Nach der Vortageserholung dürfte der deutsche Aktienmarkt zum Wochenschluss eine Atempause einlegen. Die Vorgaben sind durchwachsen angesichts erholter Aktienmärkte in Asien bei andererseits wieder etwas höheren Ölpreisen. Der X-Dax signalisierte knapp eine Stunde vor Handelsbeginn für den Dax ein Minus von 0,06 Prozent auf 25.104 Punkte. Damit deutet sich für den Leitindex ein Wochenverlust von rund zweieinhalb Prozent an.

Angesichts des wieder im Fokus stehenden Iran-Kriegs und den damit deutlich gestiegenen Ölpreisen verwundert die klar negative Wochenbilanz nicht, obwohl der Dax am Montag zunächst noch ein weiteres Rekordhoch von 25.900 Punkten erreicht hatte. Nach einem zwischenzeitlichen Rückschlag bis auf 24.830 Punkte konnte er sich aber immerhin etwas fangen und sich wieder über die 21-Tage-Linie retten.

Trotz aller Angriffe arbeiten Washington und Teheran laut der US-Regierung weiter an einer diplomatischen Lösung des Konflikts. "Die Vereinigten Staaten setzen sich weiterhin für eine Lösung ein, und die technischen Gespräche laufen weiter", sagte ein Regierungsbeamter der Deutschen Presse-Agentur. "Der Markt scheint die jüngsten Spannungen zwischen den USA und dem Iran eher als Belastung für den Waffenstillstandsprozess denn als vollständigen Zusammenbruch zu sehen", sagte Warren Patterson, Rohstoffstratege der ING Groep in Singapur der Nachrichtenagentur Bloomberg.

DAX (WKN: 846900)

Nachrichten aus Deutschland

Bayer sichert sich 3 Milliarden Euro durch Pharma-Deal

Der durch US-Glyphosatklagen von hohen Schulden belastete Pharma- und Agrarchemiekonzern Bayer verschafft sich durch einen Milliardendeal mit der Beteiligungsgesellschaft Apollo mehr finanziellen Spielraum. Apollo erhalte eine Minderheitsbeteiligung an einer neuen

Gesellschaft, in die Bayer sein Geschäft mit reversiblen Langzeit-Kontrazeptiva (LARC) einbringe, teilte der Dax-Konzern am Freitag mit. Dadurch sichert sich Bayer den Angaben zufolge 3,0 Milliarden Euro Eigenkapital.

Bayer behält die Anteilsmehrheit an der Gesellschaft sowie die vollständige operative Kontrolle über das LARC-Geschäft (Verhüttungsmittel), das Teil des Kerngeschäfts der Pharmasparte bleibt. Der Abschluss der Transaktion werde für das dritte Quartal 2026 erwartet.

Bayer ist in den USA seit Jahren mit einer milliardenteuren Klagewelle wegen angeblicher Krebsrisiken seiner glyphosathaltigen Unkrautvernichter konfrontiert. Allerdings schloss das Unternehmen im Februar einen Sammelvergleich über 7,25 Milliarden US-Dollar (knapp 6,4 Mrd Euro) zur Beilegung der Rechtsstreitigkeiten, der bereits vorläufig genehmigt wurde. Die Anhörung für eine endgültige Genehmigung soll am 19. August stattfinden.

Zudem hatte Bayer erst jüngst einen wichtigen Erfolg vor dem Obersten Gericht in den USA erzielt. Dem Urteil des US Supreme Court zufolge kann Bayer nicht wegen fehlender Krebswarnungen auf Verpackungen von Unkrautvernichtern verklagt werden. Tausenden Klagen im Zusammenhang mit Roundup dürfte damit die Grundlage entzogen werden. Bayer verneint ein Krebsrisiko von Roundup.

 JPMorgan dreht Salzgitter auf 'Overweight' - Kursziel verdoppelt

Die US-Bank JPMorgan hat das Kursziel für Salzgitter mehr als verdoppelt von 31,40 auf 65,00 Euro und die Einstufung der Aktien von "Underweight" auf "Overweight" gedreht. Analyst Dominic O'Kane wird optimistisch für die europäische Stahlbranche. Die Protektionsmaßnahmen der Politik zeigten Wirkung, schrieb er am Donnerstag. Neben Salzgitter macht er auch bei Voestalpine-Aktien eine Kehrtwende und sieht den Branchenriesen ArcelorMittal immerhin nicht mehr negativ. O'Kane geht im zweiten Halbjahr von steigenden Stahlpreisen in Europa aus. Die Gewinnentwicklung der Unternehmen werde Fahrt aufnehmen. In der Berichtssaison zum zweiten Quartal rechnet er derweil noch nicht mit positiven Überraschungen.

Internationale Nachrichten

SK Hynix sammelt 26,5 Milliarden Dollar ein – größtes US-Listing eines ausländischen Unternehmens

SK Hynix hat 177,9 Millionen American Depositary Receipts zu je 149 Dollar platziert und damit 26,5 Milliarden Dollar eingesammelt – der größte US-Börsengang eines ausländischen Unternehmens aller Zeiten, der Saudi Aramcos Rekord von 2019 übertrifft. Analysten erwarten, dass das US-Listing hilft, die Bewertungslücke gegenüber Micron zu schließen, da SK Hynix als führender HBM-Chiplieferant für Nvidia und Alphabet derzeit noch mit einem Kurs-Gewinn-Abschlag gehandelt wird. Die beteiligten Banken – darunter Citigroup, Bank of America, Goldman Sachs und JPMorgan – verdienten zusammen rund 260 Millionen Dollar an Gebühren.

Iran-USA: Waffenstillstand faktisch beendet – diplomatische Gespräche gehen weiter

Nach iranischen Angriffen auf US-Militärziele in Golfstaaten als Reaktion auf US-Luftschläge auf den Iran erklärte Präsident Trump den Waffenstillstand für beendet, während Washington gleichzeitig betonte, weiterhin „technische Gespräche" mit Teheran zu führen. Mehrere Regionalmächte darunter Katar, die Türkei, Oman und Pakistan riefen beide Seiten zur Deeskalation auf. Die Ölpreise gaben nach einem starken Wochenanstieg leicht nach, bleiben aber angesichts der anhaltenden Versorgungsbedenken erhöht.

Halbleitersektor erholt sich kräftig – Micron erhöht US-Investitionspläne auf 250 Milliarden Dollar

Nach wochenlangen Verlusten legten Halbleiter- und KI-Aktien am Donnerstag deutlich zu – der Philadelphia Semiconductor Index stieg um 4,6 Prozent – angeführt von Micron mit plus 8 Prozent, nachdem der Konzern seine geplanten US-Investitionen auf über 250 Milliarden Dollar bis 2035 erhöht hatte. Broadcom stieg 4 Prozent nach Bekanntgabe eines über 30 Milliarden Dollar schweren Chip-Liefervertrags mit Apple, während Sandisk 11 Prozent zulegte, nachdem Wedbush seine Quartalsumsatzschätzung auf 8,89 Milliarden Dollar angehoben hatte. Auch Optikwerte wie Lumentum mit plus 12 Prozent, sowie AMD, Marvell und Intel verzeichneten deutliche Gewinne.

Gericht genehmigt SEC-Vergleich mit Musk – Richterin äußert deutliche Kritik

Eine US-Bundesrichterin hat den Vergleich zwischen der Börsenaufsicht SEC und Elon Musk über dessen verspätete Offenlegung von Twitter-Aktienkäufen 2022 genehmigt, der eine Zahlung von lediglich 1,5 Millionen Dollar aus einem Musk-Trust vorsieht – obwohl Musk durch die Verspätung schätzungsweise 150 Millionen Dollar gespart hatte. Richterin Sparkle Sooknanan erklärte, sie habe „erhebliche Vorbehalte" gegenüber dem Vergleich und fragte, warum die SEC einen Trust statt Musk persönlich belange. Sie konnte das Abkommen dennoch nicht ablehnen, da es die rechtlich erforderliche Mindestschwelle an Fairness und Verhältnismäßigkeit erfülle.

Tencent verhandelt über Übernahme von KI-Startup Manus nach Pekings Meta-Veto

Tencent befindet sich in Gesprächen, größter Anteilseigner des KI-Startups Manus zu werden, nachdem Peking Meta angewiesen hatte, seine 2-Milliarden-Dollar-Übernahme des Unternehmens rückabzuwickeln. Tencent und ursprüngliche Investoren wie ZhenFund und HSG planen, Manus für mindestens 2 Milliarden Dollar von Meta zurückzukaufen. Der Fall unterstreicht die wachsende geopolitische Dimension bei KI-Unternehmensübernahmen zwischen US- und chinesischen Akteuren.

Robinhood Chain verbucht 70 Millionen Dollar ETH-Zuflüsse in erster Woche

Robinhoods neue Layer-2-Blockchain, die am 1. Juli gestartet ist und auf der Arbitrum-Infrastruktur mit Ethereum als nativem Gas-Token basiert, hat in ihrer ersten Betriebswoche bereits über 70 Millionen Dollar in Ether angezogen. Token Terminal wertet dies als potenziell bedeutende neue Nachfragequelle für ETH, während Robinhood parallel tokenisierte US-Aktien in über 120 Ländern anbietet. Ethereum und seine Layer-2-Netzwerke halten laut RWA.xyz bereits über 50 Prozent Marktanteil bei tokenisierten realen Vermögenswerten.

Insider-Verkäufe bei Bitcoin-Minern unter Beobachtung – KI-Rally dreht sich um

Laut einer Analyse von Blocksbridge Consulting haben Führungskräfte und Großaktionäre bei Bitcoin-Mining-Unternehmen wie TeraWulf, Cipher Digital, Riot Platforms und Core Scientific während der durch KI-Narrative getriebenen Kursrally erhebliche Aktienpakete verkauft – nun, da die Rally nachlässt, rücken diese Transaktionen zunehmend in den Fokus von Investoren. Viele Verkäufe erfolgten über vorab festgelegte 10b5-1-Handelspläne, was sie formal legal macht, aber die Frage aufwirft, ob die Gewinne der KI-Expansion tatsächlich den Aktionären zugutekommen. Stablecoin-Emittent Tether reduzierte zudem seine Beteiligung an Bitdeer nach dessen KI-getriebenem Kursanstieg.

Easyjet mit Kehrtwende im Übernahmepoker - Apollo bietet mehr als Castlelake

Der Rivale Apollo grätscht dem US-Finanzinvestor Castlelake bei der sicher geglaubten Übernahme des britischen Billigfliegers Easyjet dazwischen: Laut den Briten soll im Übernahmepoker nun Apollo mit einem höheren Gebot zum Zuge kommen. Die Offerte von Castlelake unterstützt Easyjet laut einer Mitteilung vom Freitag nicht mehr. Apollo will Easyjet zufolge 7,15 britische Pfund je Aktie bieten, damit liegen insgesamt 5,7 Milliarden Pfund (6,7 Mrd Euro) auf dem Tisch. Wahlweise können Aktionäre Anteile an dem Apollo-Fonds erhalten, in dem Easyjet gehalten werden soll. Castlelake hatte zuletzt 6,90 Pfund je Papier geboten und das Easyjet-Management damit nach langem Ringen zunächst überzeugt. Die Gremien werteten das in Aussicht gestellte Apollo-Gebot aber nun als überlegen und würden es voraussichtlich auch offiziell empfehlen, hieß es von Easyjet in London.

Nach britischem Übernahmerecht muss Apollo nun bis zu 7. August ein verbindliches Angebot vorlegen. Laut Easyjet besteht keine Garantie, dass es tatsächlich dazu kommt. Im Übernahmepoker hat die Easyjet-Aktie seit Mitte Mai rund 70 Prozent auf zuletzt 588 Pence zugelegt.

PepsiCo wächst vor allem im Ausland - Aktie unter Druck

Der Getränke- und Snackhersteller Pepsico hat seinen Umsatz im zweiten Quartal dank des Wachstums im internationalen Geschäft deutlich gesteigert. Die Erlöse legten um 6,4 Prozent auf fast 24,2 Milliarden US-Dollar zu, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte. Organisch, also Währungs- und portfoliobereinigt blieb der US-Hersteller von Doritos, Lay's und Gatorade mit einem Plus von 2,4 Prozent allerdings etwas hinter den Erwartungen der Analysten zurück. So schmälerten niedrigere Preise den Umsatz im nordamerikanischen Snackgeschäft.

Anleger zeigten sich enttäuscht. Im frühen New Yorker Handel verlor die Pepsico-Aktie 4,5 Prozent.

Der operative Kerngewinn stieg im zweiten Quartal um vier Prozent auf gut vier Milliarden Dollar. Das bereinigte Ergebnis je Aktie verbesserte sich um ebenfalls vier Prozent auf 2,20 Dollar und fiel besser aus, als vom Markt angenommen.

PepsiCo bemüht sich um eine Steigerung des Absatzes seiner salzigen Snacks und verzeichnete Anfang des Jahres erste Anzeichen einer Erholung, nachdem das Unternehmen die Preise für mittelgroße Packungen um bis zu 15 Prozent gesenkt hatte, um preisbewusste Kunden zurückzugewinnen. Im zweiten Quartal musste PepsiCo dennoch einen Umsatzrückgang von zwei Prozent im nordamerikanischen Lebensmittelgeschäft hinnehmen, während das Absatzvolumen stagnierte. Das Unternehmen bestätigte seine Prognose für das Geschäftsjahr 2026.

Emirates Telecom verkauft Vodafone-Beteiligung an Iliad-Eigner Niel

Der Vodafone-Großaktionär Emirates Telecom verkauft seine Beteiligung am britischen Telekomkonzern an den französischen Milliardär Xavier Niel. Für 112,5 britische Pence je Aktie gehen gut 3,9 Milliarden Papiere an Niels Erwerbsvehikel Vega, wie Emirates Telecom (auch unter e& bekannt) am Freitag in Abu Dhabu mitteilte. Der Preis enthält je Aktie eine Komponente für die Zwischendividende von gut 2 Pence. Am Vortag waren die Vodafone-Aktien bei knapp 98 Pence aus dem Handel gegangen. Niel erhält Zugriff auf gut 16 Prozent der Kapitalanteile und gut 17 Prozent der Stimmrechte an Vodafone. Insgesamt streicht Emirates Telecom umgerechnet 5,95 Milliarden US-Dollar (5,2 Mrd Euro) für den Deal ein. Der Abschluss soll bald erfolgen.

Niel ist Hauptaktionär des Telekomkonzerns Iliad, der in Frankreich zuletzt in einem Konsortium mit Orange und Bouygues Telecom den Mobilfunk-Rivalen SFR schluckte.

Enthält Material von dpa-AFX

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