Und es gibt noch eine schlechte Nachricht.OpenAI hat in 2026 auf annualisierter Basis wenig umgesetzt als bisher erwartet. Das schürt neue Sorgen über die Nachhaltigkeit des KI-Booms – und setzt sogar die Aktien von Schwergewichten wie Nvida unter Druck. Und es gibt noch eine schlechte Nachricht.
Das KI-Labor OpenAI hat seinen Investoren am Donnerstag neue Umsatzzahlen mitgeteilt – und die fallen überraschendenderweise schwächer aus, als bisher kolportiert. Demnach kam OpenAI Stand Ende September auf rund 50 Milliarden US-Dollar annualisierten Umsatz. Diese Zahl liegt deutlich unter den 68 Milliarden US-Dollar, von denen Medien Ende September berichtet hatten.
Die damals höhere Zahl habe erklären Insider laut Informationen des US-Börsenders CNBC damit, dass darin Bruttoumsätze von OpenAI-Partnern enthalten gewesen seien. Diese sein eingerechnet worden, um die besser mit den Daten des Konkurrenten Anthropic vergleichen zu können. Tatsächlich seien von OpenAI aber nur 50 Millionen Dollar Umsatz generiert worden.
Die Börsianer halten von solche Zahlenspielerei wenig: Bei ihnen blieb hängen, dass OpenAI enttäuscht hat – und das womöglich Konsequenzen für den gesamten KI-Sektor haben könnte.
KI-Sektor rund um Nvidia fällt
Entsprechend heftig fiel die Kursreaktion im späten Handel am Donnerstag aus: Die Kursverluste betrafen die gesamte Wertschöpfungskette. Nvidia-Aktien verloren drei Prozent, Oracle knapp sechs Prozent und CoreWeave fast acht Prozent. Auch AMD und Broadcom gaben jeweils rund vier Prozent nach, Intel fünf Prozent und Super Micro Computer knapp fünf Prozent. Am Freitag erholten sich die Kurse im europäischen Handel bis zum Mittag leicht, konnten aber die Vortagesverluste bei weitem nicht wettmachen.
Anleger fragen sich wieder einmal, ob die gewaltigen Investitionen in Chips, Rechenzentren und Cloud-Kapazitäten schnell genug in ausreichend hohen Umsätzen und Gewinnen münden, die diesen Aufwand rechtfertigen. Aktien von Nvidia, Oracle und CoreWeave reagieren als Ausrüster und Erbauer der KI-Infrastruktur besonders sensibel auf Änderungen in diesen Erwartungen.
OpenAI wächst dennoch stark
Zur Ehrenrettung von OpenAI sei gesagt: Auch ein annualisierter Umsatz von 50 Milliarden US-Dollar wäre ein außergewöhnlich starkes Wachstumssignal. Immerhin stieg der annualisierte Umsatz damit laut CNBC allein im dritten Quartal um 77 Prozent, im Unternehmenskundengeschäft sogar um 107 Prozent.
Das Problem ist die jedoch die Bewertung, die das Unternehmen bei seinem geplanten IPO erzielen können soll. OpenAI hatte bereits im Juni vertraulich einen Börsenprospekt dafür eingereicht, das IPO aber zuletzt auf 2027 verschoben. Parallel laufen laut US-Medien Gespräche über eine weitere Finanzierungsrunde in Höhe von etwa 30 Milliarden US-Dollar.
Mega-IPO von Nvidia-Partner geplatzt
Die wieder wachsende Skepsis der Investoren gegenüber jungen KI-Unternehmen zeigt sich auch an anderer Stelle: So zog der australischen Rechenzentrumsbetreiber Firmus seien geplanten Börsengang am Freitag zurück. Das von Nvidia finanziell unterstützte Unternehmen wollte rund fünf Milliarden US-Dollar einsammeln. Das wäre der zweitgrößte IPO in der Geschichte Australiens geworden.
Nun aber verwies Firmus auf die Marktvolatilität und erklärte, die Angebote der Investoren in der Zeichnungsphase spiegelten die Stärke des Geschäfts und die langfristigen Wachstumsaussichten nicht angemessen wider. Berichten zufolge zuckten Investoren jedoch vor allem aufgrund von Sorgen über die Lockup-Fristen bei Firmus zurück: Altaktionäre hätten vom ersten Handelstag an mehr als die Hälfte ihrer Aktien verkaufen können. Das weckte die Furcht vor einem starkem Verkaufsdruck auf die Aktie bereits direkt nach dem Handelsstart.
Die Krise kommt erst, wenn ...
Für Aktionäre von Nvida, Coreweave & Co. sind diese Rückschläge noch kein grund, die Flinte ins Korn zu werfen.
Doch die Messlatte liegt nun höher: Nach der erneuten massiven Kursrally bei KI-Werten in diesem Jahr will der Markt nun bei den Betreibern der KI-Modelle wie OpenAI und Anthropic langsam Ergebnisse sehen, die sich in nicht nur in Umsätzen, sondern auch in den Margen niederschlagen.
Das steile Umsatzwachstum bei OpenAI zeigt, dass die Kommerzialisierung voranschreitet. Aber die Bewertung hatte ein noch schneller Aufholjagd eingepreist – die sich nun nicht bewahrheitet hat. Doch erst wenn OpenAI, Anthropic und ihre Partner, die Hyperscaler, dies zum Anlas nehmen würden, ihre Ausbaupläne zu kürzen, käme der KI-Sektor ernsthaft unter Druck. Das ist bisher nicht zu beobachten.
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Häufige Fragen zum Thema
Warum hat OpenAI enttäuscht?
OpenAI meldete seinen Investoren per 30. September 2026 einen annualisierten Umsatz von 50 Millioen US-Dollar gemeldet. Zuvor hatten Medien jedoch über eine Zahl von 68 Millionen US-Dollar spekuliert. daher dei Enttäuschung.
Was versteht man unter "annnualisiertem Umsatz"?
Der annualisierte Umsatz rechnet die Einnahmen eines kurzen Zeitraums auf ein volles Jahr hoch. Er zeigt, wie viel ein Unternehmen in zwölf Monaten einnehmen würde, wenn das Geschäft genau so weiterliefe wie zuletzt. Die Kennzahl wird neuerdings gerne von schnell wachsenden Start-Ups verwendet, ist aber keine belastbare oder gar überprüfbare Bilanzgröße.
Warum fallen KI-Aktien wegen der OpenAI-Meldung?
Sollte es OpenAI und Anthropic nicht gelingen, ihre Investitonen in KI-Rechenzentren wie geplant in Umsätze und Gewinne umzumünzen, würde könnten Ausbaupläne gekürzt oder verschoben werden. Das würde sich auf die Auftragslage von Ausrüstern wie Nvidia, AMD oder Intel auswirken und am Ende auch auf die gesamte KI-Wertschöpfungskette.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Nvidia, CoreWeave Inc..