Rheinmetall hat am Mittwoch ein historisches Debakel an der Börse erlebt. Die Aktie des Rüstungsunternehmens brach um 19 Prozent ein, weil ein Auftrag der Bundeswehr anderweitig vergeben worden ist. Das Interesse an Rheinmetall ist nach wie vor immens und viele Anleger fragen sich, ob der Crash eine Kaufchance ist.

In Kürze:

- Rheinmetall stürzt nach dem geplatzten Bundeswehr-Auftrag massiv ab.

- Analysten senken teils deutlich ihre Kursziele, bleiben aber uneins über das Ausmaß der Folgen.

- Bis zur Bilanzpressekonferenz dürfte die Aktie hochvolatil bleiben.


Rheinmetall ist ein Fallen Angel geworden. Die Aktie hat 2026 40 Prozent an Wert eingebüßt. Stand jetzt ist es das zweitschlechteste Jahr überhaupt. Nur einmal, 2008 während der Finanzkrise, crashte Rheinmetall mit minus 58 Prozent noch brachialer.

Nach dem Einbruch am Mittwoch gibt es auch am Donnerstag Verluste. Am Vormittag büßt die Aktie 0,6 Prozent auf 943 Euro ein. Dabei wäre ein Stabilisierungsversuch dringend nötig, denn die charttechnische Situation ist brisant. Die Aktie ist auf den niedrigsten Stand seit März 2025 gefallen. Entscheidend ist nun, ob das Tief vom April 2025 bei 933 Euro als nächste Unterstützung Bestand hat. Sollte diese Marke nicht halten, könnten die Bären den Kurs bis auf 792 Euro drücken, wo die 200-Tage-Linie auf Wochenbasis verläuft.

19 Prozent minus als Reaktion auf einen entgangenen Auftrag der Marinesparte – ist das nicht übertrieben? Die Meinungen der Analysten gehen auseinander. Klar bullish bleibt Alexander Neuberger vom Bankhaus Metzler mit einem Kursziel von 2.180 Euro. Unter der Annahme, dass 50 Prozent des Umsatzziels im Marinebereich von diesem Auftrag abhängig gewesen wären, bezifferte er das EBIT-Risiko auf rund 250 Millionen Euro beziehungsweise 2,5 Prozent des Konzernziels für 2030.

Chloe Lemarie (Jefferies) indes hat ihr Kursziel von 1.890 auf 1.300 Euro gesenkt. Die Düsseldorfer befänden sich derzeit in schwierigem Fahrwasser, so die Analystin. Ihre Umsatzprognose liegt nun 20 Prozent unter dem Konzernziel für 2030. Der Börsenwert sackte am Mittwoch um rund zehn Milliarden Euro ab. Das sei ein Vielfaches des operativen Gewinns, der aus dem stornierten Auftrag zu erwarten gewesen wäre, meint sie. Die Anleger hätten Vertrauen verloren.

Das meint auch Morgan Stanley. Die mögliche Stornierung komme überraschend, weil Rheinmetall offenbar mit einer Vertragsvergabe noch vor der Sommerpause gerechnet habe. Der Markt habe nun Zweifel an der Verlässlichkeit deutscher Rüstungsbeschaffung. Zudem gebe es eine Unsicherheit bei der Visibilität künftiger Aufträge. Das neue Kursziel lautet 1.750 Euro nach 2.500 Euro.

Laut Holger Schmidt sei der Barwert des F126-Projekts viel niedriger als der Rückgang des Börsenwerts. Der operative Gewinn des Auftrags hätte insgesamt rund 1,5 Milliarden Euro betragen und das über viele Jahre gestreckt. Er sieht allerdings einen Rückschlag für die Ambitionen der Düsseldorfer im Marine-Geschäft. Schmidt hat sein Kursziel von 2.188 auf 1.705 Euro gesenkt.

Rheinmetall (WKN: 703000)

Fazit

Der Markt wartet nun darauf, wie der Konzern die Situation einschätzt. Wichtiger Termin: Bilanzpressekonferenz am 6. August. So lange ist mit hoher Volatilität bei der Aktie zu rechnen. Rheinmetall fiel bereits vor Wochen unter den Stoppkurs des AKTIONÄR und wurde auch aus dem Depot verkauft. 

FAQs

Was macht Rheinmetall?

Rheinmetall ist ein deutscher Technologiekonzern mit Schwerpunkt auf Rüstungs- und Sicherheitslösungen sowie militärischer Fahrzeugtechnik, Munition und Sensorik.

Warum steht Rheinmetall so stark im Fokus der Anleger?

Weil der Konzern stark von steigenden Verteidigungsausgaben in Europa profitiert und als wichtiger Ausrüster der Bundeswehr gilt.

Welche Faktoren bewegen die Rheinmetall-Aktie besonders?

Vor allem Großaufträge, politische Entscheidungen zu Verteidigungsbudgets. Seit dem Krieg in der Ukraine ist die Bedeutung Rheinmetalls enorm gewachsen.