Die Modekette aus den USA setzt auf besondere Atmosphäre in den Läden. Analysten sehen den Konzern an einem Wendepunkt. Eine neue Geschäftsidee spielt dabei eine wichtige Rolle

Hinweis: Dieser Artikel erschien zuerst am 05. August in der BÖRSE ONLINE-Ausgabe 33/26. Wenn Sie in Zukunft als Erstes die Einschätzung unserer Experten lesen wollen, dann werfen Sie einen Blick auf dieses Angebot.

Drei Freunde am Anfang ihres Berufslebens: Richard Hayne, Scott Belair und Judy Wicks eröffnen mit 5.000 US-Dollar Startkapital in Philadelphia, in der Nähe der Universität, einen kleinen Laden. Für erschwingliche Beträge werden gebrauchte Kleidung, Möbel, Dekoartikel oder auch Schallplatten angeboten. Es ist das Jahr 1970. Der Name des Ladens „The Free People’s Store“ soll den studentischen Zeitgeist aufgreifen.

Während die Flower-Power-Bewegung bald ihre Anziehungskraft verliert, wird der kleine Laden zum Ausgangspunkt ­einer faszinierenden Unternehmensstory. Urban Outfitters eröffnet nicht nur neue Läden, sondern entwickelt bald auch eigene Modekollektionen und neue Konzepte. Ein wichtiger Schritt folgt im Jahr 1992. Viele der Kunden von früher haben mittlerweile Jobs, ein gutes Einkommen und höhere Ansprüche. Urban Outfitters adressiert mit der neuen Lifestyle-Marke Anthro­pologie wohlhabende Frauen im Alter von 30 bis 45 Jahren. Verkauft werden Klamotten, Schuhe, Accessoires, Möbel oder auch Beauty- und Wellnessprodukte.

Unter dem Namen Urban Outfitters, oft als URBN abgekürzt, ist ein breit aufgestellter Mode- und Lifestyle-Konzern mit rund 800 Filialen, mehreren Marken und einem Jahresumsatz von zuletzt 6,2 Milliarden Dollar entstanden. Das Geschäftsmodell basiert auf drei Säulen: dem stationären und digitalen Einzelhandel, dem Großhandel und Abonnements. Im Retail-Segment bündelt der Konzern vor allem die Marken Anthropologie, FP Group und Urban Outfitters. Diese sollen unterschiedliche Zielgruppen ansprechen. Die Marke Urban Outfitters beispielsweise zielt auf junge ­Erwachsene zwischen 18 und 28 Jahren ab. Das Sortiment reicht von Damen- und Herrenbekleidung über Schuhe, Accessoires und Kosmetik bis zu Elektronik und Einrichtungsgegenständen. Wie damals in Philadelphia wird großer Wert auf Atmosphäre gelegt. Musik in den Läden und eine markante Architektur sollen eine besondere Atmosphäre schaffen und Kunden an die Marke binden.

Das ungewöhnlichste Projekt ist Nuuly. Hinter dem Kunstnamen steht eine Internetseite, über die Kunden gegen eine monatliche Gebühr Kleidungsstücke aus dem Sortiment eigener und fremder Marken mieten können. Die Kleidung wird im Folgemonat gegen neue Stücke ausgetauscht. Wem einer der Mietartikel ans Herz gewachsen ist, der kann ihn auch kaufen. Nuuly ist für den Konzern auch deshalb interessant, weil die Plattform viele Daten sammeln kann und damit schnelle Einblicke in Modetrends gibt, die auch in anderen Bereichen des Markenkonglomerats genutzt werden können.

Nuuly ist vom Umsatzvolumen ein kleinerer Bereich, hat aber Dynamik. Im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres stieg der Umsatz des Abo-Segments von Urban Outfitters um 35 Prozent auf 167 Millionen Dollar. Die durchschnittliche Zahl aktiver Abonnenten lag 33 Prozent über dem Vorjahreswert. Der operative Gewinn der Sparte betrug zehn Millionen Dollar, die operative Marge sechs Prozent.

An einem Wendepunkt

Wie alle Modeunternehmen ist auch Urban Outfitters stark von Konsumklima und Modetrends abhängig. Schwächephasen sind unvermeidlich. Die Schutzzölle der US-Regierung sind ein zusätzlicher ­Unsicherheitsfaktor. Für Börsianer ist es darum wichtig, den richtigen Zeitpunkt für ein Investment in die Aktie zu finden. Die Analysten von Goldman Sachs sehen den Konzern gerade an einem Wendepunkt: Nach mehreren Jahren mit schwachen Trends bei Umsatz und Profitabilität habe sich die Marke Urban Outfitters ­zuletzt positiv entwickelt und zeige nun Anzeichen einer Ergebnisverbesserung.

Im ersten Quartal des zum Februar ­gestarteten Geschäftsjahres steigerte URBN den Gesamtumsatz um elf Prozent auf 1,48 Milliarden Dollar. Der Retail-Umsatz legte um acht, der Großhandel sogar um 25 Prozent zu. Den operativen Gewinn verbesserte der Konzern um neun Prozent auf 140 Millionen Dollar. Der Analystenkonsens geht davon aus, dass die Gewinne im laufenden und kommenden Jahr weiter steigen (siehe Grafik).

Ein Wackelkandidat im Portfolio bleibt Anthropologie, ausgerechnet die nach Umsatz größte der Konzernmarken. Die Maßnahmen des Managements zur Neuausrichtung des Sortiments dürften in der zweiten Jahreshälfte weiter Wirkung zeigen, kalkuliert Goldman Sachs.

Während die beiden prominentesten Marken aktuell eher eine Turnaround-­Story sind, bietet neben Nuuly die ebenfalls noch relativ kleine Marke Free People Wachstumspotenzial, etwa durch eine Ausweitung des Filialnetzes und einen stärkeren Fokus auf Sport- und Freizeitbekleidung. Der Trend in den Zahlen des Gesamtkonzerns zeigt in die richtige Richtung: Das siebte Quartal in Folge habe man mit Rekordumsatz und Rekordgewinn ­abgeschlossen, betont das Management. 

Fazit

Der langfristige Kursverlauf der Aktie von Urban Outfitters zeigt die Zyklen im Modehandel. Der Trend geht aber nach oben. Aktuell sieht die Redaktion gute Chancen auf den nächsten Aufwärtsschub. Die Aktie ist mit einem knapp zweistelligen Kurs-Gewinn-Verhältnis moderat bewertet. Unser Kursziel liegt knapp über dem aktuellen Analystendurchschnitt.

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