Die jüngste Erholung bei den Chipaktien gerät schon wieder in Gefahr. Am Dienstag begann an den US-Börsen ein Abverkauf, der sich am Mittwoch in Asien fortsetzte. Das ist passiert.
Die Chip-Rally erhält diese Woche den nächsten Dämpfer. Steigende Renditen an den Anleihenmärkten lösten bereits am Dienstag in den USA einen Abverkauf aus, der sich am Morgen in Asien verstärkte. Dort traf es die großen Namen besonders hart: Samsung und SK Hynix gaben mehr als sieben Prozent ab. Das hatte auch Folgen für deutsche Titel aus dem Chipuniversum: Die Kurse von Infineon, Aixtron und Suss Microtec geraten im deutschen Handel am Vormittag ebenfalls unter Druck, konnten die Kursverluste aber bislang auf weniger als zwei Prozent eindämmen.
Was Staatsanleihen und der Ölpreis mit Chipaktien zu tun haben
Der Auslöser für dei Kursverluste liegt diesmal außerhalb der Chipbranche: Die Renditen langlaufender Staatsanleihen steigen weltweit. In den USA kletterte die Rendite auf 30-jährige Treasuries zeitweise auf 5,34 Prozent – das ist der höchste Stand seit 2007. Gleichzeitig zieht der Ölpreis wieder an, was die Inflationsangst neu befeuert und bald zu Zinserhöhungen führen könnte.
Die wären Gift für die Tech-Branche. Höhere Zinsen senken die Bewertungsmultiplikatoren auf die erwarteten Cashflows. Außerdem verteuern sie die Finanzierung neuer KI-Rechenzentren, was deren Ausbau bremsen könnte. Zusammen mit der Sorge vor einer länger anhaltender Inflation aufgrund der hohen Ölpreise beeinflusst das die Risikobereitschaft der Investoren.
Asiatische Börsen reagieren heftig
In Asien kam es am Mittwoch zu einem breiten Ausverkauf. Der Kospi in Südkorea, der stark von der Kursnetwiklung von Samsung und SK Hynix abhängig ist, sackte um 6,37 Prozent ab, der japanische Nikkei 225 und der Topix gaben jeweils mehr als zwei Prozent ab. Der MSCI Asia Pacific fiel ebenfalls deutlich.
Die Börse in Südkorea gilt mittlerweile als Seismograph für den KI-Boom. Der Markt hatte den Kospi bis Mitte Juni regelrecht nach oben katapultiert, bevor sich die Kurse bis Ende Juli teilweise mehr als halbierten. Es folgte eine Erholung, die jetzt wieder massiv unter Druck gerät.
Der Markt nimmt Luft raus
Was im KI-Hype bisher als sicherer Wachstumsbereich galt, wird nun wieder wie ein klassischer Risikotrade behandelt. Der Markt nimmt den KI-Hype also weiter ernst, aber er zahlt nicht mehr jeden Preis.
Wenn, so wie jetzt, Renditen, Ölpreis und geopolitische Unsicherheit gleichzeitig hochlaufen, nehmen Anleger Gewinne mit –zuerst bei den zyklischsten Tech-Namen im Chipbereich, dann auch bei den Zulieferern. Höhere Zinsen machen Wachstumswerte weniger attraktiv, besonders wenn gleichzeitig die Finanzierungskosten für Hyperscaler steigen.
So reagieren Anleger jetzt
Interessant wird nun sein, ob der Markt die Kosten für die nächste Investitionswelle im KI-Bereich nun generell höher einpreist. Dann träfe das über kurz oder lang die gesamte Wertschöpfungskette.
Noch ist es nicht so weit. Deshalb ist der heutige Rücksetzer für Anleger auch kein Grund, gleich den gesamten Sektor abzuschreiben. Aber es ist ein deutlicher Hinweis darauf, dass die Börsen die perfekte KI-Story nicht mehr einfach durchwinken. Bei steigenden Zinsen spielen die eigenen, freien Cashflows und der wachsende Finanzierungsbedarf eine Rolle. Solange die Renditen auf hohem Niveau verharren, bleiben Halbleiter-Aktien ein Markt für Nervenstarke. Gleichzeitig bietet sich in den kommenden Tagen womöglich die ein oder andere günstige Einstiegschance.
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Häufige Fragen zum Thema
Warum steigen die Renditen auf Staatsanleiuhen gerade jetzt so stark?
Der Anleihenmarkt preist nicht nur eine höhere Inflation, sondern auch die schwache US-Fiskallage und geopolitische Risiken ein. Dazu kommt, dass die wachsende Staatsverschuldung, vor allem der USA, das Vertrauen in langlaufende US-Anleihen belastet. Das treibt die Renditen zusätzlich nach oben.
Welche Aktien trifft das besonders?
Vor allem wachstumsstarke Tech-Werte leiden, weil ihre künftigen Gewinne bei höheren Zinsen stärker abgezinst werden. Auch Firmen, die viel Kapital für den KI-Ausbau brauchen, spüren den Druck. Deshalb geraten Nasdaq-Titel oft besonders schnell unter Verkaufsdruck.
Warum ist der Kospi-Index so abhängig von Samsung und SK Hynix?
Der südkoreanische Leitindex KOSPI ist extrem von Samsung Electronics und SK Hynix abhängig, weil diese beiden Halbleiter-Giganten zusammen mehr als die Hälfte der gesamten Marktkapitalisierung des Index ausmachen. Da die beiden Unternehmen als weltweite Marktführer bei DRAM- udn HBM-Speicherchips gelten, bilden ihre Kurse Stimmungschwankungen der Investoren im Chipmarkt besonders stark ab, was auch die Volatilität des Kospi verstärkt.
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