Noch bevor das iPhone auf den Markt kam, lieferte dieser Konzern die mobilen Arbeitswerkzeuge der Business-Elite. Doch den Smartphones hatte er nicht entgegenzusetzen und ging fast unter. Jetzt sind die Kanadier zurück – in einem Zukunftsmarkt.

Wer an Blackberry denkt, hat womöglich noch vage Erinnerungen an die Zeit vor dem iPhone, als die schwarzen Geräte mit ihrer winzigen physischen Tastatur den Versand und Empfang von E-Mails ermöglichten und damit erste Züge von „mobilem Management“ ermöglichten. Doch mit dem Auftreten des iPhones war es damit vorbei: Binnen weniger Jahre verschwanden die Blackberrys und mit ihnen der gleichnamige kanadische Konzern von der Bildfläche.

Vor einigen Jahren musste Blackberry dann im Hype um AMC und Gamestop plötzlich als Meme-Aktie herhalten: Scheinbar wertlos, aber mit einer riesigen Short-Seller-Quote belastet.


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Comeback mit Roboter-Software

Doch jetzt kehrt die einstige Ikone zurück – mit einer überraschenden Story: BlackBerry-Chef John Giamatteo erschien zum Interview beim US-Börsensender CNBC und erklärte, dass mittlerweile Robotik zu den am schnellsten wachsenden Bereichen innerhalb seines Portfolios gehöre. Basis dafür ist die hauseigene Softwareplattform QNX. Diese steckt nach Unternehmensangaben in 275 Millionen Fahrzeugen weltweit, und sichert Blackberry Lizenzeinnahmen von rund 950 Millionen US-Dollar im Jahr. 

Nahezu alle großen Autohersteller, darunter auch BMW, Mercedes-Benz oder Volkswagen, nutzen QNX für ihre digitalen Cockpits, Infotainmentsysteme und Fahrerassistenz-Systeme an Bord oder sicherheitskritische Funktionen wie Brems- oder Lenkungssteuerungen. Blackberry garantiert, dass Befehle über QNX in kritischen Situationen ohne Verzögerung ausgeführt werden. Das spannende daran: Mittlerweile wandert QNX auch in Roboter – und eröffnet Blackberry damit einen stark wachsenden Zukunftsmarkt.

Weiterführende Links

Die Software war schon immer der Kern von Backberry

Giamatteo sagte, man sehe in der Robotik sogar noch schnelleres Wachstum als im Automobilbereich. Gemeint sind allerdings nicht humanoide Show-Roboter, sondern solche für industrielle Anwendungen wie Lagerroboter, autonome Gabelstapler und medizinische Geräte. Das klingt weniger spektakulär als Science-Fiction, ist aber möglicherweise der attraktivere und ertragreichere Markt: weniger Hype, mehr reales Geschäft.

Tatsächlich war Balckberry schon immer eher ein Software- als ein Hardwarekonzern. Die Blackberrys mit ihren Mini-Tastaturen waren lediglich die Schnittstelle zu einem schlauen E-Mail-Dienst, der damals den Benchmark setzte. Angesichts der heutigen Dominanz von „Microsoft Exchange“ mag man das kaum glauben.

Doch Blackberry blieb der Idee treu, schlanke und hochperformante Software für Echtzeitanwendungen zu bauen. Daraus entsteht nun womöglich eine neue Börsenfantasie unter dem Namen „Physical AI“. Gemeint sind intelligente Maschinen, die sich in der realen Welt bewegen und mit Software zuverlässig funktionieren müssen. Genau da sieht Blackberry seinen Vorteil gegenüber anderen Anbietern, weil QNX laut Giamatteo „deterministisch und sicherheitszertifiziert“ ist.

Bereits im April hat Blackberry seine Partnerschaft mit Nvidia erweitert, um QNX noch stärker in Robotern, Medizintechnik und industriellen Anwendungen einsetzen zu können.

Blackberry (WKN: A1W2YK)

Aktie hat sich schon verdoppelt

Der Markt fängt an, das zu honorieren. Der Kurs der Blackberry-Aktie hat sich im laufenden Jahr verdoppelt. Für viele Anleger war Blackberry jahrelang ein Anachronismus – und ein Mem-Stock geworden. Jetzt sind die Kanadier plötzlich ein Tech-Titel mit Zukunft; und das auch noch im derzeit arg gebeutelten Software-Segment.

Doch noch sind das Vorschusslorbeeren: Jetzt muss aus der Roboterfantasie rund um QNX ein echter Gewinntreiber werden. Die Aktie ist damit eine Wette darauf, dass die Softwareplattform wirklich vom Auto in die Maschinenwelt überspringt. Es wäre wohl die Comeback-Story des Jahres.

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Häufige Fragen zu Blackberry

Wofür war Blackberry früher bekannt?

BlackBbrry war Anfang der 200er Jahre für seine Smartphones mit physischer QWERTZ-Tastatur bekannt, die zum Statussymbol für Geschäftsleute wurden. Fast jedes Modell besaß eine Mini-Tastatur, mit der man sehr schnell E-Mails und Nachrichten tippen konnte. Damit machte das Unternehmen als Pionier den mobilen, drahtlosen Empfang von E-Mails in Echtzeit salonfähig. Dank eigener Server-Infrastrukturen galt das Blackberry-System zudem als extrem abhörsicher. 

Was ist QNX?

Blackberry entwickelt mit QNX ein sicheres, auf maximale Zuverlässigkeit ausgelegtes Echtzeitbetriebssystem (RTOS), das heute in über 275 Millionen Autos, Robotern und kritischen Industriesystemen weltweit läuft. Nach dem Niedergang des Smartphone-Geschäfts hat sich BlackBerry mit dieser Sparte erfolgreich zu einem führenden Software-Anbieter für vernetzte und autonome Systeme gewandelt. QNX wierd vor allem in der Bordelektronik von Autos eingesetzt, wo es auch sicherheitskritische Funktionen wie Brems- oder Lenkungssteuerungen übernimmt und garantiert, dass Befehle ohne Verzögerung ausgeführt werden. Weitere Einsatzmöglichkeiten sind in der Robotik als unsichtbares Gehirn für Industrieroboter, humanoide Roboter und autonome Maschinen, bei denen Systemabstürze inakzeptabel sind. In der Medizintechnik steuert QNX unter anderem Herz-Lungen-Maschinen und OP-Roboter.

Warum wird die Blackberry-Aktie jetzt womöglich neu bewertet?

Der Automobilmarkt gilt als weitgehend gesättigt, was die Wachstumsmöglichkeiten für QNX beschränkt, auch wenn die Elektronik und damit die Anforderungen an Steuerungssoftware  in modernen Fahrzeugen immer weiter zunehmen. Der Markt für Roboter steht im Vergleich dazu noch am Anfang und eröffnet Blackberry ganz neue, noch größere Wachstumschancen für den Einsatz ausfallsicherer Systeme auf Basis von QNX.