Nach der starken Rally der ersten Jahreshälfte gerät der Halbleitersektor unter Druck. Doch eine Chip-Aktie zeigt relative Stärke. 

Der große Chip-Boom ist erstmal vorbei. Nachdem Chipwerte und Unternehmen entlang der KI-Infrastruktur in der ersten Jahreshälfte kräftig gestiegen waren, verarbeiten viele Aktien inzwischen ihre Kursgewinne. Der Philadelphia Semiconductor Index befindet sich seit seinem Hoch im Juni in einer schwächeren Phase und lag zuletzt etwa 23 Prozent unter seinem Allzeithoch. Besonders unter Druck gerieten zuvor stark gelaufene Speicherchipwerte wie Micron, SanDisk und SK Hynix. Aber auch der deutsche Chip-Riese Infineon ist in einer Abwärtsbewegung. 

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Infineon (WKN: 623100)

Qualcomm mit relativer Stärke

In diesem Umfeld hebt sich ein Chipwert überraschend von den anderen ab: Qualcomm. Die Aktie hatte zwar zuvor deutlich korrigiert und war von rund 250 US-Dollar im späten Frühjahr bis in den Bereich von 165 bis 170 US-Dollar gefallen. Seit dem Juli-Tief bei etwa 142,29 US-Dollar zeigt sich jedoch eine Erholungsbewegung mit höheren Tiefs. 

Anfang September lag Qualcomm noch bei rund 176 US-Dollar. Als entscheidende Widerstandszone galten damals die Bereiche um 182,70 bis 185 US-Dollar. Ein nachhaltiger Ausbruch darüber sollte nach Einschätzung einer technischen Analyse der globalen Finanzplattform “TradingKey” die Erholung bestätigen und den Weg in Richtung 192,77 beziehungsweise 200,19 US-Dollar öffnen. 

Tatsächlich schloss die Aktie am 15. September bei 187,80 US-Dollar – ein Tagesgewinn von 4,2 Prozent. Bemerkenswert war dabei, dass der Nasdaq Composite und der S&P 500 am selben Tag nachgaben, während der Philadelphia Semiconductor Index nur leicht zulegte. Qualcomm zeigte damit nicht nur absolutes Kursmomentum, sondern auch relative Stärke gegenüber dem Gesamtmarkt. Unser Chart zeigt auch: Qualcomm hat es zudem vor kurzem geschafft, sowohl die 200- als auch die 50-Tages-Linie zu durchbrechen.

Zudem ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von Qualcomm derzeit sehr verlockend, besonders im Vergleich zur restlichen Halbleiterbranche.Mit dem aktuellen Kurs von rund 187,80 US-Dollar und einem Gewinn pro Aktie (EPS) von 9,22 US-Dollar liegt das aktuelle KGV von Qualcomm bei ca. 20,4 (Zum Vergleich: Bei Nvidia liegt es bei 36 bis 40).

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Qualcomm (WKN: 883121)

Qualcomm-Aktie: Amazon bringt neue Fantasie

Der wichtigste Impuls für die Aktie kommt derzeit aus der geplanten Zusammenarbeit mit Amazon Web Services. Qualcomm soll kundenspezifische Chips und Lösungen für KI-Rechenzentren entwickeln. Hinzu kommen Technologien für optische Verbindungen. Die Vereinbarung verschafft Qualcomm damit einen sichtbaren Hyperscaler-Partner und stärkt die Vorstellung, dass sich das Unternehmen langfristig über das klassische Smartphone-Geschäft hinaus entwickeln kann.

Diese Diversifizierung ist strategisch wichtig. Denn im Kerngeschäft bleiben die Nachrichten gemischt: Im dritten Quartal sank der Handset-Umsatz laut “TradingKey” um 20 Prozent. Gleichzeitig wuchsen die Geschäftsbereiche Automotive und IoT („Internet of Things“) deutlich. Automotive legte demnach um 61 Prozent zu, während das IoT-Geschäft um 9 Prozent wuchs.

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Der Ausbruch muss sich noch bestätigen

Trotz des positiven Signals wäre es zu früh, bereits von einem neuen langfristigen Aufwärtstrend zu sprechen. Qualcomm befindet sich nach dem starken Rückgang zunächst in einer Erholungs- und Reparaturphase. Entscheidend ist nun, ob sich die Aktie oberhalb der überwundenen Zone von etwa 182 bis 185 US-Dollar behaupten kann. Ein Rückfall unter diesen Bereich würde das Ausbruchssignal abschwächen. 

Für den gesamten Chipsektor bleibt damit ein differenziertes Bild. Viele Aktien konsolidieren nach der Rally der ersten Jahreshälfte oder korrigieren noch. Qualcomm verfügt dagegen über einen neuen fundamentalen Katalysator, eine verbesserte charttechnische Struktur und zuletzt erkennbare relative Stärke. Ob daraus ein nachhaltiger Trend entsteht, hängt nun davon ab, ob die Amazon-Fantasie in konkrete Umsätze übersetzt werden kann und ob das Unternehmen den Rückgang im Smartphone-Geschäft durch neue Wachstumsfelder ausgleicht.

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Häufige Fragen

Warum konsolidieren viele Halbleiter- und KI-Infrastrukturwerte?

Viele Chipwerte verarbeiten derzeit die starken Kursgewinne der ersten Jahreshälfte. Anleger agieren selektiver, während Bewertungsniveaus, Gewinnperspektiven und die Nachhaltigkeit der KI-Nachfrage neu bewertet werden. Dadurch geraten insbesondere zuvor stark gestiegene Speicherchip- und KI-Infrastrukturwerte unter Druck.

Warum hebt sich Qualcomm aktuell von anderen Chipwerten ab?

Qualcomm zeigt nach dem Rückgang auf das Juli-Tief eine Erholungsbewegung mit höheren Tiefs und zuletzt relative Stärke gegenüber dem Gesamtmarkt. Zusätzlich sorgt die geplante Zusammenarbeit mit Amazon Web Services im Bereich KI-Rechenzentren für neue Wachstumsfantasie. Qualcomm könnte dadurch seine Abhängigkeit vom Smartphone-Geschäft verringern.

Ist Qualcomm jetzt in einem neuen langfristigen Aufwärtstrend?

Noch ist das nicht eindeutig bestätigt. Der Anstieg über die Widerstandszone zwischen 182 und 185 US-Dollar ist zwar ein konstruktives technisches Signal, muss sich aber nachhaltig behaupten. Risiken bleiben unter anderem der rückläufige Handset-Umsatz, der Verlust von Apple-Modemgeschäft und steigende Produktionskosten.

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