Einige Tech-Aktien mussten nach einem KI-Boom starke Kursverluste in Kauf nehmen. Lohnt sich bei einigen von ihnen jetzt der Einstieg? Morningstar ordnet ein.
Der KI-Boom hat viele Tech-Aktien auf schwindelerregende Höhen katapultiert. Doch nach den jüngsten Quartalszahlen folgte für einige der gefeiertsten Namen der Branche ein schmerzhafter Rücksetzer. Im Podcast „The Morning Filter" (Episode vom 10. August 2026) analysierte Morningstar-Chefstratege Dave Sekera gemeinsam mit Moderatorin Susan Dziubinski, was hinter den Kurseinbrüchen bei Advanced Micro Devices (AMD), Sandisk (SNDK) und Western Digital (WDC) steckt – und ob sich für antizyklische Anleger jetzt eine Chance ergibt.
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AMD: Starke Zahlen, trotzdem Kurseinbruch – wie passt das zusammen?
Advanced Micro Devices verlor nach Vorlage seiner Quartalsergebnisse rund sieben Prozent an einem einzigen Tag – obwohl die Zahlen auf den ersten Blick glänzend aussahen. Der Gesamtumsatz stieg um 50 Prozent im Jahresvergleich und übertraf die Konsensschätzungen. Das Kerngeschäft mit Server-CPUs – der entscheidende Wachstumstreiber im KI-Zeitalter – legte sogar um 75 Prozent zu.
Warum reagierte der Markt dennoch mit Verkäufen? Sekera erklärt das Phänomen mit den sogenannten „Whisper Numbers": Neben den offiziellen Konsensschätzungen kursieren am Markt inoffizielle, deutlich höhere Erwartungen. Wer diese nicht übertrifft, wird bestraft – selbst bei objektiv starken Ergebnissen.
Hinzu kommt die Frage nach der Nachhaltigkeit: Wie lange kann AMD dieses Wachstumstempo halten? Die Analysten von Morningstar sehen noch erhebliches Potenzial: Im vierten Quartal 2026 soll AMDs erstes KI-Lösungsrack namens „Helios" auf den Markt kommen, so Sekera. Für 2027 erwartet Morningstar ein Plus von 70 Prozent im Server-CPU-Geschäft und mehr als 100 Prozent Wachstum im Rechenzentrumsbereich. Trotzdem: Die Aktie ist seit Jahresbeginn bereits um 125 Prozent gestiegen – und Anleger, die früh dabei waren, sitzen auf enormen Gewinnen.
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Sekera erinnert daran, dass AMD bereits im Januar 2025 zweimal als Kaufempfehlung ausgegeben wurde – damals noch tief bewertet. Seitdem habe sich der Kurs vervielfacht: +300 Prozent seit der ersten Empfehlung, +350 Prozent seit der zweiten.
Nach dem jüngsten Rücksetzer notiert die Aktie bei rund 483 US-Dollar – gegenüber dem Morningstar Fair Value von 530 US-Dollar ein Abschlag von etwa neun Prozent. Das entspricht einer 3-Sterne-Bewertung – also fair bewertet, aber nicht günstig genug für einen Neueinstieg. Das Morningstar-Fazit zu AMD ist deshalb: „Halten."
Sandisk und Western Digital: Blendende Zahlen, aber strukturelle Risiken
Ein ähnliches Muster zeigte sich bei Sandisk (minus sieben Prozent nach Quartalszahlen) und Western Digital (minus 13 Prozent). Auch hier lagen die Ergebnisse stark über dem Vorjahr, und auch hier blieb Morningstar bei seinen Fair-Value-Schätzungen.
Der entscheidende Unterschied zu AMD: Beide Unternehmen operieren im Commodity-Bereich – Speicherchips (NAND) und Festplatten (HDD). Während der KI-Boom für Engpässe und damit für außergewöhnlich hohe Margen sorgt, hängt das gesamte Gewinnmodell an einer Frage: Wann dreht der Zyklus?
Sekeras Einschätzung: Morningstar erwartet den Höhepunkt dieses Superzyklus bei Sandisk Anfang 2028, gefolgt von einem Abschwung in 2029 und 2030. Hält der Boom länger an, könnte der Fair Value zu niedrig sein – dreht er früher, wäre er zu hoch. Die Bandbreite möglicher Szenarien ist enorm.
Beide Aktien sind massiv von ihren Hochs korrigiert:
- Sandisk: Minus 48 Prozent vom Allzeithoch
- Western Digital: Minus 42 Prozent vom Allzeithoch
Damit befinden sich auch diese beiden Papiere mittlerweile in der 3-Sterne-Zone – technisch also fair bewertet. Sandisk notiert dabei im oberen Bereich dieser Zone. Das Morningstar-Fazit zu Sandisk und Western Digital lautet hier: Trotz der starken Korrekturen würde Sekera vorsichtig bleiben. Der negative Kursmoment und die eingepreisten Wachstumserwartungen machen beide Titel zu spekulativen Wetten – nicht zu klassischen antizyklischen Chancen.
Morningstar-Einschätzung: Jetzt antizyklisch investieren?
Fazit: Der Rücksetzer bei allen drei Aktien hat die Bewertungen von überteuert auf fair korrigiert – ein echter antizyklischer Einstiegspunkt sieht anders aus. Wer 2025 bei AMD zugegriffen hat, sitzt heute auf Traumrenditen. Wer jetzt erst einsteigt, muss realistischere Erwartungen mitbringen.
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Häufige Fragen
Was bedeutet „3 Sterne" bei Morningstar – und ist das ein Kaufsignal?
Nein, drei Sterne bedeuten bei Morningstar, dass eine Aktie fair bewertet ist – also weder günstig noch teuer. Ein klares Kaufsignal wäre erst ab vier oder fünf Sternen gegeben, was einem deutlichen Abschlag zum errechneten Fair Value entspricht.
Warum fallen Tech-Aktien manchmal, obwohl die Quartalszahlen gut waren?
Der Aktienmarkt bewertet nicht die Vergangenheit, sondern die Zukunft. Entscheidend ist nicht, ob ein Unternehmen die offiziellen Konsensschätzungen übertrifft, sondern ob es die sogenannten „Whisper Numbers" schlägt – also die inoffiziellen, oft deutlich höheren Erwartungen, die im Markt kursieren. Wer diese nicht erfüllt, wird abgestraft, selbst bei objektiv starken Ergebnissen. Genau das passierte AMD nach seinen Q2-Zahlen mit 50 Prozent Umsatzwachstum.
Warum sind Sandisk und Western Digital riskanter als AMD?
AMD profitiert von strukturell hoher Nachfrage nach Server-CPUs im KI-Bereich und hat als Technologieunternehmen eine gewisse Preissetzungsmacht. Sandisk und Western Digital hingegen sind stark von Rohstoffzyklen abhängig: Ihre Margen sind derzeit außergewöhnlich hoch, weil der KI-Boom für Engpässe bei Speicherchips und Festplatten sorgt. Sobald das Angebot steigt oder die Nachfrage nachlässt – Morningstar erwartet diesen Wendepunkt Anfang 2028 –, könnten die Margen und damit die Gewinne massiv einbrechen. Das macht die Aktien trotz der hohen Kursabschläge zu einer spekulativen Wette.
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