Microsoft verliert seit Monaten an Glanz: Der Kurssturz zeigt, wie groß die Angst vor den KI-Investitionen geworden ist. Doch genau darin könnte auch die große Chance liegen.
Microsoft entwickelte sich in den vergangenen Monaten vom Börsenliebling zum Sorgenkind. Noch im August 2025 markierte die Aktie bei rund 555 US-Dollar ein neues Allzeithoch. Seither büßte Microsoft jedoch fast ein Drittel seines Wertes ein (Stand: 28. Juni 2026). Allein im Juni verlor die Aktie bislang mehr als 20 Prozent und steuert damit auf ihren schlechtesten Monat seit Dezember 2000 zu.
Investoren zweifeln an den hohen KI-Investitionen von Microsoft
Der Hauptgrund für den starken Kursrückgang sind nicht schwache Gewinne – in den vergangenen 15 Quartalen konnte Microsoft die Gewinnerwartungen der Analysten stets übertreffen. Vielmehr liegt die Ursache in den hohen Investitionen in KI-Infrastruktur (CapEx).
Allein im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026 betrugen die Investitionen des Konzerns mehr als 30 Milliarden US-Dollar. Für das laufende vierte Quartal erwartet Microsoft sogar CapEx von über 40 Milliarden US-Dollar. Investoren sind aktuell äußerst skeptisch, ob diese hohen Ausgaben auch angemessene Gewinne abwerfen werden und lassen die Aktie daher links liegen. Im Folgenden wollen wir Ihnen eine kurze Einordnung geben, ob diese Sorgen berechtigt sind oder ob es sich um eine Übertreibung handelt.
Azure als Wachstumsmotor
Ein bedeutender Teil der riesigen Investitionen fließt in den Ausbau des Cloud-Dienstes Azure. Microsoft baut damit Rechenzentren und vermietet die Rechenleistung an andere Unternehmen.
Seit vier Quartalen hält sich die jährliche Wachstumsrate von Azure bei rund 40 Prozent und liegt damit deutlich über der Wachstumsrate des gesamten Konzerns von rund 18 Prozent.
Die operative Marge des „Intelligent Cloud“-Geschäfts beträgt rund 40 Prozent. Dazu zählen neben Azure auch Server-Produkte und einige weitere Dienstleistungen. Damit ist die Marge zwar deutlich geringer als in der Sparte „Productivity & Business Processes“, zu der unter anderem Microsoft 365 und LinkedIn gehören. Dort beträgt die operative Marge rund 60 Prozent.
Dennoch: Auch wenn das Cloud-Geschäft eine geringere Marge aufweist, ist es aktuell profitabel. Der Knackpunkt ist allerdings, dass diese operative Marge nur die Abschreibungen auf vergangene CapEx berücksichtigt. Die entscheidende Frage bleibt daher, ob das Cloud-Geschäft auch dann noch profitabel bleibt, wenn die Abschreibungen auf die KI-Infrastruktur in Zukunft deutlich steigen.
Abschreibedauer zu hoch?
Ende 2025 veröffentlichte Starinvestor Michael Burry einen kritischen Bericht zum KI-Boom. Seiner Ansicht nach sind die hohen CapEx unprofitabler, als es in den Geschäftsberichten erscheint. Grund dafür sei, dass die Hyperscaler ihre KI-Hardware über fünf bis sechs Jahre abschreiben, obwohl Nvidia-Chips einen zwei- bis dreijährigen Zyklus hätten. Dadurch würden die Abschreibungen zu niedrig und die Gewinne zu hoch ausgewiesen.
Dieses Argument ist Stand heute wenig stichhaltig, wenn man einen Blick auf die Fakten wirft: Laut getdeploying.com werden aktuell immer noch Nvidia V100-GPUs vermietet, die bereits 2017 vorgestellt wurden. CoreWeave sagte im Februar, dass der Preis für die 2020 vorgestellten Nvidia A100-GPUs im Jahr 2025 sogar gestiegen sei.
Auch wenn in regelmäßigen Zyklen neue KI-Chips auf den Markt kommen, heißt das nicht, dass die alten Modelle in der Ecke verstauben. Stattdessen werden sie weiter für weniger rechenintensive und einfachere Aufgaben verwendet. Sobald die Hardware abgeschrieben ist, wird jeder zusätzliche Dollar Umsatz zu einem großen Teil Gewinn.
Management bleibt optimistisch
Von außen lässt sich aktuell nur mutmaßen, wie hoch der Gewinn oder Verlust auf die aktuellen KI-Investitionen tatsächlich ist. CFO Amy Hood zeigt sich jedenfalls „zuversichtlich hinsichtlich der Rendite“, da die Nachfrage nach Rechenleistung weiterhin über dem Angebot liegt. Zudem profitiert Microsoft auch auf anderen Ebenen von den KI-Ausgaben. So können beispielsweise interne Prozesse durch KI deutlich effizienter gestaltet werden. Außerdem werden die hohen Wachstumsraten der eigenen KI-Produkte wie M365 Copilot oder GitHub hervorgehoben.
Im Earnings Call für das zweite Quartal 2026 sagte Amy Hood, dass ein großer Teil der heute gekauften GPUs bereits für den Großteil der Nutzungsdauer vertraglich verkauft sei. Das spiegele sich auch im riesigen Auftragsbestand von über 600 Milliarden US-Dollar wider.
Fazit: Die KI-Wette ist riskant – aber nicht irrational
Mit einem Forward-Kurs-Gewinn-Verhältnis von 20 ist Microsoft so günstig bewertet wie seit fast zehn Jahren nicht mehr. Das zeigt, wie groß die Unsicherheit der Investoren ist. Es lässt sich aktuell zwar noch nicht mit 100-prozentiger Sicherheit sagen, ob sich die hohen Investitionen in Zukunft auszahlen werden, aber aus heutiger Sicht spricht vieles dafür. Die Verbreitung von KI-Agenten befindet sich noch in einem frühen Stadium und dürfte die Nachfrage nach Rechenleistung in den kommenden Jahren weiter stark wachsen lassen. Microsoft sichert seine Umsätze und Margen mit langfristigen Verträgen ab und äußert sich durchweg optimistisch. Außerdem könnten Microsoft Copilot und andere KI-Produkte in einigen Jahren erhebliche Umsatzbeiträge liefern und das Wachstum zusätzlich ankurbeln.
Auch wenn die fundamentale Ausgangslage damit mehr als solide ist, warten die Marktteilnehmer aktuell auf handfeste Beweise in Form konkreter Zahlen zur Rendite der KI-Investitionen. Bis das Management diese Beweise liefert, könnte es die Aktie weiter schwer haben. Dennoch sind mit der aktuellen Bewertung bereits viele Risiken eingepreist, weshalb sich ein genauerer Blick auf die Microsoft-Aktie definitiv lohnt.
Microsoft zeigt: Der KI-Boom entscheidet zunehmend über Gewinner und Verlierer an der Börse. Im KIQ Börsenbrief finden Sie daher regelmäßig die spannendsten Aktien, Trends und Chancen rund um Künstliche Intelligenz und Quantencomputing.
Häufig gestellte Fragen:
Warum ist die Microsoft-Aktie gefallen?
Die Microsoft-Aktie ist stark gefallen, weil Anleger zunehmend an den hohen KI-Investitionen zweifeln. Vor allem die steigenden CapEx für Rechenzentren und Azure belasten die Stimmung.
Sind Microsofts KI-Investitionen ein Risiko?
Ja, kurzfristig sind die hohen KI-CapEx ein Risiko, weil noch unklar ist, wie schnell sie sich auszahlen. Langfristig könnten sie aber Azure, Copilot und das Cloud-Geschäft deutlich stärken.
Ist die Microsoft-Aktie jetzt günstig bewertet?
Mit einem Forward-KGV von rund 20 ist Microsoft historisch günstig bewertet. Viele Risiken scheinen bereits eingepreist.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Microsoft.