit diesem Anteil bereits das Sagen in Frankfurt.
Auch die Commerzbank-Führung hatte immer wieder die Angaben von Unicredit kritisiert und die Finanzaufsicht BaFin eingeschaltet. Auch am Mittwoch äußerte sie weiterhin Zweifel. Nach ihren Informationen belaufe sich die Summe der von Profi- und Privatanlegern angedienten Aktien auf weniger als zwei Prozent. „Die angedienten Aktien stammen überwiegend von mit der Unicredit verbundenen Banken und Parteien“, schrieb die Commerzbank. Es sei weiterhin nicht transparent, wie stark geliehene Aktien angedient und welche Absicherungsvereinbarungen getroffen worden seien. Die Unicredit hat die Vorwürfe stets zurückgewiesen.
So reagiert die Commerzbank-Aktie
Der Kurs der Commerzbank-Aktie stieg am Donnerstag um zwei Prozent auf 38 Euro. Damit hat das Papier seit Vorlage der Unicredit-Offerte am 5. Mai 2026 fast zwölf Prozent zugelegt. Damals notierte die Aktie bei rund 34 Euro. Vor dem 16. März, als Unicredit sein Angebot erstmals ankündigte, war der Commerzbank-Kurs unter 30 Euro gefallen.
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Enthält Material von dpa-AFX
Häufige Fragen zum Thema
Läuft die Übernahmeofferte für die Commerzbank noch?
Nein, das Angebot der Unicredit für die Commerzbank ist am 3. Juli 2026 offiziell ausgelaufen.
Wie hoch ist der Anteil der Unicredit an der Commerzbank jetzt?
Nach Meldung vom 8. Juli 2026 hat Unicredit jetzt Zugriff auf 47,59 Prozent aller umlaufenden Commerzbank-Aktien. Dabei sind Zugriffsrechte über Derivate miteingerechnet.
Kann sich der Preis für die bereits eingereichten Aktien noch einmal ändern?
Ja. Wenn Unicredit die ursprüngliche Offerte innerhalb von zwölf Monaten nachbessert, müssen nach deutschem Recht auch die Aktionäre, die ihre Aktien schon angedient haben, nachträglich den höheren Preis erhalten.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Commerzbank.