Japan und die USA haben erstmals seit Jahrzehnten gemeinsam in den Devisenmarkt eingegriffen. Denn ein schwacher Yen ist eine Gefahr für die globalen Finanzmärkte.

Zum ersten Mal seit Jahrzehnten haben Japan und die Vereinigten Staaten gemeinsam am Devisenmarkt interveniert, um den schwächelnden Yen zu stützen. Japans Finanzministerin Satsuki Katayama bestätigte den Eingriff und erklärte, man habe in enger Abstimmung mit Washington Yen gekauft, um „übermäßige Volatilität und ungeordnete Bewegungen" der japanischen Landeswährung einzudämmen. Die Regierung in Tokio stehe weiterhin in engem Austausch mit den USA und werde bei Bedarf weitere Maßnahmen am Devisenmarkt ergreifen.

Staatliche Währungsinterventionen sind ein seltenes Mittel der Wirtschaftspolitik. Die letzte bilateral abgestimmte Maßnahme zwischen Japan und den USA liegt bereits mehrere Jahrzehnte zurück – sie fand Ende der 1990er Jahre statt. Danach intervenierten die Finanzminister und Zentralbanken der G7-Staaten im Jahr 2011 gemeinsam am Devisenmarkt, um den Yen nach der verheerenden Erdbeben- und Tsunamikatastrophe von Fukushima zu stabilisieren.

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Yen auf dem schwächsten Stand seit 40 Jahren

Auslöser der ungewöhnlichen Maßnahme ist der drastische Kursverfall der japanischen Währung: Der Yen war zuletzt gegenüber dem US-Dollar auf den schwächsten Stand seit rund 40 Jahren gesunken – das niedrigste Niveau seit 1986. Hauptursache ist die anhaltend hohe Zinsdifferenz zwischen Japan und den USA: Obwohl die Bank of Japan ihren Leitzins Mitte Juni auf ein Prozent angehoben hatte – den höchsten Stand seit 1995 –, verpuffte die Wirkung. Händler gehen davon aus, dass die US-Notenbank Federal Reserve ihren restriktiven Kurs beibehält, womit der Zinsvorteil des Dollars strukturell erhalten bleibt.

Ein schwacher Yen macht japanische Exporte im Ausland günstiger – ein Effekt, von dem die exportorientierte Volkswirtschaft in den vergangenen Jahren durchaus profitiert hat. Doch die Nachteile sind: Importwaren werden teurer, Rohstoffkosten steigen, und die Kaufkraft der japanischen Bevölkerung sinkt spürbar.

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Trump: „Wir sind immer da, um Japan zu helfen"

US-Präsident Donald Trump wertete die gemeinsame Intervention als Beleg für die engen Beziehungen zwischen Tokio und Washington. „Sie haben einen schwächelnden Yen und wollten ein bisschen Unterstützung. Wir sind immer da, um Japan zu helfen", sagte er am Sonntagabend an Bord der Präsidentenmaschine auf dem Flug von New Jersey nach Washington. Der Eingriff komme zudem der gesamten Weltwirtschaft zugute, so Trump.

Damit könnte er recht haben - denn ein niedriger Yen kann sich zur Gefahr für die globalen Finanzmärkte entwickeln. Das Problem dabei: Ein niedriger Yen macht sogenannte Carry-Trades besonders attraktiv. Investoren leihen sich dabei zu günstigen japanischen Konditionen Kapital und investieren es in höher verzinste Vermögenswerte – etwa Aktien, Anleihen oder Kryptowährungen in den USA. Je nach Schätzung beläuft sich das aktive Volumen dieser Trades auf bis zu 800 Milliarden US-Dollar.

Zum Problem werden Carry-Trades, wenn sich die Richtung plötzlich umkehrt. Sollte die Bank of Japan die Zinsen stärker als erwartet anheben oder der Yen sprunghaft aufwerten, könnten zahlreiche Positionen gleichzeitig aufgelöst werden – mit einer globalen Kettenreaktion an den Finanzmärkten.

Weiterführende Links

Gefahr für Börsen: Schwarzer Montag vom 5. August 2024

Das ist schon einmal am 5. August 2024 passiert. Als die Bank of Japan die Märkte mit einer überraschenden Leitzinserhöhung um 25 Basispunkte überrumpelte, kam es zu einer massenhaften Auflösung von Carry-Trades. Der Nikkei stürzte daraufhin um rund zwölf Prozent ab – und riss die Märkte in Europa und Amerika mit nach unten. Dow Jones, S&P 500 und Nasdaq Composite erlitten allesamt erhebliche Verluste.

Ein ähnlicher Absturz scheint derzeit nicht unmittelbar bevorzustehen – doch Experten warnen, dass der Yen dabei ist, erneut in einen kritischen Kursbereich zu rutschen. Genau das macht die koordinierte Intervention von Japan und den USA so bedeutsam: Sie ist nicht nur ein währungspolitisches Signal, sondern auch ein Versuch, eine potenziell unkontrollierbare Kettenreaktion an den Weltbörsen zu verhindern.

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Nikkei 225 (ISIN: JP9010C00002)

Enthält Material von dpa-AFX

Häufige Fragen

Was ist eine Devisenmarktintervention? 

Bei einer Devisenmarktintervention kauft oder verkauft eine Zentralbank bzw. Regierung gezielt Fremdwährungen, um den Wechselkurs der eigenen Währung zu beeinflussen und starke Kursschwankungen zu dämpfen.

Was sind Carry-Trades und warum sind sie gefährlich? 

Bei einem Carry-Trade leihen sich Investoren Kapital in einer Niedrigzinswährung wie dem Yen und investieren es in höher verzinste Anlagen. Dreht sich der Kurs, müssen Positionen schlagartig aufgelöst werden – mit dem Risiko globaler Kettenreaktionen an den Börsen. Das aktive Volumen wird auf bis zu 800 Milliarden US-Dollar geschätzt.

Könnte sich ein Crash wie am 5. August 2024 wiederholen? 

Damals löste eine überraschende Zinserhöhung der Bank of Japan eine Carry-Trade-Welle aus: Der Nikkei verlor zwölf Prozent, auch Dow Jones, S&P 500 und Nasdaq brachen ein. Experten schließen ein ähnliches Szenario nicht aus – zumal der Yen erneut in kritisches Terrain gerät.

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